07. Januar, 2026

Unternehmen

Novo Nordisk greift zurück – reicht das für die große Wende?

Nach einem Kurssturz von fast 50 Prozent stabilisiert sich die Aktie. Ein Patenturteil in China und der Start der Wegovy-Tablette liefern Argumente – aber keinen Freifahrtschein.

Novo Nordisk greift zurück – reicht das für die große Wende?
Novo Nordisk stabilisiert sich nach 48 % Kursverlust. Patenturteil und neue Wegovy-Tablette geben Hoffnung.

Fast die Hälfte des Börsenwerts ist weg – und plötzlich wirkt die Aktie wieder interessant. Novo Nordisk startet 2026 mit Rückenwind aus zwei Richtungen: juristische Entlastung in China und ein operativer Vorstoß im wichtigsten Pharmamarkt der Welt, den USA. Die Frage ist nicht, ob sich die Aktie stabilisiert hat. Die Frage ist, ob das reicht, um Vertrauen zurückzugewinnen.

Das Patenturteil aus China stoppt den gefährlichsten Abwärtshebel

Der wohl wichtigste Impuls kommt nicht aus dem Labor, sondern aus dem Gerichtssaal. Der Oberste Volksgerichtshof in China hat den Patentschutz für Semaglutid bestätigt. Damit bleibt Novo Nordisks zentraler Wirkstoff vor generischer Konkurrenz geschützt – zumindest vorerst.

Die Bedeutung ist kaum zu überschätzen. Semaglutid ist die Grundlage der umsatzstärksten Produkte des Konzerns, darunter Wegovy und Ozempic. Ein negativer Entscheid hätte den chinesischen Markt für Nachahmer geöffnet und die Margenstruktur fundamental beschädigt. Stattdessen bleibt der Burggraben intakt. Für Investoren ist das kein Wachstumsbeschleuniger, aber eine Versicherung gegen das Worst-Case-Szenario.

Die Wegovy-Tablette ist mehr als nur eine neue Darreichungsform

Operativ geht Novo Nordisk in die Offensive. Nach der FDA-Zulassung Ende 2025 startet nun der Verkauf der oralen Version von Wegovy in den USA. Der strategische Kern ist klar: weniger Hürde, mehr Reichweite.

Die Tablette ersetzt die regelmäßige Injektion – ein psychologischer und praktischer Vorteil in einem Massenmarkt. Klinische Daten zeigen einen durchschnittlichen Gewichtsverlust von rund 16,6 Prozent. Damit positioniert sich Novo Nordisk frühzeitig in einem Segment, das deutlich breiter ist als der klassische Injektionsmarkt.

Der Preis von rund 149 US-Dollar pro Monat ist aggressiv kalkuliert. Das Ziel ist nicht maximale Marge, sondern schnelle Marktdurchdringung. Novo verschafft sich damit einen Vorsprung von schätzungsweise zwei bis drei Monaten, bevor vergleichbare orale Präparate der Konkurrenz erwartet werden.

Die Bewertung signalisiert Skepsis, nicht Euphorie

Der Markt bleibt vorsichtig – und das spiegelt sich im Kurs. Nach einem Verlust von rund 48 Prozent innerhalb von zwölf Monaten notiert die Aktie um die 44 Euro. Bewertungsseitig ist Novo Nordisk damit deutlich zurückgefallen.

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt bei etwa 14 und damit klar unter dem eigenen historischen Schnitt sowie unter dem Branchendurchschnitt. Der Markt preist keine Wachstumsfantasie ein, sondern Risiken: Wettbewerbsdruck, Preisdiskussionen, politische Eingriffe im US-Gesundheitssystem.

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Für antizyklische Anleger ist genau das der Reiz. Für Momentum-Investoren ist es ein Warnsignal.

Der Wettbewerb mit Eli Lilly verschärft jede Prognose

Die eigentliche Bewährungsprobe kommt nicht aus China, sondern aus den USA. Eli Lilly hat mit Zepbound zuletzt deutlich schneller skaliert. Während Novo Nordisk im dritten Quartal 2025 ein Umsatzwachstum von rund 12 Prozent verzeichnete, legte Zepbound um mehr als 180 Prozent zu.

Diese Dynamik erklärt einen Teil des Kurssturzes. Novo Nordisk ist nicht gescheitert, aber relativ langsamer geworden. Die orale Wegovy-Version ist der Versuch, diesen Trend zu drehen – mit Geschwindigkeit statt Patentschutz.

Ob das gelingt, entscheidet sich nicht in Studien, sondern in den Verkaufszahlen der nächsten Quartale. Der Markt wird wenig Geduld haben.

Die Aktie steht an einem glaubwürdigen, aber schmalen Wendepunkt

Die Kombination aus geklärter Patentlage, neuem Produkt und historisch niedriger Bewertung schafft eine Basis. Mehr nicht. Eine nachhaltige Trendwende setzt voraus, dass die orale Wegovy-Tablette rasch messbare Umsätze liefert und Marktanteile zurückholt.

Novo Nordisk hat sich Zeit gekauft – juristisch wie strategisch. Doch Zeit allein ist kein Wachstumstreiber. Der Kurs hat aufgehört zu fallen. Ob er wieder steigt, entscheidet sich jetzt.

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