Der Kampf gegen Finanzkriminalität wird für Banken und Fintechs immer komplexer – und genau darauf setzt ein junges Start-up aus der europäischen Techszene. Das deutsch-britische Unternehmen Diligent AI hat in einer Seed-Finanzierungsrunde 2,1 Millionen Euro eingesammelt. Angeführt wird die Runde vom Wiener Risikokapitalgeber Speedinvest.
Ziel des Unternehmens ist es, mit künstlicher Intelligenz einen Teil der aufwendigen Compliance-Arbeit zu automatisieren, die bislang von Analysten manuell erledigt wird.

Fintech-Investoren setzen auf KI gegen Finanzkriminalität
Neben Speedinvest beteiligen sich mehrere bekannte Namen aus der europäischen Fintech-Szene an der Finanzierung. Zu den Investoren gehören unter anderem Marcus Mosen, der Chef des Digitalbankingspezialisten N26, sowie Sebastian Bärhold, Mitgründer des Identitätsprüfers IDnow.
Auch Matthias Knecht, Gründer des Berliner Fintechs Billie, beteiligt sich an der Runde. Ergänzt wird das Investorenfeld durch den Fonds Shapers des Investors Philippe Teixeira da Mota. Die Beteiligung dieser Branchenvertreter gilt als Signal, dass der Markt für automatisierte Compliance-Technologie stark an Bedeutung gewinnt.
KI-Agenten sollen Analysten entlasten
Diligent AI entwickelt sogenannte autonome KI-Analysten, die Aufgaben der Finanzkriminalitätsbekämpfung automatisiert übernehmen. Banken müssen bei der Kundenüberprüfung eine Vielzahl von Datenquellen prüfen – etwa Sanktionslisten, Unternehmensregister oder Medienberichte. Genau diese Routineprozesse sollen künftig von KI-Systemen erledigt werden. Ziel ist es, Verdachtsfälle schneller zu analysieren und Fehlalarme zu reduzieren. Angesichts wachsender digitaler Zahlungsströme und immer komplexerer Sanktionsregime geraten viele Compliance-Abteilungen unter erheblichen Druck, weil die Zahl möglicher Verdachtsfälle kontinuierlich steigt.
Gründer kommen aus der Berliner Fintech-Szene
Hinter dem Unternehmen stehen die Gründer Edoardo Maschio und Ahmed Gaber, die beide aus der Berliner Fintech-Szene stammen. Gaber war zuvor Chefentwickler beim Zahlungsanbieter Billie, während Maschio beim Startup-Investor Rocket Internet arbeitete.

Bereits seit 2023 entwickeln sie ihre Technologie im Hintergrund. Einen wichtigen Schub erhielt das Projekt durch die Teilnahme am Programm des Silicon-Valley-Accelerators Y Combinator in San Francisco, der sich ebenfalls an dem Unternehmen beteiligt hat.
Erste Kunden setzen die Technologie bereits ein
Die Software von Diligent AI ist nach Angaben des Unternehmens bereits bei mehreren Finanzinstituten im Einsatz. Dazu zählen unter anderem der US-Zahlungsdienst Flywire, die britische Allica Bank sowie das französische Fintech Alma, das sich auf Ratenzahlungen spezialisiert hat. Trainiert wurde das System laut Unternehmen mit realen Verdachtsfällen aus den Datenbanken dieser Kunden, um möglichst praxisnahe Ergebnisse zu erzielen.
Expansion zwischen Berlin und London
Das frische Kapital soll vor allem in die Weiterentwicklung der Technologie sowie in den Ausbau von Vertrieb und Infrastruktur fließen. Das derzeit elfköpfige Team soll bis zum Jahresende auf rund 21 Mitarbeiter wachsen. Parallel baut das Unternehmen neben seinem Standort in Berlin auch eine Präsenz in London auf. Der Schritt zeigt, wie stark sich der Wettbewerb um Technologien zur Bekämpfung von Finanzkriminalität verschärft – ein Markt, der mit der Digitalisierung des Zahlungsverkehrs rasant wächst.



