16. Februar, 2026

Politik

Polens Präsident Nawrocki plädiert für ein eigenständiges Atomwaffenprogramm

Angesichts der gegenwärtigen geopolitischen Spannungen und der drohenden Nähe zu bewaffneten Konflikten hat der polnische Präsident Karol Nawrocki in einem eindringlichen Appell die Notwendigkeit der Entwicklung eines eigenständigen Atomwaffenprogramms für Polen unterstrichen. In einem ausführlichen Interview mit dem Fernsehsender Polsatnews erklärte der rechtskonservative Staatschef, dass die unmittelbare geografische Nähe zu aktuellen kriegerischen Auseinandersetzungen sowie die historisch aggressive Haltung Russlands gegenüber Polen Anlass zu erhöhter Vorsicht geben. Nawrocki, der als Präsident auch das Amt des Oberbefehlshabers der polnischen Streitkräfte bekleidet, sieht in der nuklearen Bewaffnung eine essenzielle Verstärkung für die nationale Verteidigungsstrategie, auch wenn er vorerst keine konkreten Zeitpläne oder Umsetzungsmaßnahmen für ein solches Programm darlegte.

In Hinblick auf die internationale Sicherheitsarchitektur betonte Nawrocki ausdrücklich die Bedeutung, globalen Regelungen mit Respekt zu begegnen, jedoch stellte er klar, dass die Sorgen um die nationale Sicherheit oberste Priorität haben. Auf die Frage nach möglichen Gegenreaktionen von Russland reagierte Nawrocki unbeeindruckt. Er stellte heraus, dass Russland historisch oft auf verschiedene internationale Entwicklungen mit Aggressivität reagiert habe und sich Polen daher mit solchen Szenarien bereits auseinandergesetzt habe.

Polen, als ein entscheidender Akteur innerhalb der Europäischen Union und der NATO, spielt eine bedeutsame Rolle in der Unterstützung der Ukraine. Der Vorstoß Nawrockis geht weit über die Maßnahmen seines Vorgängers Andrzej Duda hinaus, der die Bereitschaft Polens zur Stationierung von US-amerikanischen Atomwaffen im Rahmen der sogenannten nuklearen Teilhabe signalisiert hatte, falls dies von der NATO als notwendig erachtet würde. Dennoch hat die NATO auf Anfragen hin klargestellt, dass eine Ausweitung der atomaren Präsenz in derzeitigen geopolitischen Kontexten nicht zur Debatte steht.

Historisch gesehen nutzen die Vereinigten Staaten das Konzept der nuklearen Teilhabe, um strategische Atomwaffen auf den Territorien verschiedener europäischer Länder zu stationieren. Obwohl es keine offiziellen Angaben zu den spezifischen Standorten gibt, wird weithin angenommen, dass Länder wie Deutschland, die Niederlande, Belgien, Italien und die Türkei als mögliche Standorte für diese Waffen dienen. Diese Praxis dient nicht nur als Abschreckung, sondern soll auch die kollektive Sicherheit innerhalb des Bündnisses stärken.