23. April, 2026

Politik

Politische Lösung für Syrien gefordert: Ein Balanceakt mit weitreichenden Folgen

Politische Lösung für Syrien gefordert: Ein Balanceakt mit weitreichenden Folgen

Die andauernden Spannungen im Nordosten Syriens zwischen kurdisch geführten Autoritäten und von der Türkei unterstützten Gruppen erfordern eine politische Klärung, um schwerwiegende Folgen für das gesamte Land zu vermeiden. Diese eindringliche Warnung äußerte der UN-Sondergesandte für Syrien, Geir Pedersen, und betonte die Dringlichkeit eines diplomatischen Vorgehens.

Seit dem Sturz von Bashar al-Assad am 8. Dezember haben sich die Konflikte zwischen den von Ankara unterstützten syrischen Rebellen und den von den USA geförderten Syrischen Demokratischen Kräften verschärft. Besonders brisant: Am 9. Dezember eroberten syrische bewaffnete Gruppen die Stadt Manbij von der SDF. Es steht zu befürchten, dass ein Angriff auf die strategisch bedeutsame Grenzstadt Kobani unmittelbar bevorsteht.

Geir Pedersen hob hervor, dass die Lage im Nordosten, wenn sie nicht sachgemäß behandelt wird, potenziell verheerende Folgen für ganz Syrien haben könnte, insbesondere in Hinblick auf mögliche neue Vertreibungswellen. Die SDF unter der Führung der kurdischen YPG hat angeboten, sich im Austausch für einen unbefristeten Waffenstillstand zurückzuziehen. Doch der türkische Außenminister Hakan Fidan beharrt auf einer vollständigen Auflösung der YPG.

Ankara sieht die YPG als direkten Ableger der als terroristisch eingestuften PKK. Diese Einschätzung teilen die Regierungen in Washington und der EU. Eine politische Lösung wäre ein Kraftakt umfassender Kompromisse und müsste in die Übergangsphase unter der neuen syrischen Führung in Damaskus integriert werden, so Pedersen.

Hakan Fidan betonte, dass die Präsenz der YPG in Gesprächen mit der neuen syrischen Administration thematisiert wurde. Er sei zuversichtlich, dass Damaskus Schritte unternehmen werde, um die territoriale Integrität Syriens sicherzustellen. Auch Präsident Erdogan signalisierte die Absicht, den Dialog mit Syriens neuer Führung aufrechtzuerhalten.

Kurdinnen im Nordosten Syriens demonstrierten massiv gegen die Türkei und forderten die Wahrung ihrer Rechte, während sie ihre autonome Stellung bedroht sehen. Laut Pedersen zeigen sich die neuen syrischen Machthaber kooperativ und offen für inklusive Übergangsregelungen.

Abschließend warnte er, dass die Lösung der Spannungen im Nordosten ein entscheidender Prüfstein für ein neues, freies Syrien sein könnte. Nach über einem halben Jahrhundert Assad-Herrschaft sei der Weg voraus diplomatisch gesagt höchst anspruchsvoll und schwierig.