Zwanzig Prozent. Wer diese Zahl auf Metas aktuelle Belegschaft hochrechnet, landet bei rund 16.000 Menschen, die ihren Job verlieren könnten. Drei mit der Angelegenheit vertraute Insider haben der Nachrichtenagentur Reuters bestätigt, was intern längst als Planungsgröße gilt: Der Facebook-Mutterkonzern bereitet einen Stellenabbau vor, der alles in den Schatten stellen würde, was das Unternehmen bislang an Entlassungen erlebt hat.

Ein Datum steht noch nicht fest. Der genaue Umfang ebenfalls nicht. Doch Führungskräfte haben hochrangige Manager bereits angewiesen, mit konkreten Planungen zu beginnen. Das ist kein Gerücht, das ist ein Startschuss.
Unternehmenssprecher Andy Stone ließ mitteilen, das sei „spekulative Berichterstattung über theoretische Ansätze". Diese Art der Dementis kennt man aus Menlo Park. Sie klingen nach Ablehnung und bestätigen dabei die Substanz der Frage.
Das Muster wiederholt sich, diesmal dramatischer
Wer Metas jüngere Geschichte kennt, erkennt die Choreografie. Im November 2022 strich Zuckerberg 11.000 Stellen, rund 13 Prozent der damaligen Belegschaft. Er nannte es sein „Jahr der Effizienz". Vier Monate später folgten weitere 10.000 Entlassungen. Anfang 2025 traf es erneut 5 Prozent der Belegschaft, etwa 3.600 Stellen, diesmal mit dem ausdrücklichen Ziel, die sogenannten „leistungsschwächsten Mitarbeiter schneller loszuwerden".
Was neu geplant sein soll, übertrifft all das deutlich. Zum 31. Dezember 2024 beschäftigte Meta knapp 79.000 Menschen. Zwanzig Prozent davon zu streichen bedeutet einen Aderlass, der nicht mehr durch Effizienzgewinne allein erklärt werden kann. Hier wird eine andere Unternehmensarchitektur entworfen.
Der Unterschied zu früher liegt im Begründungsmuster. 2022 waren es Überkapazitäten aus der Pandemie-Einstellungswelle, gepaart mit eingebrochenem Werbegeschäft. Heute läuft das Kerngeschäft. Die Werbeerlöse, die über 90 Prozent des Umsatzes ausmachen, sprudeln. Der Abbau wäre diesmal kein Krisenreflex, sondern Kalkül.

KI frisst ihre Schöpfer
Zuckerberg hat die Logik dahinter selbst formuliert, im Januar im Joe Rogan Podcast. „Projekte, für die man früher große Teams brauchte, können jetzt von einer einzigen, sehr talentierten Person erledigt werden", sagte er. Und weiter: Bereits 2025 werde Meta über eine KI verfügen, „die so etwas wie ein mittlerer Ingenieur sein kann, der Code schreiben kann."
Das ist keine Prognose. Das ist eine Ankündigung. Wer auf der Karriereleiter in der mittleren Ebene steht, in der Softwareentwicklung, in der Verwaltung, in der Projektsteuerung, der liest diese Sätze richtig: als Abschreibung.
Meta hat für 2025 Investitionen von bis zu 72 Milliarden Dollar in KI-Infrastruktur angekündigt. Rechenzentren, Chips, Energie. Geleitet wird die neue Sparte „Meta Compute" von Infrastruktur-Chef Santosh Janardhan, unterstützt von Daniel Gross, den Meta im Vorjahr vom KI-Startup Safe Superintelligence abgeworben hatte. Das Ziel, das Zuckerberg intern kommuniziert, ist nicht weniger als Superintelligenz.
Um diesen Kurs zu finanzieren, braucht der Konzern Spielraum. Den soll der Personalabbau liefern.
Was hinter den Zahlen steckt
Im dritten Quartal 2025 meldete Meta eine langfristige Verschuldung von 48,95 Milliarden Dollar und einen negativen Netto-Cash-Bestand von 12,79 Milliarden Dollar. Investoren quittierten das mit Misstrauen. Nach Bekanntgabe der Quartalszahlen verlor die Aktie nachbörslich zehn Prozent, der Börsenwert sank binnen fünf Handelstagen um mehr als 300 Milliarden Dollar.
Der Druck auf Zuckerberg ist damit doppelt. Von außen verlangen die Märkte Kostenklarheit. Von innen verlangt sein eigener KI-Zeitplan Tempo. Stellenabbau ist das Mittel, das beides bedient.
Hinzu kommt eine strukturelle Verschiebung: Meta bündelt den Aufbau seiner KI-Infrastruktur in einer neuen Sparte und baut parallel Stellen in seinem Metaverse-Projekt ab. Das Metaverse hat Zuckerberg jahrelang als Zukunft beschworen und Milliarden hineingepumpt. Das Segment Reality Labs meldete in den ersten neun Monaten des Jahres 2024 einen Verlust von 12,76 Milliarden Dollar. Die VR-Headsets fanden beim breiten Publikum keinen Anklang, obwohl das Unternehmen zweistellige Milliardensummen in deren Entwicklung steckte.
Die KI-Brillen hingegen überraschten: Die Ray-Ban-Sonnenbrillen mit Kamera und persönlichem KI-Assistenten hätten sich mehr als zwei Millionen Mal verkauft und seien ein Überraschungserfolg. Das ist die eine Wette, die aufging. Nun wird das Kapital dorthin umgelenkt.
Ein Branchentrend mit Zuckerbergs Handschrift
Meta ist nicht allein. Microsoft, Alphabet, Meta und Amazon haben angekündigt, 2025 insgesamt 370 Milliarden Dollar in KI-Infrastruktur zu investieren. Der Kostendruck, der daraus entsteht, trifft überall Personalbudgets. Aber kaum jemand formuliert die Konsequenz so offen wie Zuckerberg.
OpenAI-CEO Sam Altman sagte Anfang 2025, er erwarte, dass die Softwareentwicklung Ende des Jahres „ganz anders" aussehen werde. Was er andeutete, macht Zuckerberg zur Unternehmensrealität. Der Mensch als Produktionsfaktor wird neu bewertet, und das Ergebnis dieser Neubewertung ist ein Stellenplan.
Ob 20 Prozent tatsächlich gestrichen werden oder ob der finale Umfang kleiner ausfällt, ist offen. Doch die Richtung ist gesetzt. Zuckerberg hat KI nicht als Ergänzung zur menschlichen Arbeit positioniert, sondern als deren Ersatz. Die Ankündigungen, die Investitionen, die Aussagen, sie alle zeigen in dieselbe Richtung.
Ein Mann, ein Plan, kein Zurück
Metas Geschichte der letzten drei Jahre ist die Geschichte eines Unternehmens, das sich selbst radikal umbaut, nicht aus der Not, sondern aus Überzeugung. Die Belegschaft schrumpft, die Maschinen wachsen, der Chef wirkt dabei unerschütterlich überzeugt.
Das Beunruhigende daran ist nicht die Entschlossenheit. Es ist die Konsequenz, mit der eine Branche gerade vorführt, dass menschliche Arbeitskraft kein Aktivposten mehr ist, sondern eine Kostenstelle mit Ablaufdatum.

