Brian Armstrong (43) agiert dort mittlerweile fast in Vollzeit als politischer Akteur. Ein einziger Post von ihm auf der Plattform X reichte Anfang 2026 aus, um den US-Senat bei den Verhandlungen zum „Clarity Act“ – einem wichtigen Regulierungsgesetz – zum Stillstand zu bringen. Jetzt wird dieses US-Erfolgsrezept nach Europa exportiert, um die Brüsseler Gesetzgebung in Richtung der Krypto-Interessen zu biegen.
MiCA-Schock: Coinbase kämpft gegen das Zinsverbot
Im Fadenkreuz der europäischen Lobby-Offensive steht vor allem die MiCA-Verordnung (Markets in Crypto-Assets). Diese eigentlich als Fortschritt gefeierte Rahmengesetzgebung enthält für Coinbase und Partner wie Circle bittere Pillen:
- Stablecoin-Einschränkungen: Emittenten müssen eine E-Geld-Lizenz vorweisen und strenge Reserven halten.
- Zinsverbot: MiCA untersagt es Plattformen, Renditen auf Stablecoins wie USDC anzubieten. Coinbase musste deshalb bereits im Dezember 2024 sein beliebtes Renditeprogramm für europäische Nutzer einstellen.
- Delisting-Druck: Da viele Stablecoins (darunter zeitweise auch der Marktführer Tether/USDT) die MiCA-Vorgaben nicht voll erfüllten, droht ihnen das Aus auf EU-Börsen.
Die Lobby-Organisation „Stand with Crypto“ rekrutiert seit Anfang 2026 gezielt Unterstützer in Europa, um gegen diese „Innovationsbremsen“ vorzugehen. Das Ziel: Die Regeln für Stablecoins aufweichen, bevor sie die Marktvorherrschaft von US-gekoppelten Token in Europa dauerhaft schwächen.

Die 100-Millionen-Dollar-Waffe: Midterms 2026 im Visier
In den USA hat Coinbase bewiesen, dass man politische Macht schlicht kaufen kann. Für den Trump-Wahlkampf und die anstehenden Midterm-Wahlen 2026 hat die Börse allein 100 Millionen Dollar in den Spendenpool des Super-PACs „Fairshake“ gepumpt. Diese Kriegskasse dient dazu, kryptofreundliche Kandidaten zu stützen und Kritiker durch gezielte Gegenkampagnen aus dem Amt zu drängen.
Dieses Modell der finanziellen Mobilisierung soll nun auch in der EU – wenn auch in rechtlich angepasster Form – Schule machen. Armstrong hat erkannt, dass die Kryptobranche zu groß für die politische Nische geworden ist. Sein Ziel ist es, Krypto-Wähler als eigenständigen Block zu organisieren, der bei Wahlen das Zünglein an der Waage spielen kann.
Steuertransparenz 2026: Das Ende der Anonymität
Während Coinbase für Lockerungen kämpft, zieht die EU an anderer Stelle die Zügel an. Ab dem 1. Januar 2026 greifen die neuen Steuertransparenz-Regeln (DAC8). Krypto-Plattformen wie Coinbase müssen dann sämtliche Transaktionsdaten ihrer Nutzer automatisch an die Finanzämter melden.
Für die Lobby-Maschine von Coinbase ist dies ein weiterer Grund zur Eile: Je transparenter und regulierter der Markt wird, desto dringender benötigt die Börse politische Verbündete, die zumindest bei der Produktgestaltung (wie den Stablecoins) Spielräume offenhalten. Armstrongs Botschaft ist klar: Er will nicht mehr nur am Tisch sitzen – er will die Speisekarte schreiben.


