11. Januar, 2026

Wirtschaft

Pflegeimmobilien: Investitionspotenzial im Kontext einer alternden Bevölkerung

Die Herausforderungen, die durch die alternde Bevölkerung und die zunehmende Zahl pflegebedürftiger Personen in Deutschland entstehen, eröffnen zugleich neue Investitionschancen, insbesondere im Bereich der Pflegeimmobilien. Während der Markt für Büroimmobilien derzeit Schwächen zeigt, rücken Pflegeheime verstärkt in den Fokus von Investoren und Banken als lukrative Anlagemöglichkeiten. Philipp Wackerbeck von Strategy& hebt hervor, dass das Kapitalinteresse im Bereich der Pflegeimmobilien tiefgreifenden Veränderungen unterliegt.

Eine erhebliche Finanzierungslücke zeichnet sich ab: Das renommierte Forschungsinstitut RWI Essen prognostiziert einen Kapitalbedarf von über 20,6 Milliarden Euro bis zum Jahr 2030 und eine Steigerung auf über 35 Milliarden Euro bis 2040 für den Ausbau neuer Pflegeplätze. Diese Schätzung berücksichtigt noch nicht einmal den Sanierungsbedarf für bestehende Einrichtungen. Derzeit liegt die Auslastung in den Pflegeheimen bei beachtlichen 92 bis 95 Prozent, und die demografische Entwicklung deutet auf eine anhaltend steigende Nachfrage hin.

Vor diesem Hintergrund gewinnt der Pflegesektor als Wachstumsmarkt an Bedeutung, und zahlreiche Banken erwägen verstärkt Investitionen in Projekte, die den Bau und den Erhalt von Pflegeeinrichtungen zum Ziel haben. Philipp Wackerbeck sieht insbesondere bei Projektentwicklungs- und Bestandsdarlehen vielversprechende Möglichkeiten. Darüber hinaus richten Investoren ihr Augenmerk auf innovative Wohnkonzepte für Senioren, die entweder betreut oder selbstständig leben.

Zusätzlich zu den demografischen Veränderungen führen neue gesetzliche Regelungen dazu, dass mehr Personen als pflegebedürftig eingestuft werden. Die in den Jahren 2015 und 2017 verabschiedeten Pflegestärkungsgesetze erweiterten den Pflegebegriff, indem auch Menschen mit psychischen Erkrankungen wie Demenz einbezogen werden, was wiederum die Pflegekosten maßgeblich erhöht. Fachleute äußern dennoch Kritik an der finanziellen Unterstützung seitens der Bundesländer, die für die Pflegeinfrastruktur verantwortlich zeichnen.

Dörte Heger, eine renommierte Ökonomin und Professorin, weist darauf hin, dass die Investitionen aus öffentlicher Hand nicht ausreichen, um den wachsenden Pflegebedarf zu decken. Die Kostenlast wird somit häufig auf die Schultern der Pflegebedürftigen und ihrer Familien abgewälzt, die die steigenden Investitionskosten gegenwärtig selbst tragen müssen. In diesem Kontext gewinnt die Rolle privater Pflegeanbieter zunehmend an Gewicht, während der Druck auf die bestehenden diakonischen Pflegeeinrichtungen weiterhin bestehen bleibt, da vielerorts Neuinvestitionen ausbleiben.