Es ist ein Deal der Superlative, der die Machtverhältnisse im Silicon Valley zementieren soll. Nach monatelangen Spekulationen und Gerüchten über eine angebliche Verstimmung zwischen den beiden KI-Schwergewichten scheint der Durchbruch nun greifbar.
Nvidia-Chef Jensen Huang, der Berichte über eingefrorene Verhandlungen zuletzt als „kompletten Unsinn“ abtat, bereitet laut Insidern die größte Einzelinvestition in der Geschichte seines Unternehmens vor. Die 20-Milliarden-Dollar-Spritze ist Teil einer gewaltigen Kapitalerhöhung, bei der OpenAI insgesamt bis zu 100 Milliarden Dollar einsammeln will.
Damit entsteht ein finanzielles Bollwerk, das in der Geschichte der Technologiebranche seinesgleichen sucht. Es ist eine strategische Allianz, bei der das Kapital von Nvidia im Grunde direkt wieder in die eigenen Taschen fließen dürfte – in Form von Aufträgen für die begehrten H100- und Blackwell-Chips.
Die Allianz der Giganten trotzt internen Spannungen
Hinter den Kulissen scheint es zuletzt ordentlich geknallt zu haben. Berichte über Unzufriedenheit bei OpenAI hinsichtlich der Performance neuester Nvidia-Chips machten die Runde, während Nvidia-Manager intern die Geschäftsdisziplin von Sam Altman hinterfragt haben sollen.
Doch die Realität des KI-Rennens lässt keinen Platz für Eitelkeiten. OpenAI benötigt die Rechenleistung von Nvidia, um die nächste Generation seiner Sprachmodelle zu trainieren, und Nvidia braucht OpenAI als Schaufenster für seine technologische Dominanz.
Sam Altman bezeichnete die Chips aus Santa Clara jüngst wieder als „die besten der Welt“. Es ist ein öffentlicher Schulterschluss, der vor allem eines signalisieren soll: Die Partnerschaft steht auf einem soliden Fundament, koste es, was es wolle.

Ein Wettrüsten um die Vorherrschaft bei der Infrastruktur
Der aktuelle Deal ist nur die Spitze eines gigantischen Eisbergs. Ursprüngliche Pläne sahen vor, dass Nvidia über Jahre hinweg bis zu 100 Milliarden Dollar investiert, um eine globale Infrastruktur mit einer Rechenleistung von zehn Gigawatt aufzubauen.
Dieses Mammutprojekt, das den Energieverbrauch ganzer Metropolen verschlingen würde, bleibt das langfristige Ziel. Die nun im Raum stehenden 20 Milliarden Dollar sind der erste verbindliche Baustein in diesem Poker.
Neben Nvidia buhlen auch Schwergewichte wie Amazon und SoftBank um die Gunst von OpenAI. Während Amazon über Investments von bis zu 50 Milliarden Dollar verhandelt, bringt sich SoftBank mit 30 Milliarden Dollar in Stellung. Es herrscht Goldgräberstimmung, bei der die Bewertung von 830 Milliarden Dollar fast schon wie ein Einstiegspreis wirkt.
Die strategische Zwickmühle der Halbleiterindustrie
Für Nvidia ist das Investment ein riskanter Balanceakt. Einerseits bindet man den wichtigsten Abnehmer langfristig an die eigene Architektur, andererseits befeuert man damit ein Unternehmen, das zunehmend Ambitionen zeigt, eigene Chips zu entwickeln.
OpenAI sucht seit längerem nach Alternativen, um die Abhängigkeit von Nvidias Preispolitik zu verringern. Doch solange die Konkurrenz von AMD oder Intel nicht gleichzieht, bleibt Altman keine Wahl.
Jensen Huang wiederum nutzt sein Kapital als strategisches Instrument, um potenzielle Wettbewerber gar nicht erst zum Zug kommen zu lassen. Wer 20 Milliarden Dollar am Tisch liegen hat, sichert sich nicht nur Anteile, sondern auch Mitspracherechte bei der künftigen Hardware-Strategie des weltweit führenden KI-Startups.
Der Weg zum Börsengang wird geebnet
Das massive Funding gilt in Analystenkreisen als letzte große private Finanzierungsrunde vor einem möglichen Börsengang. OpenAI wandelt sich derzeit von einer gemeinnützigen Forschungsorganisation zu einem profitorientierten Tech-Konzern.
Jensen Huang bestätigte bereits, dass Nvidia auch bei einem späteren IPO als Ankerinvestor zur Verfügung stünde. Die aktuelle Bewertung von 830 Milliarden Dollar würde OpenAI aus dem Stand in die Top-Riege der wertvollsten Unternehmen der Welt katapultieren.
In einer Welt, in der Rechenleistung zur neuen Weltwährung geworden ist, ist dieser Deal das ultimative Statement: Wer die Chips und die Algorithmen kontrolliert, kontrolliert die Zukunft. Der Milliarden-Poker in San Francisco ist damit offiziell eröffnet.


