Die internationale Ordnung existiert faktisch nicht mehr
Es sind alarmierende Töne, die von der 62. Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) ausgehen. Wolfgang Ischinger hatte zur Eröffnung Ehrlichkeit gefordert, und Bundeskanzler Friedrich Merz lieferte am 13. Februar 2026 eine Bestandsaufnahme, die an Deutlichkeit kaum zu überbieten ist. Die diplomatische Zurückhaltung ist einer harten Realpolitik gewichen.
Die zentrale These der Kanzlerrede markiert eine Zäsur in der deutschen Außenpolitik: Die bisherige globale Struktur befindet sich nicht nur in einer Krise, sie ist bereits obsolet. An ihre Stelle tritt ein aggressiver Wettbewerb um Einflusszonen, kritische Technologien und resiliente Lieferketten.
„Es gibt sie so nicht mehr“, so Friedrich Merz über die alte internationale Ordnung.
Das skizzierte Programm der Freiheit trifft auf geopolitische Härte
Merz reagiert auf dieses Vakuum mit einem sogenannten „Programm der Freiheit“. Dieses Konzept basiert auf einer signifikanten Stärkung der europäischen Eigenständigkeit und dem Versuch, den Riss im transatlantischen Verhältnis zu kitten. Doch die Rahmenbedingungen werden zunehmend durch ein beschleunigtes Machtkalkül der USA unter Donald Trump diktiert.

Zwar wird von US-Außenminister Marco Rubio ein versöhnlicherer Ton als von Vizepräsident JD Vance im Vorjahr erwartet, doch die strukturelle Ausrichtung Washingtons bleibt konfrontativ. Der Kanzler identifizierte die aktuelle Lage als ein Szenario, in dem Gewinne der einen Seite zwangsläufig Verluste der anderen bedeuten.
„Ein Nullsummenspiel der Großmächte“, so Friedrich Merz.
Europas Stabilität wackelt an allen strategischen Ecken
Trotz der Erfolge des E3-Formats (Deutschland, Frankreich, Vereinigtes Königreich) bei der Ukraine-Koordination ist die Zukunft dieser Allianz hochgradig unsicher. In London kämpft Premierminister Keir Starmer um sein politisches Überleben, während in Paris der Abschied von Emmanuel Macron bevorsteht. Die politische Nachfolge in beiden Atommächten ist ungeklärt, was die Verlässlichkeit der Partner für Berlin infrage stellt.
Innenpolitisch hat Deutschland zwar durch ein neues Sondervermögen und die Reform der Schuldenbremse 2025 finanzielle Spielräume geschaffen, doch die Umsetzung stockt massiv. Die militärische Modernisierung kommt nicht schnell genug voran, wie das Debakel um das Kampfjetprojekt FCAS exemplarisch belegt.


