Es war der Paukenschlag des letzten Jahres: Im September 2025 kündigten Nvidia und OpenAI eine strategische Allianz an, die alles bisher Dagewesene in den Schatten stellen sollte. 100 Milliarden Dollar wollte Jensen Huang in den ChatGPT-Macher investieren, um den Aufbau von 10 Gigawatt Rechenleistung zu finanzieren – genug Power, um die nächste Stufe der Superintelligenz zu zünden. Doch am 31. Januar 2026 berichtet das Wall Street Journal, dass der Megadeal ins Stocken geraten ist.
Was als „historischster Rechenprozess der Geschichte“ gefeiert wurde, entpuppt sich nun als juristische Nebelkerze. Huang betont intern inzwischen immer häufiger, dass die Vereinbarung rechtlich nicht bindend war. Hinter den Kulissen brodelt es: Der Nvidia-Chef kritisiert offen eine „mangelnde Disziplin“ im Geschäftsmodell von OpenAI. Der Vorwurf: Sam Altman verkaufe Visionen, bevor die operative Basis steht.
Die Angst vor dem „Netscape-Moment“
Nvidia zweifelt nicht an der Technologie, wohl aber an der Marktführerschaft. Während OpenAI massiv Geld verbrennt – für 2026 werden Verluste von 14 Milliarden Dollar prognostiziert –, holt die Konkurrenz in Siebenmeilenstiefeln auf. Anthropic punktet im B2B-Bereich, Google hat mit Gemini den Anschluss gefunden, und DeepSeek zeigt, dass man Spitzen-KI auch mit einem Bruchteil des Kapitals trainieren kann.

Für Nvidia ist das ein strategisches Dilemma. 100 Milliarden Dollar in einen einzigen Kunden zu stecken, dessen Dominanz bröckelt, wirkt plötzlich wie ein unkalkulierbares Klumpenrisiko. Zudem trainiert Nvidia längst eigene Modelle und schlüpft so immer mehr in die Rolle des Konkurrenten für die eigenen Chip-Abnehmer. Die einstige Symbiose weicht einer kühlen Kosten-Nutzen-Rechnung.
Amazon und Softbank lauern in der Gasse
Während Nvidia zaudert, bringen sich andere Player in Stellung. Amazon verhandelt laut Branchenberichten über eine Investition von bis zu 50 Milliarden Dollar. Auch Masayoshi Son und seine SoftBank Group wittern ihre Chance, tiefer in das Herz von OpenAI vorzudringen, während Sam Altman händeringend frisches Kapital für seinen geplanten Börsengang Ende 2026 benötigt.
OpenAI versucht, die Wogen zu glätten. Man arbeite weiterhin „aktiv an den Details der Partnerschaft“, heißt es aus San Francisco. Doch die Machtverhältnisse haben sich verschoben. OpenAI hat sich bereits diversifiziert und Cloud-Zusagen von über einer Billion Dollar bei Microsoft, Oracle und Amazon gesichert. Nvidia ist nicht mehr der einzige Heilsbringer, sondern nur noch einer von vielen Lieferanten.
Das Ende der Blankoscheck-Ära
Der Stopp des Megadeals ist ein Weckruf für die gesamte Branche. Die Ära der unbegrenzten Blankoschecks für KI-Startups scheint vorbei zu sein. Selbst der Schaufelverkäufer des Goldrauschs, Nvidia, fragt nun nach der Profitabilität der Goldgräber. Wenn das wertvollste Unternehmen der Welt (Marktkapitalisierung: 4,7 Billionen Dollar) bei seinem wichtigsten Partner zweifelt, dann ist das mehr als nur eine Verhandlungstaktik – es ist das Ende des blinden KI-Hypes.
Am Ende könnte statt der 100 Milliarden eine klassische Equity-Beteiligung im zweistelligen Milliardenbereich stehen. Ein Trostpflaster, das OpenAI den Zugang zu den Vera-Rubin-Chips sichert, aber weit entfernt ist von der ursprünglichen Vision einer gemeinsamen Super-Infrastruktur. Der Traum von 10 Gigawatt Leistung für eine einzige Firma ist vorerst geplatzt.


