10. März, 2026

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Neuer Ölschock droht – Warum jetzt die Alles-Krise über uns hereinbricht

Die Geschichte von 1973 lehrt uns eine brutale Lektion: Ein Angriff auf den Iran könnte Weltwirtschaft, Allianzen und unseren Alltag schneller zerstören, als wir denken.

Neuer Ölschock droht – Warum jetzt die Alles-Krise über uns hereinbricht
Steigende Ölpreise, zerbrechende Allianzen und Inflation: Warum der neue Nahost-Konflikt zur totalen Wirtschaftskatastrophe führen kann.

Die Geschichte wiederholt sich als wirtschaftliche Tragödie

Im Oktober 1973 stand US-Präsident Richard Nixon vor einem Scherbenhaufen: Eine Erschwinglichkeitskrise, steigende Inflation und der Druck auf die Federal Reserve hatten die Wirtschaft bereits geschwächt, als der Jom-Kippur-Krieg ausbrach. Das darauffolgende Ölembargo arabischer Produzenten verwandelte eine Energiekrise in eine globale Katastrophe.

Heute sehen wir erschreckende Parallelen. Mit den aktuellen Spannungen und dem Angriff der USA und Israels auf den Iran droht ein ähnliches Szenario. Wir müssen uns dringend an die Lektionen von 1973 erinnern: Was als Frage der Ölversorgung beginnt, kann die geopolitische Landkarte dauerhaft neu zeichnen.

„Eine Energiekrise kann sich schneller zu einer unvorhersehbaren ‚Alles-Krise‘ ausweiten, als Regierungen sie bewältigen können“, warnt der Autor Philip Delves Broughton in seiner Analyse.

Zerbrechende Allianzen isolieren Europa in einer gefährlichen neuen Weltordnung

Bereits 1973 sahen sich aufstrebende Wirtschaftsmächte wie Westdeutschland und Japan dem Verdacht ausgesetzt, die USA hätten die Krise inszeniert, um Konkurrenten zu bremsen. Ähnliche Vermutungen könnten heute in China aufkommen, das zwar stark auf Kohle setzt, aber für 6 Prozent seiner Energieimporte auf Öltransporte durch die Straße von Hormus angewiesen ist.

Iran-Angriffe: Wird Dubai zum Risiko für Investoren?
Erstmals schlagen Drohnen und Raketen in Dubai ein. Der Konflikt mit dem Iran trifft das Emirat ins Mark – denn Sicherheit ist das wichtigste Kapital der Wirtschaftsmetropole der Vereinigte Arabische Emirate.

Für Europa wird die Luft dünn. Die transatlantische Allianz wird durch Forderungen der Trump-Administration nach höheren Verteidigungsausgaben und Unterstützung im Iran-Konflikt auf die Probe gestellt. Länder wie Spanien wurden bereits als „unkollaborativ“ gebrandmarkt, weil sie den Zugang zu Militärbasen verweigerten.

Selbst wenn der Nahe Osten nur 5 Prozent der europäischen Rohölimporte ausmacht, wird ein allgemeiner Preisanstieg die ohnehin mit Rekordschulden kämpfenden Volkswirtschaften hart treffen. Europa steht erneut vor der Wahl zwischen Bündnistreue und Energiesicherheit.

Die Psychologie der Knappheit zerstört Märkte nachhaltiger als der Mangel selbst

Das prägende Bild der Krise von 1973 waren lange Schlangen an Tankstellen. Diese Panik erzeugte eine Psychologie des Mangels, die weit über die tatsächliche Verfügbarkeit hinausging. Menschen horteten Treibstoff, Tankstellenbesitzer wurden bedroht, und die Regierung musste Rationierungen einführen.

Heute riskieren wir ähnliche Panikreaktionen. Die Volatilität der Märkte führt dazu, dass persönliche und unternehmerische Vermögen über Nacht vernichtet werden können. Gewohnheiten ändern sich abrupt: In den USA blieb das 1974 eingeführte Tempolimit von 55 Meilen pro Stunde über zwei Jahrzehnte in Kraft.

„Kohle und Öl werden bald erschöpft sein [...] Aber eine hypereffiziente Solarzelle? Nun, das könnte die Energiekrise lösen“, ließ das Drehbuch von James Bond schon 1974 den Agenten analysieren.

Die Autoindustrie steuert blind in die nächste strategische Sackgasse

In den 1970er Jahren erzwang der hohe Gaspreis einen Wandel hin zu kleineren, effizienteren Fahrzeugen. Amerikanische „Benzinschlucker“ wurden durch Modelle von Honda und Volkswagen ersetzt. Der Markt verlangte Civics und Golfs, keine Buick Rivieras.

Aktuell erleben wir jedoch eine paradoxe Kehrtwende: Große Autohersteller fahren ihre Investitionen in Elektrofahrzeuge zurück. Diese Entscheidung könnte sich als fataler Fehler erweisen, sollten die Benzinpreise durch den Konflikt dauerhaft steigen. Der Krieg erinnert uns schmerzhaft an die Anfälligkeit fossiler Lieferketten und wird den Trend zu Alternativen zwangsläufig beschleunigen.

Politische Opportunisten nutzen das Chaos für radikale Deregulierung

Krisen sind der Nährboden für politische Ausbeutung. 1973 nutzte der US-Kongress die Panik, um Umweltauflagen für die Alaska-Pipeline im Eiltempo zu kippen. Ähnliches droht heute: Die Krise könnte als Vorwand dienen, um Bundesländer und Gewässer massiv für Bohrungen freizugeben.

Nationale Sicherheitsargumente werden nun pauschal auf wirtschaftliche Entscheidungen angewandt. Dies stärkt jene Stimmen, die eine Rückverlagerung der Produktion in die USA fordern, ungeachtet der ökologischen oder langfristigen ökonomischen Kosten.

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