Spannende Entwicklungen im frühkindlichen Bildungsbereich: Eine aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung offenbart, dass Kitas in Deutschland zunehmend auf Personal ohne formale pädagogische Ausbildung zurückgreifen, um den Betrieb aufrechtzuerhalten. Das hat in vielen Einrichtungen bereits zum Sinken des Anteils qualifizierter Fachkräfte geführt, die mindestens über eine Ausbildung als Erzieherin oder Erzieher verfügen.
Eine besondere Herausforderung stellt dabei die uneinheitliche Regelung in den Bundesländern dar, wer ohne pädagogische Vorbildung beschäftigt werden darf. Während in Baden-Württemberg beispielsweise Hebammen oder Logopädinnen in Kitas tätig sein können, ermöglichen es in Niedersachsen bestimmte Bedingungen auch Eltern oder Rentnern, einzuspringen. In Bayern genügt es sogar, wenn die Leitung einer Kita von einer Betriebswirtin übernommen wird, was die pädagogische Qualifizierung gänzlich in den Hintergrund rückt.
Bildungsexperten betonen die Risiken dieser Entwicklung. Zwar könne in Krisensituationen eine Absenkung der Anforderungen gerechtfertigt sein, doch sollte dies nicht von Dauer sein. Die Arbeit mit Kindern sei komplex und verlange nach spezifischen Fachkenntnissen. Eine alarmierende Prognose der Studie zeigt, dass lediglich 32 Prozent der Kita-Teams 2023 eine gewünschte Fachkraftquote erreichten – ein Rückgang im Vergleich zu 41 Prozent im Jahr 2017. Besonders betroffen sind Berlin, Mecklenburg-Vorpommern und Nordrhein-Westfalen.
Der Sozialverband Deutschland und Gewerkschaften sind besorgt über die Auswirkungen auf die Qualität der frühkindlichen Erziehung und die bereits strapazierten Arbeitsbedingungen der Fachkräfte. Ein weiterer Bericht unterstreicht, dass viele Kita-Beschäftigte vom Berufsfeld Abstand nehmen könnten, vor allem die jüngeren Mitarbeiter.
Auch der Landeselternbeirat der Kindertageseinrichtungen sieht die Integration von Quereinsteigern unter bestimmten Bedingungen als sinnvoll an. Entscheidend sei jedoch eine gewisse Basisausbildung, um die hohe Qualität der Betreuung sicherzustellen. Gerade in den ersten Lebensjahren der Kinder sei es essentiell, dass fundierte Entwicklungsschritte begleitet werden. Gleichzeitig wird aber deutlich, dass viele Kitas personell am Limit arbeiten, was die Erwartungen an eine langfristige Lösung erhöht.