PwC bleibt der unangefochtene Marktführer unter den deutschen Wirtschaftsprüfern. Exklusive Branchenrankings zeigen: Die Gesellschaft wächst schneller als ihre Wettbewerber und kontrolliert einen immer größeren Teil der Dax-Abschlussprüfungen. Während die Rivalen um Platz zwei ringen, kämpft EY weiter mit den Nachwirkungen von Wirecard.
Umsatzwachstum verschiebt die Kräfteverhältnisse
Im Geschäftsjahr 2024/25 legte PwC in Deutschland um acht Prozent zu – der stärkste Zuwachs unter den „Big Four“. KPMG und Deloitte kamen nur noch auf vier bis fünf Prozent, nachdem sie in den Vorjahren teils zweistellig gewachsen waren. Die Konjunkturschwäche traf vor allem das Consultinggeschäft.
Bei EY fällt das Wachstum nach Einschätzung von Branchenkennern sogar unter vier Prozent. Offizielle Zahlen stehen noch aus, das Bild ist aber eindeutig: EY verliert den Anschluss an die Spitzengruppe.
PwC dominiert die Abschlussprüfung im Dax
Besonders deutlich zeigt sich die Verschiebung bei den Prüfungsmandaten im Dax. PwC steigerte seinen Marktanteil in den vergangenen vier Jahren von 35 auf 42,5 Prozent. Damit prüft die Gesellschaft fast jedes zweite Dax-Unternehmen.

EY rutscht dagegen massiv ab. Ab dem kommenden Jahr bleibt der Prüfer nur noch bei drei Dax-Konzernen im Einsatz: Volkswagen, Qiagen und Deutsche Bank. Der Marktanteil sinkt auf 7,5 Prozent – ein drastischer Absturz gegenüber 30 Prozent vor vier Jahren. Die Ursache ist bekannt und wirkt weiter nach: der Imageverlust durch den Wirecard-Skandal.
Deloitte und KPMG liefern sich ein enges Rennen
Hinter PwC ist das Feld dicht. Deloitte und KPMG liegen 2026 bei den Dax-Mandaten gleichauf, jeweils mit 22,5 Prozent. Deloitte verzeichnete dabei den größten Zugewinn in der ersten Rotationsrunde.
Für beide Gesellschaften ist die Ausgangslage dennoch heikel. PwC prüft aktuell zahlreiche Konzerne, die in der nächsten Runde neu ausschreiben müssen. Wer hier Boden gutmachen will, braucht überzeugende Angebote – und belastbare Referenzen.
Die Rotation verändert den Markt nachhaltig
Seit 2016 müssen börsennotierte Unternehmen ihren Abschlussprüfer regelmäßig wechseln, seit 2021 spätestens nach zehn Jahren. Bis 2025 ist diese erste Rotationsrunde im Dax abgeschlossen. Die nächste steht bereits in den Startlöchern.
Der erste Wechsel ist fix: Bayer kehrt ab 2027 von Deloitte zurück zu PwC. Branchenexperten erwarten einen „Altbekannten-Effekt“. Viele Konzerne greifen bei der Neuvergabe auf frühere Prüfer zurück, die Strukturen und Risiken bereits kennen.

Technologie und Preis entscheiden über den Zuschlag
Vorkenntnisse allein reichen jedoch nicht. Ausschreibungen starten Jahre im Voraus, Pitches vergleichen Konzepte, Personalstärke, Technologieeinsatz und Honorare. Gerade Investitionen in Datenanalyse und Künstliche Intelligenz werden zum entscheidenden Faktor.
Für PwC wird die zweite Rotationsrunde damit zur Bewährungsprobe. Die Gesellschaft muss ihre Dominanz verteidigen – unter neuer Führung. Im Juli 2026 übernimmt Marc Billeb den Deutschland-Chefposten.
EY kämpft weiter um Vertrauen
EY bleibt der Problemfall der Branche. Zahlreiche Haftungsklagen im Zusammenhang mit Wirecard sind noch anhängig, das Misstrauen vieler Aufsichtsräte hält an. Erst ab April 2026 darf EY wieder uneingeschränkt neue Börsenmandate übernehmen.
Ein Hoffnungssignal gibt es: Die Allianz hat EY als Abschlussprüfer ab 2027 verpflichtet. Intern gilt das Mandat als Türöffner – ob es reicht, um den Abwärtstrend zu stoppen, bleibt offen.
Die Big Four bleiben vorerst unter sich
Zwar haben mit BDO und Grant Thornton erstmals kleinere Anbieter den Sprung in den Dax geschafft. Doch für die großen Konzerne bleiben die Big Four erste Wahl. Der Markt ist konzentrierter denn je – und PwC sitzt fester im Sattel als alle anderen.



