Die aggressive Übernahme des Sunstone-Projekts markiert einen rücksichtslosen strategischen Wendepunkt
Amazon hat sich offiziell das Sunstone-Projekt im US-Bundesstaat Oregon gesichert. Der Deal umfasst eine gewaltige Kapazität von 1,2 Gigawatt Solarenergie sowie weitere 1,2 Gigawatt an Batteriespeichern. Diese Dimensionen machen das Projekt zu einer der signifikantesten Infrastruktur-Akquisen des laufenden Geschäftsjahres.
Brisant ist die Herkunft der Assets: Sie stammen direkt aus der Insolvenzmasse des Projektentwicklers Pine Gate Renewables. Das Unternehmen musste Ende 2025 unter einer drückenden Schuldenlast von 600 Millionen Dollar Insolvenz nach Chapter 11 anmelden.
Ein US-Insolvenzgericht im südlichen Bezirk von Texas gab gestern grünes Licht für die Transaktion. Amazon Energy nutzt hier die finanzielle Schieflage eines Marktteilnehmers gnadenlos aus, um das eigene Energie-Portfolio massiv und kosteneffizient zu skalieren.

Unabhängigkeit vom öffentlichen Stromnetz wird zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil für Rechenzentren
Der Energiehunger von Amazons AWS-Rechenzentren und Logistikhubs wächst exponentiell. Durch den direkten Erwerb eigener Kraftwerkskapazitäten entkoppelt sich der Konzern zunehmend von den volatilen Strompreisen externer Versorger und sichert seine Margen langfristig ab.
Die Integration von 1,2 GW Batteriespeicher ist dabei essenziell für die Netzstabilität der Amazon-Infrastruktur. Sie ermöglicht es dem Konzern, überschüssige Energie zu puffern und Bedarfsspitzen autonom abzufedern, ohne auf das öffentliche Netz angewiesen zu sein.
Obwohl finanzielle Details zum Kaufpreis unter Verschluss gehalten werden, werten Analysten den Zugriff auf die Assets der insolventen Pine Gate Renewables als strategischen 'Schnäppchen-Kauf'. Investoren sollten diesen Schritt als langfristige Absicherung der operativen Basis verstehen.
Mit der neuen 'Shop & Earn' Funktion schließt Amazon sein monetäres Ökosystem hermetisch ab
Parallel zur physischen Energie-Offensive expandiert Amazon aggressiv im Fintech-Sektor. Die neue Beta-Funktion "Shop & Earn Deals" für Amazon Pay lockt Kunden mit Gutschriften, wenn sie bei teilnehmenden Drittanbietern bezahlen.
Der ökonomische Clou liegt im geschlossenen Kreislauf: Die Prämien fließen nicht als Cash zurück, sondern werden ausschließlich als Amazon-Guthaben gutgeschrieben. Damit zwingt der Konzern die Liquidität zwangsläufig zurück auf die eigene E-Commerce-Plattform.
Dies ist ein direkter Angriff auf etablierte Player wie Apple Pay und Google Pay. Wer Amazon Pay etabliert, bindet Händler und Endkunden gleichermaßen in einen "Walled Garden" ein, was den Customer Lifetime Value (CLV) signifikant erhöhen dürfte.


