Der Login bleibt hängen, die App lädt endlos, Überweisungen sind unmöglich. Für viele Kundinnen und Kunden der Deutschen Bank und der Postbank begann der Dienstag mit einer digitalen Blockade, die ausgerechnet zum Jahresende kaum ungünstiger hätte kommen können.
Die Störung trifft zwei Marken zugleich
Betroffen waren sowohl das Online- als auch das Mobile Banking von Deutsche Bank und ihrer Tochter Postbank. Nutzer konnten sich weder über den Browser noch über Smartphone-Apps in ihre Konten einloggen. Bereits am Montag hatte es ähnliche Einschränkungen gegeben, die im Laufe des Tages behoben worden waren. Am Dienstag kehrten die Probleme zurück.
Ein Sprecher der Deutschen Bank bestätigte die erneuten Ausfälle und sprach von „Einschränkungen im Online- und Mobile Banking“. Man arbeite mit Hochdruck an der Behebung und bitte um Verständnis. Konkrete Angaben zur Ursache machte das Institut nicht.

Technische Details bleiben im Dunkeln
Dass Banken bei laufenden Störungen zurückhaltend kommunizieren, ist nicht ungewöhnlich. Auffällig ist jedoch, dass es sich nach Angaben aus dem Umfeld der Institute offenbar um dieselben technischen Schwierigkeiten handelt, die bereits am Vortag aufgetreten waren. Das legt nahe, dass die zugrunde liegenden Probleme nicht vollständig behoben wurden.
Meldungsdaten des Störungsportals Allestörungen zufolge begannen die Probleme am Dienstag gegen 10 Uhr vormittags. Die Zahl der Nutzerberichte stieg rasch an. Solche Portale liefern zwar keine technische Diagnose, sie gelten aber als verlässlicher Frühindikator für die Reichweite von IT-Ausfällen.
Der Zeitpunkt verschärft die Wirkung
Kurz vor dem Jahreswechsel sind viele Bankkunden besonders auf funktionierende digitale Kanäle angewiesen. Daueraufträge werden geprüft, Rechnungen beglichen, Kontostände kontrolliert. Fällt das Onlinebanking aus, bleibt oft nur der Gang zur Filiale – für viele längst keine Selbstverständlichkeit mehr.
Gerade die Postbank, die traditionell eine große Zahl privater Kleinkunden bedient, steht hier unter besonderer Beobachtung. Für diese Kundengruppe ist das Onlinebanking nicht Zusatz, sondern zentraler Zugangspunkt zum eigenen Geld.
Alte IT-Strukturen bleiben ein Risiko
Die Deutsche Bank arbeitet seit Jahren an der Modernisierung ihrer IT-Landschaft. Insbesondere die Integration der Postbank gilt als eines der komplexesten Projekte des Konzerns. Unterschiedliche Systeme, historisch gewachsene Strukturen und hohe regulatorische Anforderungen erschweren schnelle Veränderungen.
Jede größere Störung rückt diese Altlasten wieder ins Licht. Auch wenn es sich im Einzelfall um begrenzte technische Probleme handeln mag, bleibt bei Kunden der Eindruck mangelnder Stabilität. Vertrauen, einmal beschädigt, lässt sich im Bankgeschäft nur langsam zurückgewinnen.
Regulierung erhöht den Druck
Hinzu kommt der regulatorische Rahmen. Banken gelten als kritische Infrastruktur. Wiederholte oder länger anhaltende IT-Ausfälle können Aufsichtsbehörden auf den Plan rufen. Mit der zunehmenden Digitalisierung steigt auch die Erwartung, dass Systeme nicht nur sicher, sondern hochverfügbar sind.
Für die Deutsche Bank ist das besonders relevant. Der Konzern positioniert sich international als moderne, technologisch leistungsfähige Großbank. Störungen im Massengeschäft passen schlecht zu diesem Anspruch.

Kommunikation wird zum zweiten Prüfstein
Neben der technischen Behebung entscheidet auch die Kommunikation über den Eindruck, den ein solcher Vorfall hinterlässt. Bisher beschränkten sich die Aussagen auf knappe Bestätigungen und Entschuldigungen. Details zur Ursache oder zur Dauer der Einschränkungen fehlen.
Aus Kundensicht ist genau das problematisch. Wer nicht weiß, ob eine Störung Minuten oder Stunden anhält, kann kaum planen. Transparenz wird in solchen Momenten zur Währung.
Konkurrenz schläft nicht
Der Markt für Privatkunden ist umkämpft. Direktbanken und Fintechs werben mit stabilen Apps, schnellen Prozessen und hoher Verfügbarkeit. Jeder Ausfall bei etablierten Instituten liefert diesen Wettbewerbern Argumente.
Für Deutsche Bank und Postbank geht es daher nicht nur um die Behebung einer akuten Störung, sondern um die Verteidigung ihrer digitalen Glaubwürdigkeit. Wiederholte Probleme nähren Zweifel, ob große Institute ihre IT wirklich im Griff haben.
Ein bekanntes Muster mit offener Rechnung
Dass die Probleme bereits am Montag auftraten und am Dienstag erneut eskalierten, deutet auf ein strukturelles Thema hin. Ob es sich um Serverüberlastung, Softwarefehler oder Probleme bei externen Dienstleistern handelt, bleibt offen.
Klar ist nur: Solange die Ursache nicht transparent benannt und nachhaltig behoben wird, bleibt das Risiko weiterer Ausfälle bestehen. Und jedes Mal steigt der Vertrauensverlust ein Stück weiter.
Der Jahreswechsel rückt näher. Für viele Kunden wäre eine funktionierende Banking-App in diesen Tagen keine Komfortfrage, sondern eine Selbstverständlichkeit.



