Die Vereinigten Arabischen Emirate bereiten sich auf den Krieg vor. Laut einem Bericht des „Wall Street Journal" sind sie bereit, die USA und andere Verbündete zu unterstützen, die Blockade der Straße von Hormus gewaltsam zu beenden. Das kleine, aber militärisch hochgerüstete Land könnte damit als erster Staat am Persischen Golf selbst aktiv in den Konflikt eingreifen. Die Konsequenzen wären enorm – militärisch, wirtschaftlich, geopolitisch.
Die Straße von Hormus ist die wichtigste Öl-Transitroute der Welt. Rund 20 Prozent des globalen Erdöls fließen durch diese Meerenge zwischen dem Iran und der Arabischen Halbinsel. Sollte sie dauerhaft blockiert bleiben, würde der Ölpreis explodieren, die Weltwirtschaft in eine Rezession stürzen, die Energieversorgung Europas und Asiens kollabieren. Die Emirate wollen das verhindern – notfalls mit Gewalt.
Dem Bericht zufolge drängen die Emirate im UN-Sicherheitsrat auf eine Resolution, die ein militärisches Vorgehen legitimieren würde. Gleichzeitig werben emiratische Diplomaten bei den USA sowie bei europäischen und asiatischen Militärmächten für eine Koalition, die die Schifffahrtsroute notfalls freikämpft. Die Botschaft ist klar: Wir sind bereit. Die Frage ist nur, wer mitmacht.
Emirate prüfen Minenräumung und militärische Unterstützung
Die Emirate bereiten sich nicht nur diplomatisch, sondern auch militärisch vor. Laut dem „Wall Street Journal" haben sie bereits ihre Fähigkeiten überprüft, um bei einer Sicherung der Meerenge zu helfen. Konkret geht es um die Räumung von Minen und weitere Unterstützungsleistungen. Das klingt defensiv, ist aber der erste Schritt zur Kriegsbeteiligung.
Minenräumung bedeutet: Schiffe müssen in die Meerenge fahren, Kampftaucher müssen Minen entschärfen, Kriegsschiffe müssen Schutz bieten. Sollte der Iran diese Operationen angreifen, würde die Eskalation unausweichlich. Dann wäre der Krieg da – offiziell, offen, brutal.

Die Emirate verfügen über eine der modernsten Streitkräfte der Region. Sie kauften in den vergangenen Jahren massiv US-amerikanische Waffen, bauten ihre Luftwaffe aus, modernisierten ihre Marine. Das Land ist klein, aber militärisch schlagkräftig. Im Jemen-Krieg bewiesen sie, dass sie bereit sind, Gewalt anzuwenden. Jetzt könnte der nächste Einsatz folgen – diesmal gegen den Iran.
Außenministerium verweist auf „breiten globalen Konsens"
Das Außenministerium der Emirate versuchte, die Pläne zu rechtfertigen. In einer Stellungnahme verwies es auf einen „breiten globalen Konsens", dass die Freiheit der Schifffahrt in der Straße von Hormus gewahrt werden müsse. Zugleich verwies das Ministerium auf eine UN-Resolution, die Irans Angriffe auf emiratische Städte verurteilt.
Die Argumentation ist klar: Die Emirate verteidigen nicht nur die Schifffahrt, sondern auch sich selbst. Der Iran hat in der Vergangenheit emiratische Ziele angegriffen, Drohnen geschickt, Raketen abgefeuert. Die Emirate sehen sich als Opfer – und bereiten nun den Gegenschlag vor.
Doch die Rechtfertigung ist dünn. Eine UN-Resolution, die Angriffe verurteilt, ist keine Legitimation für einen Krieg. Dafür bräuchte es eine Resolution des Sicherheitsrats, die explizit militärische Gewalt erlaubt. Und genau darauf drängen die Emirate jetzt. Ob sie Erfolg haben, ist unklar. Russland und China könnten ein Veto einlegen.
USA und Europa zögerlich – niemand will den ersten Schuss
Die Emirate werben aggressiv für eine Koalition. Sie wollen die USA an ihrer Seite, Europa, Japan, Südkorea – alle, die auf Öl aus der Golfregion angewiesen sind. Doch die Reaktionen sind verhalten. Niemand will den ersten Schuss abgeben. Niemand will verantwortlich sein für einen Krieg, der Millionen Menschenleben kosten könnte.

Die USA haben militärisch die Kapazitäten, die Meerenge freizukämpfen. Flugzeugträger sind in der Region, Kampfjets stationiert, Truppen bereit. Doch politisch ist der Wille fraglich. Nach Afghanistan und Irak ist die Bereitschaft für neue Nahostkriege gering. Präsident oder Präsidentin müsste dem Kongress erklären, warum amerikanische Soldaten für Öl sterben sollen. Das ist keine einfache Verkaufsaufgabe.
Europa ist noch zurückhaltender. Deutschland, Frankreich, Italien – alle sind energiepolitisch verwundbar, militärisch aber nicht bereit. Die europäischen Armeen sind unterfinanziert, ihre Kapazitäten begrenzt, ihr politischer Wille schwach. Eine Beteiligung an einer Hormus-Operation ist unwahrscheinlich.
Was passiert, wenn die Koalition scheitert – oder eskaliert?
Sollte es den Emiraten nicht gelingen, eine Koalition zu schmieden, stehen sie vor einer schwierigen Entscheidung. Gehen sie allein vor – und riskieren einen aussichtslosen Krieg gegen den Iran? Oder akzeptieren sie die Blockade – und verlieren wirtschaftlich wie politisch?
Beides ist schmerzhaft. Ein Alleingang wäre militärisch riskant. Der Iran verfügt über Raketen, Drohnen, asymmetrische Kapazitäten. Er könnte emiratische Städte bombardieren, Ölfelder zerstören, die Region in Chaos stürzen. Die Emirate könnten zwar Schaden anrichten, aber den Krieg nicht gewinnen. Dafür ist der Iran zu groß, zu gut bewaffnet, zu strategisch positioniert.
Sollte die Koalition jedoch zustande kommen und militärisch eingreifen, droht eine Eskalation ungeahnten Ausmaßes. Der Iran würde sich verteidigen, Verbündete wie Hisbollah aktivieren, Israel angreifen, die gesamte Region destabilisieren. Der Ölpreis würde auf 150, vielleicht 200 Dollar steigen. Die Weltwirtschaft würde kollabieren. Hunderttausende könnten sterben.
Die Straße von Hormus als geopolitischer Brandherd
Die Straße von Hormus ist nicht nur eine Meerenge. Sie ist der geopolitische Brennpunkt der Welt. Wer sie kontrolliert, kontrolliert die globale Energieversorgung. Wer sie blockiert, hält die Welt in Geiselhaft. Der Iran weiß das. Die Emirate wissen das. Und alle anderen auch.
Die Blockade ist Irans stärkstes Druckmittel. Mit ihr erzwingt das Regime Verhandlungen, Zugeständnisse, Respekt. Sollte die Blockade gewaltsam gebrochen werden, verliert der Iran dieses Druckmittel – und könnte mit allen Mitteln zurückschlagen. Das Risiko ist immens. Die Frage ist: Wer ist bereit, es einzugehen?



