26. Januar, 2026

Wirtschaft

Nagel rügt Trumps Eingreifen in die Autonomie des Notenbankchefs

Joachim Nagel, der Präsident der Deutschen Bundesbank, hat sein tiefes Bedauern und seine Besorgnis über das Verhalten der US-Regierung gegenüber Jerome Powell, dem Vorsitzenden der Federal Reserve, zum Ausdruck gebracht. In einem Interview mit dem 'Tagesspiegel' kritisierte Nagel das Vorgehen der US-Regierung scharf und bezeichnete den politischen Druck, dem Powell ausgesetzt ist, als inakzeptabel.

Nagel wies darauf hin, dass es ironisch sei, dass ausgerechnet die USA Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg die Wichtigkeit unabhängiger Zentralbanken lehrten und entscheidend zur Gründung der Deutschen Bundesbank beitrugen. Angesichts dieser historischen Tatsachen erscheint die aktuelle Einflussnahme als widersprüchlich und irritierend.

In den vergangenen Monaten hat US-Präsident Donald Trump wiederholt starken Druck auf Powell ausgeübt, indem er eine auffällige Kombination aus öffentlicher Kritik, persönlichen Angriffen und rechtlichen Drohungen nutzte. Dieser beispiellose Druck wird von vielen als Versuch angesehen, die Federal Reserve zu Zinssenkungen zu bewegen, die Trumps eigene wirtschaftspolitische Zielsetzungen unterstützen würden.

Eine zusätzliche Kontroverse wird durch die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Washingtons gegen Powell hervorgerufen. Diese beziehen sich auf die kostspielige Renovierung des Notenbank-Gebäudes und tragen zur ohnehin schon gespannten Situation bei. Kritiker der Administration sehen darin einen weiteren Versuch, die Unabhängigkeit der Federal Reserve zu kompromittieren und die Institution politisch zu instrumentalisieren.

Nagel schloss seine Ausführungen mit einem persönlichen Lob für Powell ab, den er aufgrund seiner fachlichen Kompetenz und Integrität in der amerikanischen Geldpolitik schätze. Die verantwortlichen Notenbanker, so Nagel, agieren derzeit mit Bedacht, um mögliche Risiken wie eine erneute Inflationswelle zu vermeiden. Diese umsichtige Herangehensweise sei zentral, um langfristig ein stabiles wirtschaftliches Umfeld sicherzustellen.