Das nächste deutsche Schwergewicht fällt in amerikanische Hände. Der US-Konzern Worthington Steel macht ernst und greift nach dem Duisburger Stahl- und Metallhändler Klöckner & Co.
Die Amerikaner bieten 11 Euro pro Aktie in bar. Diese Offerte bewertet das deutsche Unternehmen mit einem Transaktionsvolumen von insgesamt 2,1 Milliarden Euro.
Die Botschaft aus der Konzernzentrale in Duisburg ist unmissverständlich und lässt keinen Raum für Spekulationen.

Die Führungsetage rät den Aktionären dringend zum sofortigen Verkauf der Anteile
Vorstand und Aufsichtsrat haben sich bereits festgelegt. Sie empfehlen die Annahme des freiwilligen öffentlichen Übernahmeangebots ohne Vorbehalte.
Eine entscheidende Hürde muss jedoch noch genommen werden. Die Transaktion kommt nur zustande, wenn eine Mindestannahmequote von 65 Prozent erreicht wird. Konzernchef Guido Kerkhoff lässt an der Sinnhaftigkeit des Deals keine Zweifel aufkommen. Er bezeichnet Worthington Steel als den „idealen Partner“ für die zukünftige Ausrichtung.
Strategische Synergien diktieren den Verlust der unternehmerischen Eigenständigkeit
Für Kerkhoff ist der Verkauf kein Rückzug, sondern ein notwendiger Schritt der Transformation. Der Zusammenschluss soll die Fokussierung auf höherwertige Produkte und Services massiv beschleunigen.
Das Kalkül ist rein wirtschaftlicher Natur. Durch die Fusion soll die Wettbewerbsfähigkeit langfristig gesichert werden, was im Alleingang offenbar schwieriger zu realisieren wäre. Bereits Anfang Dezember hatte das Management bestätigt, dass Verhandlungen laufen. Nun liegen die harten Fakten auf dem Tisch.
Das Geschäftsmodell der Amerikaner deckt sich exakt mit der neuen Klöckner-Linie
Worthington ist kein Unbekannter in der Branche. Das Unternehmen agiert wie Klöckner als Metallverarbeiter und nicht als reiner Händler.
Der Fokus liegt auf Vorarbeiten, etwa beim Flachstahl. Diese Strategie ermöglicht deutlich höhere Margen als der klassische Stahlhandel, der unter starkem Preisdruck steht.
Genau in diese Richtung hat Kerkhoff den Duisburger Konzern in den letzten Jahren gesteuert. Der ehemalige Thyssenkrupp-Chef baut Klöckner konsequent um.

Der umsatzstärkere deutsche Riese wird vom profitablen US-Player geschluckt
Ein Blick in die Bücher offenbart eine interessante Asymmetrie bei dieser Übernahme. Klöckner & Co fuhr 2024 Erlöse von beachtlichen 6,6 Milliarden Euro ein.
Worthington Steel hingegen kam im Geschäftsjahr 2025 lediglich auf einen Umsatz von umgerechnet rund 3,3 Milliarden Euro.
Das 1955 gegründete US-Unternehmen mit Sitz in Columbus, Ohio, beschäftigt 6000 Mitarbeiter an 37 Standorten. Zukäufe sind Teil der expliziten Wachstumsstrategie, sofern sie die Margen treiben.
Mit Klöckner holen sich die Amerikaner nun massive Marktanteile in Europa und den USA ins Haus, die perfekt in ihr Raster passen.

