In der Kölner Zentrale der PSD Bank West am Laurenzplatz herrscht Alarmstimmung. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) hat am Dienstag eine Maßnahme öffentlich gemacht, die das Vertrauen in die finanzielle Stabilität des genossenschaftlichen Instituts schwer erschüttert. Eine Sonderprüfung im Jahr 2025 förderte Mängel zutage, die weit über bürokratische Details hinausgehen.

Betroffen sind ausgerechnet die Herzstücke der Banksteuerung: die Ermittlung der Risikotragfähigkeit sowie die Erfassung und Steuerung von Marktpreisrisiken. Die Bafin stufte die Geschäftsorganisation in Teilen der geprüften Bereiche als „nicht gegeben“ ein. Das ist im Bankendeutsch nichts Geringeres als eine schallende Ohrfeige für den Vorstand.
Seit Ende November 2025 muss das Institut nun zusätzliches Eigenkapital vorhalten. Für die PSD Bank West bedeutet dies einen massiven Einschnitt in ihren finanziellen Spielraum. Die Botschaft der Aufseher ist unmissverständlich: Wer seine Risiken nicht im Griff hat, darf keine neuen Kredite mehr im großen Stil vergeben.
Das toxische Modell der Baufinanzierung wird zur tödlichen Falle
Der Fall in Köln ist kein isoliertes Ereignis, sondern das Symptom eines flächendeckenden Flächenbrands innerhalb der PSD-Bankengruppe. Bereits im September 2025 traf es die Schwesterinstitute in Koblenz und München. Der Grund für den kollektiven Absturz ist die extreme Spezialisierung auf die Baufinanzierung.
Jahrelang war dies die Goldgrube der PSD-Banken, doch seit der Zinswende ist das Neugeschäft regelrecht implodiert. Die Institute hängen am Tropf von Vergleichsplattformen, müssen hohe Provisionen zahlen und sehen ihre Zinsmargen gleichzeitig dahinschmelzen. Bei der PSD Bank West sank das Zinsergebnis im Jahr 2024 bereits um ein Drittel – ein Alarmsignal, das nun in der harten Intervention der Bafin gipfelte.

Fehlende Girokunden und teures Festgeld fressen die Gewinne auf
Ein weiteres strukturelles Gift im System der PSD-Banken ist der Mangel an klassischen Girokonto-Kunden. Im Gegensatz zu lokalen Volksbanken verfügen die PSD-Institute über kaum zinslose Sichteinlagen. Um ihre Liquidität zu halten, müssen sie Kunden mit teuren Festgeld-Konditionen locken.
Die Refinanzierungskosten steigen dadurch deutlich schneller als die Einnahmen aus den vergebenen Krediten. Dieser operative Engpass führt dazu, dass viele PSD-Banken ihre Jahresergebnisse nur noch durch Sondereffekte stabilisieren können. Die Bafin bezweifelt offen, ob dieses Modell in einem Umfeld stabilisierter, aber höherer Zinsen überhaupt noch tragfähig ist.
Der Druck zur Fusion markiert das Ende der Eigenständigkeit
Die Zahl der derzeit noch elf PSD-Banken wird sich voraussichtlich weiter verringern. Die Aufsicht macht mit den verschärften Kapitalvorgaben klar: Kleine Nischenanbieter ohne breites Geschäftsmodell haben in der aktuellen Zinswelt kaum eine Überlebenschance.
Die ersten Verschmelzungen, wie die der PSD Bank Koblenz mit der VR Bank Rhein-Ahr-Eifel, markieren das wahrscheinliche Ende der Eigenständigkeit für viele weitere Institute. Für die Kölner PSD Bank West rückt der Tag der Entscheidung näher: Entweder gelingt eine radikale Sanierung der Prozesse, oder die Bank wird unter dem Druck der Bafin in ein größeres Institut zwangsfusioniert.
Wenn das Eigenkapital zum raren Gut wird, ist der Spielraum für Unabhängigkeit am Ende.



