Deutschland verfügt über die zweitgrößten Goldreserven der Welt. Zum Jahresende 2024 bezifferte die Deutsche Bundesbank den Bestand auf rund 3.550 Tonnen. Dies stellt eine enorme Sicherheit für die Stabilität der Währung und des Staates dar.
Ein signifikanter Anteil dieses Vermögens befindet sich jedoch nicht auf deutschem Boden. Exakt 1.236 Tonnen lagern bei der Federal Reserve Bank (Fed) in New York. Das entspricht rund 37 Prozent des gesamten deutschen Goldbesitzes.
Lange Zeit galt dies als unproblematisch, da die USA als engster Verbündeter und die Fed als unabhängig galten. Mit der Präsidentschaft von Donald Trump und seiner aggressiven Politik gegenüber Institutionen ändert sich diese Risikobewertung nun fundamental.
Donald Trumps Attacken auf die US-Notenbank gefährden die institutionelle Sicherheit
Zentralbanken basieren ihre Zusammenarbeit auf strikter Unabhängigkeit und gegenseitigem Vertrauen. US-Präsident Trump greift dieses Fundament derzeit massiv an. Er übt offen Druck auf Fed-Chef Jerome Powell aus und drohte ihm zuletzt sogar mit einer Anklage.

Diese politische Einflussnahme alarmiert Marktbeobachter. Wolfgang Wrzesniok-Roßbach, Goldexperte von Fragold, betont, dass politischer Druck auf Zentralbanken die Vertrauensbasis erodieren lässt. Je stärker die Fed zum Spielball der Exekutive wird, desto fragiler wird der Schutz internationaler Einlagen.
Sollte die Fed ihre Autonomie verlieren, wären auch die dort gelagerten ausländischen Vermögenswerte theoretisch dem direkten Zugriff des Weißen Hauses ausgesetzt. Die institutionelle Garantie der Sicherheit weicht der politischen Willkür.
Die Unberechenbarkeit der US-Regierung macht Goldreserven zum geopolitischen Pfand
Die Sorge besteht konkret darin, dass die USA unter Trump bestehende Verträge ignorieren könnten. Stefan Riße, Kapitalmarktstratege bei ACATIS Investment, warnt davor, dass Amerika nicht mehr berechenbar sei. Er sieht die Gefahr, dass Deutschland ins Visier des US-Präsidenten gerät.
Laut Wrzesniok-Roßbach ist ein Szenario denkbar, in dem die US-Regierung Goldreserven als „Faustpfand“ einbehält. In einer diplomatischen oder handfesten Krise könnten die 1.236 Tonnen in New York als Druckmittel gegen Deutschland und die EU eingesetzt werden.
Achim Wambach, Präsident des ZEW, stützt diese These. Er konstatiert, dass die USA derzeit kein verlässlicher Partner für die Europäische Union seien. Das Ignorieren etablierter Regeln, wie etwa beim Umgang mit Grönland gezeigt, verdeutlicht das neue Risikoprofil.
Strategen fordern Rückholung, doch Ökonomen warnen vor politischer Eskalation
Angesichts der neuen Bedrohungslage plädieren Experten wie Stefan Riße für eine Verlagerung der Bestände nach Deutschland. Nur eine Lagerung im Inland eliminiere das Zugriffsrisiko vollständig. Das bisherige Argument des zu hohen Aufwands sei unter Trump hinfällig.
Andere Stimmen mahnen jedoch zur Vorsicht beim Timing. Ifo-Präsident Clemens Fuest warnt vor einer überstürzten Rückholaktion. Ein solcher Schritt könnte in der aktuellen, ohnehin angespannten Lage als Affront gewertet werden und „Öl ins Feuer gießen“.
Fuest empfiehlt, logistische Operationen dieser Größenordnung auf Phasen ohne akute Konflikte zu verschieben. Eine panikartige Abziehung der Reserven könnte von den USA als Misstrauensvotum interpretiert werden und diplomatische Verwerfungen beschleunigen.
Die Bundesbank hält trotz veränderter Risikolage an New York fest
Die Deutsche Bundesbank zeigt sich von den Warnungen bislang unbeeindruckt. Sie teilte mit, dass New York eine wichtige Lagerstelle bleibe. Die Entscheidungskriterien sind hierbei Sicherheit und Handelbarkeit.
Historisch gesehen resultieren die Bestände in den USA aus den Handelsüberschüssen der Nachkriegszeit und dem Bretton-Woods-System. Zudem diente die Lagerung im Ausland während des Kalten Krieges der Risikostreuung im Falle eines Angriffs auf Westdeutschland.
Zwar hat die Bundesbank zwischen 2013 und 2017 bereits 300 Tonnen aus New York sowie den kompletten Pariser Bestand nach Deutschland verlagert, weitere Aktionen sind jedoch nicht geplant. Die Notenbank vertraut weiterhin darauf, dass das Gold bei der Fed sicher ist – ungeachtet der politischen Turbulenzen.


