23. Februar, 2026

Märkte

Milliarden-Debakel bei Blue Owl: Droht der Private-Credit-Todesstoß für den Finanzmarkt?

Der Branchenriese Blue Owl muss 1,4 Milliarden Dollar liquidieren, um flüchtende Anleger auszuzahlen. Während Kurse von Schwergewichten wie Blackstone und Apollo einbrechen, stellt sich die Systemfrage: Erleben wir gerade den Lehman-Moment 2.0?

Milliarden-Debakel bei Blue Owl: Droht der Private-Credit-Todesstoß für den Finanzmarkt?
Kurssturz bei Blue Owl sorgt für Panik am Markt für Private Credit. 1,4 Milliarden Dollar Liquidation schüren Ängste vor einer neuen Finanzkrise.

Was als vertrauensbildende Maßnahme geplant war – die Auszahlung von 1,4 Milliarden Dollar an Investoren –, entpuppte sich am Donnerstag als Brandbeschleuniger für eine neue Vertrauenskrise.

Die Nachricht, dass Blue Owl massiv Vermögenswerte zu Geld machen muss, um die Rücknahmewünsche bedient zu bekommen, schickte die Aktie zeitweise um zehn Prozent in den Keller. Es ist ein Alarmsignal, das weit über ein einzelnes Haus hinausstrahlt und den Kern eines zwei Billionen Dollar schweren Marktes trifft, der jahrelang als unantastbar galt.

Der Kanarienvogel in der Kohlengrube pfeift das Ende der Goldgräberstimmung ein

Die Nervosität der Märkte lässt sich an einem prominenten Vergleich festmachen. Der renommierte Ökonom Mohamed El-Erian stellte auf dem Kurznachrichtendienst X die rhetorische, aber hochbrisante Frage: „Ist das ein ‚Kanarienvogel-in-der-Kohlengrube‘-Moment, ähnlich zum August 2007?“ Er zog damit eine direkte Parallele zu jenen frühen Warnsignalen, die der globalen Finanzkrise von 2008 vorausgingen. Auch wenn das Ausmaß noch nicht vergleichbar scheint, ist die Symbolik verheerend.

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Blue Owl versucht verzweifelt, das Narrativ zu kontrollieren. „Wir stellen die Rücknahmen nicht ein, wir ändern lediglich die Methode, mit der wir die Rücknahmen anbieten“, so der Co-Chef des Unternehmens, Craig Packer, in einer Telefonkonferenz mit Analysten. Doch die Entscheidung, den permanenten Stopp von Rücknahmen für einen speziellen Fonds zu verkünden und stattdessen eine Quotenregelung über Kreditverkäufe einzuführen, wirkt auf viele Beobachter wie ein verzweifeltes Mauern. Wenn die Tore einmal geschlossen werden, riecht der Markt meist Lunte.

Die KI-Revolution wird für Private-Debt-Fonds zum unvorhersehbaren Vernichtungsschlag

Ein tiefer liegendes Problem für die gesamte Branche ist die technologische Disruption. Rund 20 Prozent der Private-Credit-Portfolios bestehen aus Softwareunternehmen, die in den Boomjahren 2020 und 2021 mit billigem Kapital finanziert wurden. Doch die rasanten Fortschritte bei Künstlicher Intelligenz, befeuert durch neue Tools von Anbietern wie Anthropic, machen viele dieser Geschäftsmodelle über Nacht obsolet. Was gestern noch als sicheres Investment galt, droht heute zum wertlosen Software-Schrott zu mutieren.

Besonders pikant ist die Situation bei spezialisierten Vehikeln. Während Blue-Owl-Co-Chef Marc Lipschultz betont, dass das Softwareportfolio insgesamt nur acht Prozent des verwalteten Vermögens ausmache, sieht die Realität in einzelnen Produkten anders aus. Im Blue Owl Technology Income Corp. machen Softwarefirmen stolze 46 Prozent des Portfolios aus. Sollten diese Firmen durch KI-Innovationen wertlos werden, stünde eine massive Neubewertung an, die das Eigenkapital der Fonds wie Schnee in der Sonne schmelzen ließe.

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Das Gating-Dilemma sperrt Investoren in einer Abwärtsspirale aus Angst und Illiquidität ein

Die Architektur der Private-Credit-Fonds rächt sich nun in der Stressphase. Viele Anleger, darunter zunehmend vermögende Privatpersonen, suchten in sogenannten semiliquiden Fonds (Business Development Companies, BDCs) nach Flexibilität. Doch diese Flexibilität ist eine Illusion, wenn alle gleichzeitig zum Ausgang drängen. Um einen klassischen „Run“ zu verhindern, nutzen Manager das „Gating“ – sie riegeln den Fonds ab, sobald die Rücknahmen ein kritisches Limit überschreiten.

Blue Owl versuchte zuletzt, den Druck im Kessel durch eine Erhöhung der Rücknahmequote von fünf auf 17 Prozent zu senken, um Panik zu vermeiden. Doch dieser Schritt bewirkte das Gegenteil: Er signalisierte dem Markt, wie groß der Abzugsdruck tatsächlich ist. Ein gescheiterter Plan vom November, einen semiliquiden Fonds mit einem börsennotierten zu fusionieren, was für Anleger einen Verlust von 20 Prozent bedeutet hätte, lastet zudem schwer auf der Glaubwürdigkeit des Managements.

Der Markt für private Unternehmenskredite steht vor seinem Moment der Wahrheit. Es geht nicht mehr nur um Rendite, sondern um das nackte Überleben der Strukturen, die als sicherere Alternative zum Bankensystem verkauft wurden. Wenn die Liquidität versiegt und die Bewertung der zugrunde liegenden Firmen durch KI-Innovationen erodiert, könnte aus dem Private-Credit-Boom sehr schnell ein systemisches Beben werden, das die gesamte Wall Street in den Abgrund reißt.

Die Zeit der Intransparenz und der geschönten Bewertungen in den Büchern der Schattenbanken neigt sich dem Ende zu – die Abrechnung hat gerade erst begonnen.

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