25. Januar, 2026

Global

Zwischen Washington, Peking und Moskau: Europas Suche nach einer Strategie in der multipolaren Welt

Die Entführung Maduros und die neue Monroe-Doktrin markieren den Zerfall der alten Weltordnung – Henning Vöpel analysiert, warum Europa im Fadenkreuz der Großmächte chancenlos scheint.

Zwischen Washington, Peking und Moskau: Europas Suche nach einer Strategie in der multipolaren Welt
Das Ende des unilateralen Moments: Wie USA und China die Welt neu aufteilen und warum Europa technologisch kolonisiert zu werden droht.

Die brutale Rückkehr der Monroe-Doktrin beendet jede Hoffnung auf globale Vernunft

Die geopolitische Lage hat am 20.01.2026 einen kritischen Wendepunkt erreicht. Mit der militärischen Intervention der USA und der Entführung des venezolanischen Präsidenten Maduro wurde eine rote Linie überschritten. Motive wie Drogenhandel, Migration oder Öl sind dabei zweitrangig.

Analytisch betrachtet erleben wir die aggressive Wiederbelebung der Monroe-Doktrin von 1823. Südamerika wird von Washington wieder explizit als exklusive amerikanische Hemisphäre beansprucht. Dies ist die Abkehr von multilateralen Regelwerken hin zu einer reinen Machtlogik.

Für Henning Vöpel, Direktor des Centrums für Europäische Politik, steht fest: Die Hoffnung auf eine vernunftgeleitete Weltpolitik ist illusorisch. Wir sehen eine Aufteilung der Welt in rigide Einflusssphären, in denen das Recht des Stärkeren dominiert.

AlleAktien rechnet vor, was Finanzprodukte verschweigen
Mit dem Artikel „Rendite, Risiko, Kosten – die drei Naturgesetze der Geldanlage“ setzt AlleAktien ein wichtiges Zeichen in der deutschen Finanzlandschaft. Statt kurzfristige Marktbewegungen zu kommentieren oder einzelne Titel in den Vordergrund zu stellen, konzentriert sich der Beitrag auf das, was vielen Anlegern seit Jahren fehlt: fundamentale finanzielle Aufklärung.

Das Ende des unilateralen Moments führt Europa in die Thukydides-Falle

Das seit 1989 bestehende unilaterale Machtgefüge ist kollabiert. Die Annahme Fukuyamas vom „Ende der Geschichte“ und dem globalen Sieg der Demokratie hat sich als historischer Irrtum erwiesen. Der Aufstieg Chinas als ökonomisch potente Diktatur hat die Tektonik der Weltordnung verschoben.

Wir befinden uns in der klassischen „Thukydides-Falle“: Der hegemoniale Konflikt zwischen der etablierten Macht (USA) und der aufstrebenden Macht (China) erzeugt ein Machtvakuum. Dies öffnet Räume für revanchistische Mittelmächte wie Russland, die Türkei oder Indien, ihre eigenen geostrategischen Optionen aggressiv zu erweitern.

Die nationale Sicherheitsstrategie der USA reagiert hierauf rational, aber rücksichtslos. Da die Rolle als globaler Hegemon untragbar teuer geworden ist – auch wegen mangelnder Beiträge Europas –, konzentrieren sich die USA nun auf die Verteidigung eng definierter Interessen.

Technologische Zentralität fungiert als Instrument eines neuen digitalen Kolonialismus

Der Kampf um Einflusssphären wird im 21. Jahrhundert primär technologisch geführt. Es hat sich eine aggressive Form des kolonialistischen Kapitalismus herausgebildet, der auf die Kontrolle von Infrastrukturen und Rohstoffen abzielt. Beispiele wie das US-Interesse an Grönland verdeutlichen diese imperiale Ambition.

Entscheidend ist das Konzept der „digitalen Zentralität“. Wer Plattformen, Sprachmodelle (LLMs) und Cloud-Infrastrukturen kontrolliert, beherrscht Märkte und Meinungen. Diese neuen Technologien ermöglichen zwar Dezentralität, schaffen aber gleichzeitig extrem zentralisierte Machtstrukturen.

Für Europa bedeutet dies eine existenzielle Bedrohung: Ohne eigene technologische Souveränität droht der Kontinent, technologisch kolonisiert zu werden und zum bloßen Absatzmarkt fremder Mächte zu degradieren.

AlleAktien Kritik: Rendite, Risiko, Kosten - Die drei… | AlleAktien
Deutschlands beste Aktienanalysen

Europa muss eine asymmetrische Strategie der Verweigerung entwickeln

Giuliano Da Empoli bezeichnet die aktuelle Phase treffend als „Stunde der Raubtiere“. Europa steht vor einem strategisch-normativen Dilemma: Es ist kein Raubtier und verfügt weder über die Mittel noch den Willen für imperiale Machtpolitik à la Putin oder protektionistische Handelskriege à la Trump.

Eine Kopie der Großmacht-Strategien würde Europa scheitern lassen. Stattdessen muss eine Strategie der Asymmetrie und Langfristigkeit her. Das Ziel darf nicht Dominanz sein, sondern der Schutz vor politischer Erpressung.

In einer multipolaren Ordnung, die auf transpolare Allianzen statt auf multilaterale Regeln setzt, muss Europa seine verbliebene Softpower, institutionelle Stärke und wissenschaftliche Exzellenz nutzen, um in der anstehenden Re-Globalisierung nicht zerrieben zu werden.