Während sich die europäische Bankenlandschaft oft in regulatorischen Kleinkriegen verliert, schafft Santander-Chefin Ana Botín vollendete Tatsachen. In einer kombinierten Cash-und-Aktien-Transaktion verleiben sich die Spanier die Holdinggesellschaft der Webster Bank ein.
Der Deal bewertet das US-Institut mit stolzen 12,3 Milliarden US-Dollar. Für die Aktionäre von Webster Financial ist die Nachricht ein warmer Geldregen: Santander bietet pro Aktie 48,75 Dollar in bar plus ein festes Paket an US-Hinterlegungsscheinen (ADRs).

Eine massive Prämie lockt die US-Anleger aus der Reserve
Der Markt reagierte prompt und euphorisch auf die Offerte. Mit einem Gesamtwert von 75,59 Dollar je Aktie bietet Santander einen Aufschlag, der sich sehen lassen kann. Es ist eine Prämie von satten 16 Prozent auf den volumengewichteten Durchschnittskurs der letzten zehn Tage.
An der New York Stock Exchange schoss das Papier von Webster Financial um fast neun Prozent nach oben und beendete den Handelstag bei 71,91 US-Dollar. Es ist die Bestätigung dafür, dass die Anleger das strategische Potenzial dieser Fusion bereits am ersten Tag einpreisen.
Die Spanier lassen keinen Zweifel daran, dass sie den US-Markt nicht nur als Spielwiese, sondern als tragende Säule ihres globalen Geschäftsmodells betrachten. Durch die Übernahme entsteht ein neues Kraftzentrum im nordamerikanischen Privat- und Geschäftskundengeschäft.
Die Führungsriege setzt auf Kontinuität trotz harter Integration
Interessant ist die personelle Weichenstellung, die Santander zeitgleich mit den harten Fakten verkündete. Christiana Riley behält das Zepter als US-Chefin von Santander fest in der Hand und bleibt CEO von Santander Holdings USA.
Doch die Integration folgt einem klaren Plan: Webster-Chef John Ciulla wird künftig die Santander Bank NA leiten. In diese Einheit sollen sämtliche Webster-Geschäfte überführt werden – ein klassischer Integrationsprozess, der die Effizienz steigern und Synergien heben soll.
Dieser Schritt zeigt, dass Santander die lokale Expertise der US-Banker nicht verlieren will, während man gleichzeitig die gesamte Organisation unter das Banner der spanischen Mutter zwingt. Die operative Unabhängigkeit von Webster endet damit offiziell in der zweiten Jahreshälfte 2026.

Strategische Expansion in Zeiten globaler Unsicherheit
Für Santander ist dieser Zukauf mehr als nur ein Investment; es ist eine Flucht nach vorne. In einem Umfeld, das von volatilen Zinsen und geopolitischen Spannungen geprägt ist, bietet der US-Markt eine willkommene Stabilität und Wachstumschancen, die im gesättigten Europa kaum noch zu finden sind.
Die Transaktion soll bereits im zweiten Halbjahr 2026 unter Dach und Fach sein, sofern die Aufsichtsbehörden grünes Licht geben. Angesichts der soliden Kapitalausstattung beider Häuser gilt dies jedoch als Formsache unter Marktbeobachtern.
Mit diesem Deal rückt Santander in die Riege der bedeutendsten ausländischen Banken in den USA auf und untermauert ihren Anspruch, einer der wenigen echten Global Player der Branche zu sein. Die Konkurrenz dürfte nun genau beobachten, wie schnell die Integration der Webster-Strukturen gelingt.
Am Ende bleibt die Erkenntnis: Santander kauft sich teuer, aber entschlossen Marktanteile in einer Region, die über das künftige Schicksal europäischer Großbanken entscheiden könnte.

