Ein Deal mit Signalwirkung
Die Kaffee- und Getränkebranche erlebt eine der größten Transaktionen der vergangenen Jahre: Keurig Dr Pepper (KDP), bekannt für Marken wie 7up, Dr Pepper und Green Mountain Coffee, will den niederländischen Jacobs-Hersteller JDE Peet’s schlucken.
Der Preis: 15,7 Milliarden Euro. Die Nachricht sorgte am Montag für einen Kursfeuerwerk in Amsterdam – die Aktie des Kaffeekonzerns sprang um fast 18 Prozent auf ein Drei-Jahres-Hoch von 31,26 Euro.
Aufspaltung nach der Fusion
Doch mit einer klassischen Übernahme ist es nicht getan. Das neue Konstrukt soll in zwei eigenständige Gesellschaften aufgespalten werden: Das Softdrink-Geschäft bleibt unter der Führung von Keurig-Chef Tim Cofer, während Finanzvorstand Sudhanshu Priyadarshi die Leitung der Kaffeesparte übernimmt.
Damit deutet sich ein klarer Strategiewechsel an – die beiden Standbeine sollen künftig separat am Markt agieren, möglicherweise mit dem Ziel einer späteren Börsennotierung der Kaffeesparte.
Die stille Macht der Familie Reimann
Im Hintergrund zieht eine deutsche Unternehmerdynastie die Fäden: die Milliardärsfamilie Reimann. Über ihre Beteiligungsgesellschaft JAB ist sie einer der größten Anteilseigner sowohl bei Keurig Dr Pepper als auch bei JDE Peet’s.
Seit Jahren bauen die Reimanns ihren globalen Einfluss in der Konsumgüterbranche aus – von Coty-Parfum über Panera Bread bis hin zu Kaffee-Marken wie Jacobs, Tassimo oder Douwe Egberts. Der jetzige Deal zeigt einmal mehr, wie geschickt die Familie ihre Macht in der Branche bündelt.

Strategische Wette auf Kaffee
Dass KDP sich gerade JDE Peet’s einverleiben will, ist kein Zufall. Kaffee gilt trotz Rezession und Preisdruck als Wachstumssegment mit stabiler Nachfrage. Jacobs ist eine der traditionsreichsten Marken Europas, in Asien und Lateinamerika expandiert Peet’s stark.
Für Keurig Dr Pepper bedeutet die Übernahme den Ausbau seiner globalen Kaffeepräsenz – und eine stärkere Position gegenüber Rivalen wie Nestlé oder Starbucks.
Börsianer jubeln – aber Risiken bleiben
An der Börse wurde die Nachricht gefeiert: Die 18 Prozent Kursplus bei JDE sind der größte Tagesgewinn in der Geschichte des Unternehmens. Doch die Euphorie könnte trügerisch sein.
Die Integration zweier Konzerne mit völlig unterschiedlichen Strukturen ist komplex. Zudem bedeutet die Aufspaltung, dass die versprochenen Synergien nicht in einer klassischen Fusion realisiert werden, sondern eher in einer Neuausrichtung.
Auch bleibt offen, ob die Kartellbehörden grünes Licht geben – gerade im europäischen Kaffeemarkt, wo die Reimann-Gruppe bereits eine dominierende Rolle spielt.
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