Mercedes-Benz kämpft. Der Stuttgarter Autobauer sieht sich 2026 mit schwierigeren Marktbedingungen konfrontiert als erwartet. Laut US-Chef Adam Chamberlain hat sich das Umfeld bereits zu Jahresbeginn spürbar eingetrübt. Geopolitische Unsicherheiten, hohe Kreditzinsen und Zweifel an der wirtschaftlichen Entwicklung belasten die Kauflaune. Die Aktie verlor seit Jahresanfang erneut deutlich – ein Sprung über die 200-Tage-Linie bei gut 55 Euro ist bislang nicht gelungen.
Die Probleme sind vielfältig. In China, dem wichtigsten Automarkt der Welt, bleibt die Lage katastrophal. Viele Konzernchefs hatten auf eine Trendwende bei den Verkaufszahlen Ende 2025 gehofft. Die Hoffnung erfüllte sich nicht. Mercedes verkauft weiterhin deutlich weniger als erhofft, lokale Konkurrenten wie BYD und Nio überrollen den Markt. In den USA schwächelt die Nachfrage ebenfalls, getrieben von hohen Zinsen und wirtschaftlicher Unsicherheit.

Hohe Benzinpreise noch verkraftbar – aber wie lange?
Trotz hoher Benzinpreise zeigt sich die Nachfrage nach Mercedes-Modellen bislang dennoch robust. Kurzfristig seien die höheren Spritkosten verkraftbar, so Chamberlain. Erst bei dauerhaft weiter steigenden Preisen könnte sich dies stärker auf das Kaufverhalten auswirken.
Das ist eine dünne Hoffnung. Mercedes-Käufer sind zwar tendenziell wohlhabender und weniger preissensitiv als Massenkunden. Doch auch sie spüren die Inflation, die Zinsbelastung, die allgemeine wirtschaftliche Unsicherheit. Wenn die Benzinpreise weiter steigen – und danach sieht es aus, solange die Straße von Hormus blockiert bleibt –, wird auch die Premium-Nachfrage leiden.
Vier Milliarden Dollar für Alabama – Expansion trotz Krise
Parallel treibt der Konzern seine Expansion in den USA voran. Bis 2030 sollen vier Milliarden Dollar in das Werk in Alabama fließen, um die Produktion auszubauen. Ziel ist ein Absatzplus von 28 Prozent. Nach rund 303.000 verkauften Fahrzeugen im vergangenen Jahr peilt Mercedes langfristig 400.000 Einheiten jährlich an.
Das klingt ambitioniert – vielleicht zu ambitioniert. Mercedes investiert Milliarden, während die Nachfrage schwächelt. Das Werk in Alabama soll neue Modelle produzieren, darunter überarbeitete Versionen der SUV-Baureihen GLS und GLE sowie ein neuer Hybrid. Doch ob diese Modelle tatsächlich reißenden Absatz finden, ist unklar. Der Wettbewerb im SUV-Segment ist brutal, die Margen schrumpfen, die Kunden wählerischer.
US-Zölle drücken auf die Margen – Preiserhöhungen bleiben moderat
Ein Risiko bleiben die US-Zölle auf importierte Fahrzeuge. Da ein Großteil der Modelle aus dem Ausland stammt, steigen die Kosten und drücken auf die Margen. Dennoch hält sich der Preisanstieg bislang in Grenzen: Seit Einführung der Zölle wurden die Preise lediglich um 1,3 Prozent erhöht – deutlich weniger als die Inflation.

Das zeigt zweierlei. Erstens: Mercedes hat wenig Preissetzungsmacht. Der Konzern kann die Zollkosten nicht einfach an die Kunden weitergeben, weil die Konkurrenz zu stark ist. Zweitens: Die Margen leiden. Wenn die Kosten steigen, die Preise aber nicht, bleibt weniger Gewinn übrig. Mercedes kämpft an mehreren Fronten gleichzeitig – und gewinnt derzeit an keiner.
China bleibt Katastrophe – Trendwende ausgeblieben
Besonders heikel ist für Mercedes-Benz nach wie vor die Situation im wichtigsten Automarkt der Welt: China. Viele Konzernchefs hatten auf eine Trendwende bei den Verkaufszahlen Ende des Jahres 2025 gehofft. Die Hoffnung hat sich nicht erfüllt. China kauft weiterhin kaum noch westliche Premium-Autos. Stattdessen boomen lokale Marken, die billiger, technologisch ebenbürtig und oft sogar innovativer sind.
Mercedes verliert in China Marktanteile, Umsatz, Prestige. Was einst der Wachstumsmotor des Konzerns war, ist heute ein Klotz am Bein. Ohne China-Erholung wird es schwer, die globalen Ziele zu erreichen. Doch eine Erholung ist nicht in Sicht. Die chinesische Wirtschaft schwächelt, die Konsumenten sind vorsichtig, die Konkurrenz übermächtig.
Aktie unter Druck – 200-Tage-Linie als Hürde
Die Aktie hat seit dem Jahresanfang erneut deutlich eingebüßt. Zuletzt gelang jedoch eine Stabilisierung. Ein wichtiges positives Signal wäre der Sprung über die 200-Tage-Linie, die derzeit bei gut 55 Euro verläuft. Doch dieser Sprung ist bislang nicht gelungen.
Die Börse glaubt nicht an die Trendwende. Zu viele Probleme, zu wenig Lösungen. Mercedes benötigt dringend wieder ein besseres weltweites Umfeld und muss intern kräftig aufs Gaspedal drücken. Doch das Umfeld wird nicht besser, und intern hapert es an Geschwindigkeit. Die Elektrifizierung stockt, die China-Strategie scheitert, die Profitabilität erodiert.
Was jetzt kommen muss – oder Mercedes rutscht weiter ab
Mercedes steht vor schwierigen Entscheidungen. Der Konzern muss China zurückerobern, die USA stabilisieren, die Elektrifizierung beschleunigen und gleichzeitig die Kosten senken. All das gleichzeitig zu stemmen, ist eine Herausforderung, die selbst Topmanager an ihre Grenzen bringt.
Die Investition in Alabama ist richtig, aber teuer. Vier Milliarden Dollar sind viel Geld für einen Markt, der schwächelt. Sollte die US-Wirtschaft in eine Rezession rutschen, könnte die Expansion zum Fehler werden. Sollte China dauerhaft verloren sein, fehlt der Wachstumsmotor. Sollten die Zölle steigen, schrumpfen die Margen weiter. Mercedes navigiert durch ein Minenfeld – und ein falscher Schritt könnte teuer werden.

