Der Sanierungskurs für die nationale Sicherheit Panamas hat seinen Preis: Am 4. Februar 2026 gab CK Hutchison bekannt, dass seine Tochtergesellschaft Panama Ports Company (PPC) rechtliche Schritte gegen den zentralamerikanischen Staat eingeleitet hat. Der Auslöser war ein Urteil der vergangenen Woche, in dem Panamas Top-Juristen die Verträge für die strategisch entscheidenden Häfen Balboa und Cristobal für verfassungswidrig erklärten.
Das Gericht begründete die Entscheidung damit, dass die Verträge – die erst 2021 um 25 Jahre verlängert worden waren – dem Unternehmen „exklusive Privilegien und Steuerbefreiungen“ gewährten, die dem öffentlichen Interesse widersprächen. Zudem ergab eine Prüfung des panamaischen Rechnungshofs Unregelmäßigkeiten und vermeintliche Fehlbeträge in Milliardenhöhe.

Ein geostrategischer Sieg für Donald Trump
Hinter den juristischen Kulissen tobt ein geopolitischer Sturm. US-Präsident Donald Trump und Außenminister Marco Rubio hatten Panama seit Monaten massiv unter Druck gesetzt, den chinesischen Einfluss am Kanal zurückzudrängen. Trump behauptete wiederholt, China würde den Kanal „operieren“, und forderte zeitweise sogar die Rückgabe der Wasserstraße unter US-Kontrolle.
US-Abgeordnete feierten das Urteil umgehend als „Sieg für Amerika“. Für Washington ist die Entfernung eines in Hongkong ansässigen Betreibers von den Kanaleingängen ein entscheidender Erfolg, um die kommerzielle und militärische Vorherrschaft in der westlichen Hemisphäre zu sichern. Die Häfen Balboa (Pazifik) und Cristobal (Atlantik) gelten als strategische Knotenpunkte, die den Zugang zur wichtigsten Handelsroute der Region kontrollieren.

Peking droht mit schweren Konsequenzen
Die Reaktion aus China ließ nicht lange auf sich warten. Das Außenministerium in Peking bezeichnete das Urteil als „absurd“ und „beschämend“. China warnte Panama davor, dass es einen „hohen Preis“ für diese Entscheidung zahlen werde, die man als Ergebnis US-amerikanischer Nötigung betrachtet.
Für Peking steht viel auf dem Spiel: CK Hutchison wollte sein weltweites Hafengeschäft eigentlich für 23 Milliarden US-Dollar an ein Konsortium um BlackRock und MSC verkaufen. China hatte diesen Deal blockiert, solange der staatliche Riese COSCO keine maßgebliche Beteiligung erhält. Das Urteil in Panama macht diesen Milliarden-Poker nun noch komplizierter – Experten halten es für möglich, dass die beiden Häfen aus dem Portfolio gestrichen werden müssen, um den restlichen Deal zu retten.
Maersk übernimmt das Kommando im Interim
Um einen Stillstand des Welthandels zu verhindern, hat die panamaische Regierung bereits Fakten geschaffen. Während CK Hutchison auf Entschädigung klagt, wird APM Terminals, eine Tochtergesellschaft des dänischen Reederei-Riesen Maersk, den Betrieb der beiden Häfen übergangsweise übernehmen.

Präsident José Raúl Mulino versicherte, dass der Hafenbetrieb ohne Unterbrechung weiterlaufe und keine Massenentlassungen drohen. Langfristig plant Panama eine Neuausschreibung der Konzessionen zu Bedingungen, die dem Staat deutlich höhere Einnahmen garantieren sollen. Analysten gehen davon aus, dass das Schiedsverfahren Jahre dauern könnte und CK Hutchison am Ende vor allem auf Schadensersatz für entgangene Gewinne aus dem 2021 verlängerten Vertrag abzielt.
Das Tauziehen um den Kanal ist damit in eine neue, langwierige Phase eingetreten. Panama steht nun vor der Herausforderung, seine nationale Souveränität gegen die wirtschaftlichen Interessen eines Weltkonzerns und die diplomatischen Drohungen einer Supermacht zu verteidigen.


