17. Januar, 2026

Unternehmen

Playmobil in der Todes-Spirale: Warum die deutsche Kult-Marke jetzt brutal abstürzt

Umsatzeinbruch gegen den Markttrend, Millionenverluste und ein Hoffnungsträger, der verramscht wird: Die Analyse der InvestmentWeek zeigt, wie ernst die Lage in Zirndorf wirklich ist.

Playmobil in der Todes-Spirale: Warum die deutsche Kult-Marke jetzt brutal abstürzt
Alarmstufe Rot in Zirndorf: Playmobil büßt Millionen ein. Warum CEO Kurters Strategie bisher nicht aufgeht und Stellen wackeln.

Die Zahlen aus Zirndorf sind mehr als ein Warnsignal, sie sind ein Offenbarungseid. Während der deutsche Spielwarenmarkt im Jahr 2025 ein robustes Wachstum von drei Prozent verzeichnete, bewegt sich Playmobil in die entgegengesetzte Richtung. Ein Umsatzminus von rund acht Prozent im Heimatmarkt ist in einem wachsenden Umfeld keine bloße Delle, sondern ein Indikator für den Verlust der Wettbewerbsfähigkeit.

Die Daten des Marktforschers Circana sind hierbei gnadenlos. Rund 104 Millionen Euro setzte der Hersteller im Kalenderjahr 2025 in Deutschland um. Zwar fehlen in dieser Rechnung der eigene Onlineshop und der Händler Smyths Toys, doch bei einer Marktabdeckung von 80 Prozent durch Circana lässt sich der Trend nicht wegdiskutieren. Playmobil schrumpft, während die Konkurrenz wächst.

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Das Weihnachtsgeschäft kaschiert die strukturellen Probleme des Konzerns kaum noch

Auf den ersten Blick mag der Dezember 2025 wie ein Lichtblick wirken. Ein Umsatzplus von 14 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat deutet darauf hin, dass die Marke unter dem Weihnachtsbaum noch immer Relevanz besitzt. Doch dieser saisonale Ausschlag darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die fundamentale Entwicklung negativ ist.

Das Unternehmen selbst flüchtet sich in Zweckoptimismus. Eine Sprecherin bezeichnete die Entwicklung als „sehr zufriedenstellend“ und verwies auf das abweichende Konzern-Fiskaljahr, das erst im März endet. Dies ist eine klassische Abwehrstrategie: Man kauft sich Zeit, indem man auf zukünftige Stichtage verweist, während die vorliegenden Kalenderjahreszahlen bereits eine klare Sprache sprechen.

Dass sich das Auslandsgeschäft „vergleichbar zum deutschen Markt“ entwickele, wie aus Zirndorf zu hören ist, dürfte Anlegern und Beobachtern eher Sorgen bereiten als sie zu beruhigen. Wenn der deutsche Kernmarkt um acht Prozent einbricht, ist eine vergleichbare Entwicklung im Ausland gleichbedeutend mit einer globalen Erosion der Marktanteile.

Die neue Wunderwaffe Sky Trails entpuppt sich als rabattierter Ladenhüter

Große Hoffnungen ruhten auf der im September 2025 eingeführten Kategorie „Sky Trails“. Ein innovatives Konstruktionsspiel mit Hängeschienen sollte die Wende bringen. Die Realität sieht ernüchternd aus. In den ersten vier Monaten generierte die Neuheit lediglich 3,2 Millionen Euro Umsatz. Das entspricht einem mageren Anteil von etwa drei Prozent am Gesamtumsatz in Deutschland.

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Noch alarmierender ist die Preisentwicklung. Das Starterkit, mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von 80 Euro im Markt platziert, wurde von Händlern bereits kurz nach dem Start für 55 bis 60 Euro angeboten. Solche aggressiven Rabattierungen so kurz nach einer Produkteinführung deuten massiv darauf hin, dass die organische Nachfrage weit hinter den Erwartungen zurückblieb.

Insider-Berichte über hohe Lagerbestände stützen diese These. Zwar behauptet Playmobil, dies diene lediglich der Lieferfähigkeit, doch im Einzelhandel sind volle Lager bei gleichzeitigem Preisverfall das sicherste Zeichen für eine Fehleinschätzung des Marktes. Die Kundenrezensionen spiegeln dies wider: Die Kritik an der hohen Komplexität und dem schnell verfliegenden Spielreiz zeigt, dass das Produkt möglicherweise an den Bedürfnissen der Zielgruppe vorbeientwickelt wurde.

Der finanzielle freie Fall beschleunigt sich seit dem Tod des Patriarchen

Um die Tragweite der aktuellen Zahlen zu verstehen, muss man den historischen Kontext betrachten. Seit dem Tod von Firmengründer Horst Brandstätter im Jahr 2015 kennt die Kurve fast nur eine Richtung: abwärts. Die Horst Brandstätter Holding ist von einem Umsatzvolumen von 691 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2021/22 auf 449 Millionen Euro im Jahr 2023/24 abgestürzt.

Noch gravierender ist die Profitabilität. Ein Jahresfehlbetrag von 120 Millionen Euro im letzten berichteten Jahr zeugt von massiver Kapitalvernichtung. Der Abbau von rund 700 Stellen – fast 17 Prozent der Belegschaft – zwischen Oktober 2023 und 2024 war die brutale, aber notwendige Konsequenz dieses Missmanagements.

Conny Brandstätter, der Sohn des Gründers, übt mittlerweile offen Kritik an der Führung. Dies deutet auf tiefe interne Zerwürfnisse hin, die eine strategische Neuausrichtung zusätzlich erschweren. Ein Unternehmen, das mit sich selbst beschäftigt ist, verliert den Fokus auf den Markt.

Das Management setzt auf das Prinzip Hoffnung statt auf harte Realitäten

CEO Bahri Kurter, seit März 2023 im Amt, gibt sich kämpferisch. Seine Aussage, dass der Erfolg von Sky Trails nicht über die Zukunft der Firma entscheide und man „die nächsten zwei, drei Innovationen auf Lager“ habe, wirkt jedoch weniger wie eine Strategie als wie ein Pfeifen im Walde. Wenn die erste große Innovation unter seiner Ägide im Markt floppt und sofort rabattiert werden muss, schwindet das Vertrauen in die Pipeline.

Playmobil steht an einem kritischen Punkt. Die Marke zehrt von der Substanz, während die Innovationskraft offensichtlich stockt. Ein Umsatzminus von acht Prozent in einem wachsenden Markt lässt sich nicht schönreden. Wer Innovationen ankündigt, aber Marktanteile verliert, führt keinen Turnaround, sondern verwaltet den Niedergang.

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