Es war mehr als eine Rede – es war eine Krönungsmesse des Populismus. Donald Trump trat vor den Kongress und zeichnete das Bild einer Nation, die unter seiner Führung in ein „goldenes Zeitalter“ eingetreten sei. 108 Minuten lang dozierte der 79-Jährige über eine Wirtschaft, die „brummt wie nie zuvor“, und über Feinde, die vor den USA erzittern würden.
Die Rhetorik war gewohnt bescheiden: „Unsere Nation ist größer, besser, reicher und stärker als je zuvor“, verkündete er unter den frenetischen „USA-USA“-Rufen seiner Parteifreunde. Die Demokraten hingegen lieferten das Bild einer tief gespaltenen Nation; viele boykottierten den Auftritt oder protestierten mit Plakaten gegen rassistische Entgleisungen des Präsidenten.

Doch Trump scherte sich wenig um die Opposition. Er sonnte sich im Glanz sportlicher Erfolge, präsentierte das Gold-Team der Eishockey-Olympiasieger und blickte bereits siegestrunken auf die kommende Fußball-WM und die Olympischen Spiele 2028.
„Wir gewinnen so sehr, dass wir gar nicht wissen, wie wir damit umgehen sollen“, behauptete er und zitierte fiktive Bürger, die ihn anflehen würden: „Bitte, Herr Präsident, wir gewinnen zu viel!“
Zölle und Zinsschocks: Trump attackiert seine eigenen Richter
Hinter der Fassade des Dauer-Gewinners zeigten sich jedoch tiefe Risse im Verhältnis zur Justiz. Erst kurz vor der Rede hatte der Oberste Gerichtshof Trumps protektionistische Zollpolitik gekippt – eine herbe Schlappe für den Präsidenten. Trump nannte das Urteil vor den Augen der anwesenden Richter „unglücklich“ und sparte nicht mit Kritik an Amy Coney Barrett, die er einst selbst ernannt hatte und die nun gegen ihn gestimmt hatte.
Trotz dieses Rückschlags pries er seine „Big Beautiful Bill“, ein Steuerpaket, das Trinkgelder und Überstunden steuerfrei stellt. Ein besonderes Augenmerk legte er auf die „Trump-Depots“: Jedes amerikanische Kind soll zum Start 1000 Dollar für den Aktienmarkt erhalten – eine Maßnahme, die durch massive Privatspenden von Tech-Milliardären wie Michael Dell gestützt wird.
Damit zielt Trump direkt auf die Midterm-Wahlen ab. Er verspricht Wohlstand für alle, während er gleichzeitig die Tech-Konzerne an die Kandare nimmt: Diese sollen künftig ihre eigenen Kraftwerke bauen, um den immensen Stromhunger ihrer KI-Rechenzentren zu decken, damit die Preise für den Normalverbraucher nicht explodieren.
Säbelrasseln gegen Teheran und Öl-Deals in Caracas
Außenpolitisch gab sich Trump gewohnt aggressiv, wobei er den Fokus fast ausschließlich auf den Iran legte. Acht Monate nach dem letzten US-Angriff auf iranische Atomanlagen drohte er erneut mit Gewalt. „Ich werde niemals zulassen, dass der weltweit größte Förderer des Terrors eine Atomwaffe besitzt“, donnerte er.

Er warf Teheran vor, Raketen zu entwickeln, die bald das US-Festland erreichen könnten. Während er behauptete, man befinde sich in Verhandlungen, ließ sein Tonfall wenig Raum für diplomatische Hoffnung. Interessant war dabei, was er verschwieg: Der Ukraine-Krieg wurde nur in einem Nebensatz erwähnt, Grönland – einst sein erklärter Kaufwunsch – fand gar keine Erwähnung mehr.
Dafür feierte er einen neuen „Partner“ im Süden. Nach der Festnahme von Nicolás Maduro durch US-Spezialkräfte bezeichnete er Venezuela nun als Verbündeten, der bereits 80 Millionen Barrel Öl geliefert habe. Es ist die reine Geopolitik der Rohstoffe: Trump sichert sich den Zugriff auf die größten Ölvorkommen der Welt, um die heimischen Benzinpreise niedrig zu halten.
Mauern, Lagerhallen und das Ende der diplomatischen Zurückhaltung
In der Migrationspolitik bleibt Trump seiner harten Linie treu. Er forderte die Demokraten ultimativ auf, das Budget für das Heimatschutzministerium freizugeben. Die Bilder von neu gekauften Lagerhallen der Einwanderungsbehörde ICE, die Platz für 100.000 Betten in Abschiebezentren bieten sollen, hängen wie ein Damoklesschwert über der politischen Debatte.
Auch den blutigen Drogenkrieg in Mexiko nutzte er für seine Inszenierung. Die Tötung des Kartellbosses „El Mencho“ am Vortag verkaufte er als persönlichen Triumph im Kampf gegen das Verbrechen, ungeachtet der Gewaltwelle, die daraufhin über das Nachbarland hereinbrach.
Die Pointe dieser Mammut-Rede: Trump hat sich endgültig von der Rolle des traditionellen Präsidenten verabschiedet und ist nun der CEO eines „Amerika-Konzerns“, der nur noch in Gewinnen, Öl-Barrels und Aktienkursen denkt. Dass er dabei politische Gewalt offiziell ablehnte, wirkte nach der Erwähnung des erschossenen Aktivisten Charlie Kirk eher wie eine Mobilisierung seiner Basis als ein echtes Friedensangebot an das Land.



