Ein kriminelles Ökosystem hebelt staatliche Kontrollmechanismen aus
Die Polizei in Nürnberg hat einen massiven Betrugsskandal aufgedeckt, der die Integrität des deutschen Einbürgerungsprozesses fundamental infrage stellt. Ein mutmaßliches Netzwerk hat systematisch Migranten gegen hohe Barzahlungen zu unrechtmäßigen Sprach- und Einbürgerungszertifikaten verholfen.
Die Preise für diesen illegalen Service waren exorbitant: Zwischen 2.500 und 6.000 Euro mussten die Kunden pro Prüfung zahlen. Im Gegenzug organisierten die Hintermänner sogenannte Stellvertreter, die über exzellente Deutschkenntnisse verfügten und die Tests anstelle der eigentlichen Antragsteller absolvierten.
Professionelle Fälschungen machten den Betrug für Prüfer fast unsichtbar
Das Vorgehen der Täter zeugt von hoher krimineller Energie und präziser Planung. Die Stellvertreter traten nicht mit ihren eigenen Ausweisen an, sondern legten gefälschte Dokumente vor. Diese Papiere enthielten zwar das Foto des tatsächlichen Prüflings (des Stellvertreters), jedoch die persönlichen Daten der zahlenden Kunden.
Für die Prüfer vor Ort war der Schwindel kaum zu erkennen. Sie stellten in gutem Glauben echte Zertifikate aus, die anschließend bei Behörden für Aufenthaltsgenehmigungen oder Einbürgerungen eingereicht wurden. Es handelt sich somit nicht um gefälschte Zertifikate, sondern um echte Dokumente, die auf Basis einer Identitätstäuschung erschlichen wurden.
Die Ermittlungen weiten sich auf das gesamte Bundesgebiet aus
Der Schlag gegen das Netzwerk führte bereits zu ersten Verhaftungen. Als Hauptverdächtiger gilt ein 39-jähriger Mann aus dem Irak, der als zentraler Vermittler fungiert haben soll. Er befindet sich derzeit in Untersuchungshaft. Auch ein 22-jähriger Deutscher wurde festgenommen, als er versuchte, eine solche Stellvertreterprüfung abzulegen.
Die Dimension des Falls überschreitet regionale Grenzen. Bereits im Dezember wurden in einer Sprachschule in Nordrhein-Westfalen zehn Personen identifiziert, die als Stellvertreter Prüfungen ablegten. Die bayerischen Ermittler gehen nach aktueller Auswertung der Beweismittel von einer hohen zweistelligen Zahl weiterer Verfahren aus.

