In einem signifikanten politischen Moment für Nordmazedonien zieht die prominente Rechtsprofessorin Gordana Siljanovska-Davkova mit einem deutlichen Vorsprung in der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen an die Spitze. Siljanovska-Davkova, die auf die Unterstützung der nationalistischen VMRO-DPMNE zählen kann, erzielte einen beachtenswerten Stimmanteil von 40,1 Prozent. Diese Zahlen wurden von der staatlichen Wahlkommission nach der Auswertung nahezu aller Wahlbezirke übermittelt.
Der gegenwärtig amtierende Präsident Stevo Pendarovski muss sich indessen mit einem Rückstand abfinden. Lediglich 19,9 Prozent der Wählerstimmen fielen auf den von den regierenden Sozialdemokraten unterstützten Pendarovski. Dieser ist Teil eines politischen Systems, in dem das Präsidentenamt vorrangig repräsentative und protokollarische Funktionen beinhaltet – vergleichbar mit der Rolle des Bundespräsidenten in Deutschland.
Die SDSM, die den europäischen und westlichen Kurs des Landes seit 2017 bestimmt und maßgeblich an der Umbenennung des Staates zu Nordmazedonien beteiligt war, sieht sich nun mit einem politischen Aufwind für die VMRO-DPMNE konfrontiert, einer Partei, deren Herrschaft (2006-2016) von einigen als autoritär empfunden wurde.
Mit einem Stimmenanteil von 13,4 Prozent reiht sich Bujar Osmani, der aktuelle Außenminister und Mitglied der DUI – einer Koalitionspartei – auf dem dritten Platz ein. Da kein Kandidat die absolute Mehrheit von 50 Prozent erreichen konnte, wird am 8. Mai eine Stichwahl die Entscheidung über das höchste Amt im Staat bringen. An diesem Datum wird ebenfalls eine Parlamentswahl abgehalten, deren Ergebnis bedeutende politische Konsequenzen verspricht.
Die politische Landschaft Nordmazedoniens könnte sich erneut drastisch verändern, da die EU gerade erst im Juli 2022 Beitrittsverhandlungen eingeleitet hat. Eine wichtige Verfassungsänderung, welche die bulgarische Minderheit anerkennt – eine Forderung Bulgariens als EU-Mitgliedsstaat –, steht noch aus. Bislang blockierte die VMRO-DPMNE die dafür notwendige parlamentarische Zweidrittelmehrheit.
Des Weiteren markiert das Jahr 2020 einen diplomatischen Erfolg für Nordmazedonien: Der NATO-Beitritt als Folge der Beilegung des langjährigen Namensstreites mit Griechenland, der durch die angesprochene Umbenennung erreicht wurde, betont die Bedeutung des sozialdemokratischen Kurses unter Führung Zoran Zaevs.