In einer Zeit, in der die klassische Briefkommunikation immer weiter zurückgeht, zeigt eine aktuelle Forsa-Umfrage im Auftrag der Deutschen Post interessante Einblicke. Jeder elfte Bundesbürger hat im letzten Jahr auf das Versenden von Briefen komplett verzichtet. Besonders überrascht die Erkenntnis, dass 43 Prozent der Befragten höchstens fünf Briefe pro Jahr versenden. Die Mehrheit der geschriebenen Briefe umfasst Geburtstags- und Weihnachtsgrüße, sowie offizielle Dokumente wie Anträge oder Kündigungen.
Die Untersuchung fand im Kontext der neuen Postgesetzreform statt, die im Sommer verabschiedet wurde. Diese ermöglicht der Post ab 2025, bis zu drei Werktage für die Zustellung von Briefen einzuräumen. Ganze 43 Prozent der Befragten empfinden diese längere Zustellzeit als akzeptabel, während 44 Prozent ihre Briefe nach wie vor gerne schon nach zwei Werktagen hätten. Diese Anpassung entspricht der wachsenden Umstellung auf den digitalen Nachrichtenverkehr und passt die Regularien den veränderten Kommunikationsgewohnheiten an.
Seit den 90er-Jahren ist das Briefvolumen kontinuierlich gesunken, wodurch das Briefgeschäft zum finanziellen Sorgenkind des Bonner Logistikers wird. Um den gestiegenen Kosten entgegenzuwirken, plant der Konzern eine Erhöhung des Briefportos zum 1. Januar – die genaue Höhe bleibt noch offen.
Doch nicht nur das Briefporto sorgt für Gesprächsstoff: Auch die Servicequalität der Post steht im Fokus. Rund 20.000 Beschwerden erreichten die Bundesnetzagentur allein im ersten Halbjahr 2024, eine signifikante Steigerung im Vergleich zum Vorjahr. Trotz dieser Zahlen zeigt die Forsa-Umfrage ein bemerkenswertes Maß an Vertrauen in die Deutsche Post und DHL, wobei 26 Prozent der Befragten den Dienstleister für zuverlässig und 51 Prozent für eher zuverlässig halten.
Die Analyse von Forsa-Chef Manfred Güllner fasst zusammen, dass der überwiegende Teil der Bevölkerung den Diensten der Deutschen Post vertraut. Das Vertrauen in den Logistikgiganten scheint nach wie vor stark, trotz der Herausforderungen, denen das Unternehmen gegenübersteht.