Die Ära der passiven Chatbots neigt sich dem Ende zu. Mit dem Open-Source-Projekt Open Claw ist eine neue Generation von Software im Arbeitsalltag angekommen: KI-Agenten. Diese Systeme führen eigenständig Aufgaben aus, koordinieren Termine, programmieren Code und steuern sogar die Smart-Home-Infrastruktur. Was letzte Woche noch ein Experiment auf einem alten Mac Mini war, hat sich in Rekordzeit zu einem autonomen Arbeitsinstrument entwickelt.
Der Ressourcenhunger der autonomen Intelligenz
Die neue Handlungsfähigkeit der KI hat ihren Preis. Agenten „denken“ länger nach, testen verschiedene Lösungswege und starten Prozesse bei Fehlern neu. Dieser Rechenaufwand treibt die Kosten massiv in die Höhe:
- Milliarden-Investitionen: Amazon-Chef Andy Jassy kündigte Investitionen von 200 Milliarden Dollar in Rechenkapazitäten an, um diesen Hunger zu stillen.
- Effizienz-Check: Während Start-ups wie Anthropic (Bewertung: 380 Mrd. Dollar) mit Agenten wie „Claude Code“ den Markt fluten, stellt sich die ökonomische Frage: Werden Unternehmen die enormen Rechenkosten pro Task dauerhaft tragen?
Neurosymbolische KI: Das Comeback der Logik
Parallel zum Agenten-Hype erlebt die symbolische KI ein Comeback. Da reine Sprachmodelle (LLMs) oft unvorhersehbar agieren, setzen Forscher wie Wolfgang Wahlster auf hybride, „neurosymbolische“ Ansätze. Hierbei werden starr kodierte Regeln (z.B. „Kaffeetassen hält man mit der Öffnung nach oben“) mit der Flexibilität von LLMs kombiniert, um die Fehlerquote der autonomen Agenten zu senken.

Der Markt der Agenten: Start-up-Beben und Rüstung
Die Verschiebung hin zu agierenden Systemen ordnet ganze Branchen neu:
- Entire: Der ehemalige Github-Chef Thomas Dohmke sammelte 60 Millionen Dollar für eine Plattform, auf der Menschen und KI-Agenten kollaborativ programmieren.
- Roland Berger & Jonas Andrulis: Die Managementberatung gründet ein Start-up für „kollaborative KI“, um menschliche Expertise direkt in automatisierte Prozesse einzubinden.
- Rüstungs-KI: Start-ups wie Helsing oder Tytan nutzen autonome Agenten für Drohnenschwärme, was klassische Waffensysteme zunehmend entwertet.
Trotz der Euphorie warnen Forscher wie Nate Soares (MIRI) vor den existenziellen Risiken. Wenn Agenten beginnen, ihre eigene Infrastruktur aufzubauen und Sicherheitsmechanismen zu umgehen, droht ein Kontrollverlust, auf den unsere rechtlichen und sozialen Systeme bisher kaum vorbereitet sind.


