Nach einem Kursverlust von rund 50 Prozent in zwölf Monaten reicht bei Puma inzwischen schon wenig, um Hoffnung zu erzeugen. Gesicherte Liquidität, eine spürbare Kurserholung vom Tief und anhaltende Übernahmegerüchte haben der Aktie kurz vor dem Jahreswechsel zu einer Atempause verholfen. Eine echte Trendwende ist das noch nicht.
Der Sportartikelhersteller aus Herzogenaurach kämpft weniger mit akuten Finanzproblemen als mit dem Vertrauensverlust des Kapitalmarkts. Genau dort setzt die aktuelle Stabilisierung an.
Liquidität verschafft dem Markt Zeit
Das Management hat zuletzt vor allem eines getan: Zeit gekauft. Mit neuen Kreditlinien über insgesamt mehr als 600 Millionen Euro hat Puma seine Liquiditätsbasis deutlich verbreitert. Rund 500 Millionen Euro stammen aus einer neuen Finanzierung, weitere 108 Millionen Euro aus bestätigten Kreditlinien.
Für den Markt ist das ein wichtiges Signal. Die operative Handlungsfähigkeit ist gesichert, kurzfristige Refinanzierungsängste sind vom Tisch. Banken zeigen weiterhin Vertrauen in das Geschäftsmodell – trotz schwacher operativer Entwicklung und hoher Lagerbestände im Sektor.

Die Maßnahme ist klassische Bilanzpolitik. Sie löst keine strukturellen Probleme, nimmt aber Druck aus der Aktie. In einem Umfeld, in dem Investoren bei Schwäche sofort das Worst-Case-Szenario einpreisen, ist das bereits ein Erfolg.
Übernahmefantasie ersetzt operative Fantasie
Noch wichtiger für den Kurs ist jedoch ein anderes Thema. Die deutlich gefallene Bewertung hat Übernahmegerüchte neu entfacht. Nach dem massiven Kursverfall erscheint Puma für Finanzinvestoren oder strategische Käufer wieder kalkulierbar.
Diese Fantasie wirkt derzeit als wichtigster Kurstreiber. Seit dem 52-Wochentief bei 15,48 Euro hat sich die Aktie spürbar erholt und notiert wieder im Bereich von 22 Euro. Nicht aus Begeisterung für das operative Geschäft, sondern aus der Hoffnung auf ein mögliches Buy-out.
Solche Spekulationen wirken wie ein Schutzschild. Sie halten Leerverkäufer zurück und sorgen dafür, dass negative Nachrichten nicht mehr unmittelbar neue Tiefs auslösen. Nachhaltig ist dieser Effekt allerdings nicht.
Charttechnik sendet kurzfristige Entspannung
Auch aus technischer Sicht hat sich das Bild aufgehellt. Der Kurs liegt wieder klar über dem 50-Tage- und dem 100-Tage-Durchschnitt. Damit ist zumindest der kurzfristige Abwärtstrend gebrochen.
Gleichzeitig mahnt der Blick auf die Indikatoren zur Vorsicht. Der RSI liegt über 70 und signalisiert eine überkaufte Situation. Die jüngste Erholung war schnell und stark – ohne fundamentale Unterfütterung. Rücksetzer wären technisch keine Überraschung.
Die Aktie ist stabilisiert, nicht gesund.

Relative Stärke dank Problemen beim Branchenprimus
Auffällig ist die jüngste Abkopplung vom US-Marktführer Nike. Während Nike mit einer schwierigen strategischen Neuausrichtung ringt und den gesamten Sektor belastet, wirkt Puma vergleichsweise robust.
Das liegt weniger an eigener Stärke als an relativer Wahrnehmung. Wenn der Branchenprimus schwächelt, verschiebt sich der Blick der Investoren. Puma profitiert davon kurzfristig, ohne selbst überzeugende Wachstumsimpulse zu liefern.
Analysten bleiben entsprechend nüchtern. Die kanadische Bank RBC Capital Markets stuft die Aktie mit „Sector Perform“ ein und sieht das Kursziel bei 20 Euro – unter dem aktuellen Niveau. Das ist ein Hinweis darauf, wie fragil die Erholung ist.
Das operative Geschäft bleibt der offene Punkt
So stabil der Boden derzeit wirkt, so offen ist die eigentliche Frage. Kann Puma operativ liefern? Hohe Lagerbestände, Margendruck und ein schwieriges Konsumumfeld haben das Geschäft zuletzt belastet. Die strukturellen Herausforderungen im Sportartikelmarkt sind ungelöst.
Genau deshalb richtet sich der Blick der Anleger bereits auf den Februar. Mit den kommenden Quartalszahlen muss Puma zeigen, dass die operative Wende mehr ist als eine Hoffnung. Erst wenn Umsatzentwicklung, Margen und Ausblick überzeugen, bekommt die aktuelle Kurserholung Substanz.
Bis dahin lebt die Aktie von Finanzierungsmaßnahmen und Fantasie.
Der Markt bleibt im Wartemodus
Die Kombination aus gesicherter Liquidität und Übernahmespekulation hat der Puma-Aktie einen Boden verschafft. Mehr nicht. Der Kapitalmarkt hat dem Unternehmen Zeit gegeben, aber keinen Vertrauensvorschuss.
Ob daraus 2026 eine echte Trendwende wird, entscheidet sich nicht in der Charttechnik und nicht in Gerüchten, sondern in der Gewinn- und Verlustrechnung. Bis dahin bleibt Puma ein stabilisiertes Problem – kein gelöstes.



