Die Einschläge kommen näher und die Frequenz erhöht sich dramatisch. Nach der Insolvenz des Hemdenherstellers Eterna und Problemen bei Wormland hat es nun Sympatex erwischt. Der Membran-Spezialist für Outdoor-Bekleidung ist zahlungsunfähig, 70 Mitarbeiter bangen um ihre Jobs.
Dies ist jedoch nur der Vorbote einer fundamentalen Krise. Die deutsche Modebranche leidet unter einer toxischen Mischung aus explodierenden Beschaffungskosten, unprofitablen Online-Kanälen und einem veränderten Konsumverhalten. Die Margen schmelzen dahin.
„Die Zahlen sind unmissverständlich. Händler und Hersteller geraten durch steigende Insolvenzen, sinkende Margen und fragile Lieferketten in wirtschaftliche Schwierigkeiten.“
So analysieren die Experten des Beratungsunternehmens Alvarez und Marsal die aktuelle Lage. Investoren verlieren zunehmend das Vertrauen.

KI-Daten prognostizieren einen historischen Nachfrageeinbruch für das Jahr 2026
Wer auf Besserung hofft, wird enttäuscht. Der KI-Anbieter Hase & Igel hat mittels seines Systems Neutrum.AI das Suchverhalten in 35 Konsum-Kategorien analysiert. Das Ergebnis ist verheerend: Die Algorithmen sagen für die Modebranche einen weiteren, deutlichen Rückgang voraus.
Besonders betroffen ist die Damenbekleidung. Die Suchanfragen sind seit 2022 bereits um 60 Prozent eingebrochen. Für das erste Halbjahr 2026 prognostiziert die KI einen weiteren Nachfragerückgang von 34 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Auch bei Herrenbekleidung halbierten sich die Anfragen zuletzt.
„Der Absturz der Modebranche im deutschen Markt ist dramatisch und so ohne Beispiel. Angesichts des fortgesetzten Nachfragerückgangs stellt sich ernsthaft die Frage nach der Zukunftsfähigkeit von Modelabels.“
Dies betont Jan Schoenmakers, Geschäftsführer von Hase & Igel. Interessant ist hierbei ein Nord-Süd-Gefälle: Im Süden ist der Mode-Fokus höher, die Verluste sind dort jedoch genauso brutal wie im Norden.
Der E-Bike-Boom ist definitiv vorbei und fordert massiven Stellenabbau
Der Fahrradmarkt, einstiger Corona-Gewinner, erlebt eine harte Landung. Nachdem der Umsatz zwischen 2020 und 2022 auf 21,1 Milliarden Euro hochschnellte, sind die Lager nun voll und die Kaufkraft der Kunden erschöpft.
Die Konsequenzen sind realwirtschaftlich spürbar: Der Koblenzer Hersteller Canyon plant, jede vierte Stelle in Deutschland zu streichen. Auch beim Leasinganbieter Jobrad soll ein Fünftel der Belegschaft gehen.
Die Daten von Hase & Igel bestätigen den Abwärtstrend: Die Suchanfragen sinken seit 2022 kontinuierlich. Für das erste Halbjahr 2026 wird ein weiteres Minus von fünf Prozent erwartet, was den Konsolidierungsdruck auf Hersteller drastisch erhöht.

Möbelhändler leiden massiv unter der anhaltenden Baukrise
Parallel zur Mode crasht die Möbelbranche. In den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres verzeichnete die Industrie bereits ein Umsatzminus von 4,3 Prozent auf 11,7 Milliarden Euro. Der Grund ist strukturell: Fehlender Wohnungsbau bedeutet weniger Bedarf an Küchen und Schränken.
„Die Konsumzurückhaltung, die hohe Sparneigung und der rückläufige Wohnungsbau wirken sich weiterhin negativ auf unsere Branche aus.“
Das erklärte Jan Kurth, Geschäftsführer der Verbände der Deutschen Möbelindustrie (VDM/VHK). Eine Erholung ist laut Prognosen erst für 2027 in Sicht, wenn sich die Zahl der Baufertigstellungen stabilisiert. Bis Juni sagen die KI-Daten einen weiteren Nachfragerückgang von neun Prozent voraus.
Auch bei Reisen und Lieferdiensten sitzt das Geld nicht mehr locker
Der Sparzwang erreicht nun auch Segmente, die lange als resilient galten. Die Nachfrage nach Pauschalreisen ist laut Hase & Igel seit zwei Jahren im Sinkflug (-27 Prozent). Selbst Discounter-Reisen werden gemieden.
„Der Nachfragetrend ist klar gebrochen, der Absatz wird weiter sinken.“
So lautet die düstere Prognose von Jan Schoenmakers. Ähnlich sieht es bei Lieferdiensten aus: Anbieter wie Lieferando verzeichnen Suchrückgänge von rund 30 Prozent. Die Kunden kochen wieder selbst, um Geld zu sparen.
Einziger Lichtblick in den Daten: Für das erste Halbjahr 2026 deutet sich eine minimale Nachfragesteigerung von zwei Prozent über alle Branchen hinweg an – getrieben vor allem durch Kultur, Gastronomie und Gesundheitsdienstleistungen.

