Die radikalen Sparpläne vernichten fast die Hälfte aller Vollzeitstellen
DB Cargo steht wirtschaftlich mit dem Rücken zur Wand. Ein interner Plan von Vorstandschef Bernhard Osburg sieht die sofortige Streichung von 6.200 der rund 14.000 aktuellen Vollzeitstellen vor, um die massiven operativen Verluste einzudämmen.
Der geplante Stellenabbau ist ein flächendeckender Einschnitt in die Unternehmensstruktur. Betroffen sind nahezu alle operativen und administrativen Ebenen, von Fahrbetrieb und Disposition über die Planung bis hin zu IT und Vertrieb. Das Ziel ist eine Einsparung von rund einer Milliarde Euro durch Personalreduktion, schlankere Verwaltung und Produktivitätssteigerungen.
Ein EU-Verfahren setzt dem Staatskonzern die Pistole auf die Brust
Die Zeit für sanfte Sanierungen ist endgültig abgelaufen. Hintergrund des drastischen Kurses ist ein EU-Verfahren, das der Konzernmutter Deutsche Bahn untersagt, die Verluste der Cargo-Sparte weiterhin auszugleichen. Die Tochtergesellschaft muss zwingend noch in diesem Jahr profitabel wirtschaften.
Sollte die Trendwende zur Profitabilität („Schwarze Null“) misslingen, steht das Szenario einer Zerschlagung des Unternehmens im Raum. Die Vorgängerin Sigrid Nikutta war bereits an der Umsetzung eines Sanierungskonzepts gescheitert. Die Bilanzdaten des ersten Halbjahres 2025 mit einem Umsatzrückgang um neun Prozent auf 2,5 Milliarden Euro unterstreichen den Ernst der Lage.
Der strategische Fokus verlagert sich von der deutschen Industrie nach Europa
Aufgrund der strukturell schwächelnden Nachfrage in den deutschen Kernsektoren Automobil, Chemie und Stahl sucht DB Cargo das Heil im grenzüberschreitenden Verkehr. Im Inland haben private Wettbewerber bereits signifikante Marktanteile von rund 60 Prozent erobert, was eine Neuausrichtung unumgänglich macht.
„Wir richten Vertrieb, Planung, Disposition und Produktion deutlich stärker europäisch aus und bauen DB Cargo zum führenden europäischen Schienenlogistiker mit klaren, grenzüberschreitenden Systemlösungen aus“, so Bernhard Osburg, Vorstandschef von DB Cargo.
Diese strategische Neuausrichtung soll bis zum Jahr 2030 greifen, wobei erste Details bis zum Sommer finalisiert werden sollen. Ein entsprechendes Gutachten wird bereits Ende Februar erwartet.
Die Konsolidierung des Einzelwagenverkehrs führt zu Standortschließungen
Neben dem Personalabbau wird das operative Netzwerk massiv gestrafft. Der komplexe Einzelwagenverkehr wird künftig auf die zentralen Hubs Köln, Seelze, Mannheim und Nürnberg konzentriert, um Effizienzverluste zu minimieren.
Im Zuge dieser Maßnahmen ist auch die Schließung mehrerer Instandhaltungswerke geplant. Trotz dieser harten Einschnitte betont das Management, dass der Einzelwagenverkehr voraussichtlich weiterhin nicht profitabel operieren kann und auf staatliche Förderungen angewiesen bleiben wird.

