Die deutsche Wirtschaft hat das Jahr 2026 mit einem verhaltenen Aufschwung begonnen. Nach den neuesten Berechnungen des Statistischen Bundesamtes ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im vierten Quartal 2025 im Vergleich zum Vorquartal um 0,3 Prozent gestiegen. Diese Revision stellt eine Verbesserung gegenüber der vorherigen Schätzung von 0,2 Prozent dar. Der Aufschwung wurde maßgeblich durch gestiegene private und staatliche Konsumausgaben getragen.
Trotz dieser positiven Entwicklung gelang es Deutschland nur knapp, einer dritten Rezession in Folge zu entkommen, da das BIP im Gesamtjahr 2025 nur um 0,2 Prozent zulegte. In den Jahren zuvor hatte die Bundesrepublik negative Wachstumsraten von minus 0,9 Prozent im Jahr 2023 und minus 0,5 Prozent im Jahr 2024 zu verzeichnen. Diese Zahlen verdeutlichen die Herausforderungen, mit denen Europas größte Volkswirtschaft konfrontiert ist.
Führende Ökonomen teilen ihre Einschätzungen über die aktuellen Entwicklungen. Jörg Krämer von der Commerzbank betont, dass die jüngste Erhöhung des BIP zwar ein positives Signal ist, jedoch nicht ausreicht, um die wirtschaftliche Krise gänzlich zu überwinden. Marc Schattenberg von der Deutschen Bank hebt die Bedeutung eines positiven statistischen Überhangs hervor und sieht die Möglichkeit für ein Wirtschaftswachstum von bis zu 1,5 Prozent im Jahr 2026. Auch Martin Moryson von der DWS erkennt die positiven Impulse durch erhöhte Konsumausgaben, sieht jedoch weiteren Raum für nachhaltiges Wachstum.
Ralf Umlauf von der Helaba schätzt, dass die gegenwärtigen Entwicklungen keine unmittelbaren Auswirkungen auf die Zinserwartungen der Europäischen Zentralbank (EZB) haben werden. Im Gegensatz dazu meint Jens-Oliver Niklasch von der LBBW, dass die jüngsten Zahlen einen Reformbedarf aufzeigen, der für ein anhaltendes Wachstum notwendig sei. Robert Leonhardt von der DZ Bank äußert berechtigte Hoffnungen, dass die Konjunkturpakete die Aussichten für 2026 verbessern könnten, betont jedoch den bestehenden Handlungsbedarf im Bereich der Strukturreformen, insbesondere in den sozialen und bürokratischen Sektoren.
Trotz der jüngsten positiven Entwicklungen bleibt der Ruf nach weitreichenden Reformen zur langfristigen Sicherung des Wirtschaftswachstums bestehen. Die deutsche Wirtschaft steht vor der Herausforderung, die gegenwärtigen Verbesserungen in nachhaltige Dynamik umzuwandeln, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu stärken und zukünftige Krisen abzufedern.