In der 38-jährigen Geschichte des Deutschen Aktienindex (Dax) gab es viele Stars, die hell aufleuchteten und schnell verglühten. Doch während die Wall Street ehrfürchtig auf die "Magnificent 7" blickt, hat sich in München fast unbemerkt ein industrielles Monster entwickelt, das alles in den Schatten stellt.
Am 5. Februar 2026 ist es amtlich: Siemens ist nicht mehr der schwerfällige Mischkonzern von gestern, sondern eine digitale Profit-Maschine auf Augenhöhe mit SAP. Mit einer Marktkapitalisierung von rund 200 Milliarden Euro liefert sich der Industriegigant ein episches Duell um die Marktführerschaft in Deutschland.
Wer seit der Dax-Gründung am 1. Juli 1988 an Siemens festgehalten hat, blickt heute auf ein Vermögen, das um unfassbare 5.850 Prozent gewachsen ist – Kursgewinne und Dividenden zusammengerechnet.
Das entspricht einer durchschnittlichen Jahresrendite von 11,3 Prozent. Zum Vergleich: Der Dax selbst schaffte im selben Zeitraum lediglich 8,8 Prozent. Siemens ist damit der unangefochtene Champion unter den Dax-Veteranen und beweist eine Verlässlichkeit, die in der volatilen Tech-Welt ihresgleichen sucht.

Der Healthineers Geheimplan verspricht Anlegern ein lukratives Aktiengeschenk
Der strategische Umbau unter Vorstandschef Roland Busch erreicht nun seinen nächsten, radikalen Höhepunkt. Nachdem die Abspaltung der Kraftwerkssparte Siemens Energy den Aktionären bereits einen Wertzuwachs von 621 Prozent bescherte, steht nun der nächste Milliarden-Spin-off vor der Tür. Siemens bereitet die endgültige Entkonsolidierung des Medizinriesen Siemens Healthineers vor. Rund 30 Prozent der Anteile sollen direkt in die Depots der Siemens-Aktionäre eingebucht werden – ein automatisches Gratis-Geschenk für alle, die zum Stichtag investiert sind.
Dieser Schritt ist weit mehr als eine bilanzielle Spielerei. Zwar verliert der Mutterkonzern dadurch auf dem Papier fast ein Drittel seines Umsatzes, doch das Ziel ist eine radikale Fokussierung auf das industrielle Digitalgeschäft und Anwendungen der Künstlichen Intelligenz (KI). Siemens will weg vom Image des Mischkonzerns und hin zur reinen Tech-Bewertung. Die Märkte honorieren diesen Weg bereits: Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 22,4 hat Siemens die Bewertungssphären von Software-Konzernen erreicht.
Siemens schlägt US-Konkurrenz durch aggressives Software-Wachstum
Die Transformation zum digitalen Schwergewicht spiegelt sich eindrucksvoll im Vergleich mit der globalen Konkurrenz wider. Während amerikanische Wettbewerber wie Rockwell oder Atlas Copco mit KGVs von über 30 deutlich teurer bezahlt werden, bietet Siemens trotz der jüngsten Kursrallye immer noch einen relativen Bewertungsvorteil. Der französische Rivale Schneider Electric ist bereits mit einem KGV von 24,2 bewertet, der Schweizer Konzern ABB sogar mit 28,7.

Siemens profitiert dabei massiv von seiner globalen Aufstellung. Nur noch ein Fünftel des Umsatzes wird auf dem schwächelnden Heimatmarkt Deutschland erzielt. Die Münchner sind längst zum Weltmarktführer für industrielle Automatisierung und digitale Zwillinge mutiert. Diese Stärke außerhalb Europas schützt den Konzern vor lokalen Wirtschaftskrisen und macht ihn zum bevorzugten Partner für die globale Re-Industrialisierung und den Ausbau von KI-Rechenzentren.
Die Dividenden-Saga setzt mit der fünften Erhöhung in Folge neue Maßstäbe
Für Dividendenjäger bleibt Siemens trotz der gestiegenen Kurse eine Bank. Der Vorstand plant, die Ausschüttung für das abgelaufene Geschäftsjahr zum fünften Mal in Folge anzuheben – auf 5,35 Euro je Aktie. Seit dem Jahr 2010 hat sich die Dividende damit mehr als verdreifacht. Dass die Dividendenrendite für Neueinsteiger durch den enormen Kursanstieg der letzten drei Jahre (plus 80 Prozent) auf 2,1 Prozent gesunken ist, wird durch die massiven Buchgewinne mehr als kompensiert.
Analysten sind sich weitgehend einig: Siemens ist die "Core-Holding" für jedes deutsche Depot. Mit 20 Kaufempfehlungen gegenüber nur vier Verkaufsvoten ist das Vertrauen der Profis ungebrochen. Die Kombination aus stetig steigenden Erträgen, einer dominanten Marktposition im KI-Industriegeschäft und den bevorstehenden Aktiengeschenken durch Abspaltungen macht den Konzern zum derzeit attraktivsten Blue-Chip des Kontinents.
Siemens hat das Unmögliche geschafft: Ein 178 Jahre altes Unternehmen agiert heute flinker und profitabler als viele junge Tech-Startups. Wer auf Deutschlands wertvollsten Konzern setzt, investiert nicht in die Vergangenheit, sondern in das Betriebssystem der Industrie von morgen.



