Die Entwicklung der Aktie von Nike ist ein Trauerspiel. Seit dem Hoch im Jahr 2021 geht es immer weiter bergab bei dem Titel. Jüngster Tiefpunkt vor wenigen Tagen: bei 42,36 Dollar. Und die Aussichten sind weiter bescheiden, meint zumindest das Analysehaus Piper Sandler. Trotz des deutlichen Rückgangs sei die Aktie weiter ambitioniert bewertet.
Die Analysten von Piper Sandler stuften das Papier deswegen von „Overweight" auf „Neutral" ab und senkten das Kursziel von 60 auf 50 Dollar. Das ist eine klare Ansage: Wer jetzt noch auf Nike setzt, wettet gegen den Trend. Und der Trend ist brutal.
Seit Jahresbeginn minus 30 Prozent – Ende März weitere 15 Prozent Absturz
Seit Jahresbeginn hat der Titel mehr als 30 Prozent an Wert verloren. Belastet wird die Entwicklung vor allem durch die Erwartung einer nachlassenden Umsatzdynamik in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld. Ende des vergangenen Monats sorgte ein enttäuschender Ausblick für einen weiteren Kursrutsch von 15 Prozent – eine nachhaltige Erholung blieb bislang aus.
30 Prozent Verlust in drei Monaten – das ist kein Kursrutsch, das ist ein Absturz. Wer Anfang des Jahres kaufte, verliert ein Drittel. Wer seit 2021 hält, sitzt auf noch massiveren Verlusten. Nike war einst die unangefochtene Nummer eins im Sportartikelmarkt. Heute ist es ein schwächelnder Riese, der von kleineren, agileren Konkurrenten überholt wird.
Bewertung mit 22-fachem Gewinn weiter hoch – trotz Kursrutsch
Aus Sicht von Piper Sandler ist die Bewertung weiterhin hoch: Selbst nach der Korrektur wird die Aktie mit dem 22-Fachen des erwarteten Gewinns gehandelt. Gleichzeitig fehlen kurzfristige Impulse. Ein Investorentag ist erst in der zweiten Jahreshälfte 2026 geplant.

Das ist das eigentliche Problem. Nike ist trotz des Absturzes nicht günstig. Ein KGV von 22 ist für ein Unternehmen, das schrumpft, zu hoch. Zum Vergleich: Der S&P 500 handelt im Schnitt bei einem KGV von 18 – und wächst. Nike schrumpft – und ist teurer bewertet als der Markt. Das passt nicht.
Umsatzrückgang von zwei bis vier Prozent erwartet – Strategie greift nicht
Für das laufende Quartal stellt Nike einen Umsatzrückgang von zwei bis vier Prozent in Aussicht – deutlich schwächer als die zuvor erwartete leichte Steigerung. Als Grund nennt das Unternehmen unter anderem die Neuausrichtung der Strategie, deren Effekte langsamer greifen als erhofft.
Die Neuausrichtung der Strategie ist eine Umschreibung für: Wir haben keine Ahnung, wie wir wieder wachsen sollen. Nike versucht seit Jahren, sich neu zu erfinden – Direct-to-Consumer, Digitalisierung, Nachhaltigkeitsmarke. Doch nichts funktioniert. Der Umsatz schrumpft, die Margen erodieren, die Konkurrenz überholt.
Athleisure-Markt gesättigt – neue Anbieter gewinnen Marktanteile
Zusätzlich nimmt der Wettbewerbsdruck in wichtigen Segmenten zu. Besonders im Bereich Athleisure sehen die Analysten eine zunehmende Marktsättigung. Viele Marken ähneln sich, während neue Anbieter Marktanteile gewinnen.
Das ist der Kern des Problems. Athleisure – die Verbindung von Sport und Lifestyle – war Nikes Wachstumsmotor. Jetzt ist der Markt gesättigt. On, Lululemon, Allbirds – alle klauen Nike Marktanteile. Sie sind cooler, jünger, agiler. Nike ist alt, langsam, träge. Die Swoosh-Marke ist nicht mehr das, was sie war.
22 von 42 Analysten raten zum Kauf – doch die Mehrheit ist vorsichtig
Dennoch bleibt die Mehrheit der Analysten optimistisch: 22 der 42 von Bloomberg befragten Analysten raten bei der Aktie von Nike zum Kauf. Das bedeutet aber auch: 20 von 42 raten nicht zum Kauf. Die Analysten sind gespalten. Einige glauben an die Trendwende, andere nicht. Die Börse hat entschieden: Sie glaubt nicht daran.
Heute minus 3,3 Prozent – schwächster Wert im Dow Jones
Bei Nike ist derzeit keine Trendwende in Sicht. Heute gehört die Aktie mit einem Minus von 3,3 Prozent zu den beiden schwächsten Werten des Tages im Dow Jones. Solange sich fundamental nichts ändert, wird die Aktie weiter fallen. Die Frage ist nicht, ob sie fällt. Die Frage ist, wie weit.
