Satya Nadella macht keine Gefangenen mehr. Während der Aktienkurs nur knapp unter dem Allzeithoch notiert, bereitet das Management in Redmond einen der radikalsten Einschnitte der Firmengeschichte vor. Die Zeit der gemütlichen Tech-Dominanz ist vorbei.

Die Zahlen sind alarmierend und faszinierend zugleich: Bis zu 22.000 Mitarbeiter sollen ihren Schreibtisch räumen. Das entspricht einer Dezimierung der globalen Belegschaft um bis zu zehn Prozent. Doch wer glaubt, Microsoft müsse sparen, irrt gewaltig. Das Geld wird nicht gebunkert, es wird umgeleitet.
Es findet eine historische Umschichtung von Humankapital zu Silizium statt. Der Konzern opfert Menschen für Maschinen, um im KI-Wettrüsten nicht nur mitzuhalten, sondern den Markt zu erdrücken.
Der Konzern verbrennt Cash in beispiellosem Tempo für die absolute KI-Vorherrschaft
Die geplante Entlassungswelle, die laut Berichten in der dritten Januarwoche 2026 rollen soll, dient einem einzigen Zweck: der Finanzierung einer gigantischen Infrastruktur-Offensive. Für das laufende Geschäftsjahr 2026 sind Investitionsausgaben (CapEx) von über 80 Milliarden US-Dollar veranschlagt.
Diese Summe fließt fast vollständig in Rechenzentren, Chips und KI-Tools. Microsoft baut das physische Rückgrat der nächsten Tech-Generation. Wie ernst es dem Unternehmen ist, zeigt sich auf der CES 2026 in Las Vegas. Selbst Branchenfremde wie Sony und Honda nutzen für ihren AFEELA-Prototypen inzwischen den Microsoft Azure OpenAI Service.
Die Botschaft an den Markt ist unmissverständlich: Wer Hardware baut – egal ob Laptop oder Auto – kommt an der KI-Plattform aus Redmond nicht vorbei. Dieser Burggraben wird nun mit Milliardenbeträgen zementiert.
Selbst die profitabelsten Wachstumssparten sind vor dem Rotstift nicht mehr sicher
Die geplante Streichliste offenbart die neue Härte des Managements. Es trifft nicht nur Verwaltungsbereiche, sondern das Herzstück des Konzerns. Berichten zufolge stehen die Azure-Cloud-Teams im Fokus. Dass ausgerechnet der Wachstumsmotor Nummer eins verschlankt werden soll, deutet auf eine massive Effizienzsteigerung durch KI-Automatisierung hin.

Auch die Gaming-Sparte bleibt nach den massiven Übernahmen der letzten Jahre eine Baustelle der Konsolidierung. Hier wird weiter aufgeräumt, um Redundanzen zu eliminieren.
Besonders brisant ist der Umbau im globalen Vertrieb. Die Ausrichtung wird radikal auf eine „AI-first“-Strategie getrimmt. Verkäufer, die das neue Narrativ nicht bedienen können oder deren Aufgaben durch automatisierte Lösungen ersetzt werden, haben im Konzern keine Zukunft mehr.
Die Wall Street ist tief gespalten zwischen extremer Gier und akuter Höhenangst
Diese aggressive Strategie führt zu einer schizophrenen Bewertungssituation an der Börse. Der Aktienkurs liegt bei 478,51 US-Dollar, in Schlagdistanz zum 52-Wochen-Hoch. Doch die Expertenmeinungen driften so weit auseinander wie selten zuvor.
Auf der Seite der Optimisten steht Wedbush Securities. Die Investmentbank ruft ein Kursziel von 625 US-Dollar aus und kürt Microsoft zum „Top-AI-Pick für 2026“. Ihre These: Ab 2026 schlagen die KI-Investitionen voll auf die Gewinne durch, die Monetarisierung beginnt erst jetzt richtig.
Ganz anders sieht es die Analysefirma Trefis. Sie warnt vor einer Überhitzung. Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 37 lässt keinen Raum für Fehler. Sollte das Wachstum auch nur minimal stocken, droht ein Absturz auf bis zu 337 US-Dollar. Die Aktie ist nach dieser Lesart schlichtweg zu teuer.
Das Smart Money positioniert sich bereits massiv für den nächsten großen Sprung
Trotz der Warnungen vor der hohen Bewertung zeigen die Handlungen institutioneller Anleger ein anderes Bild. Beacon Investment Advisory Services hat seine Beteiligung zuletzt um beachtliche 22,6 Prozent aufgestockt.
Große Adressen kaufen also nach, während Kleinanleger noch über die Moral von Massenentlassungen diskutieren. Das Smart Money wettet darauf, dass der kurzfristige Schmerz durch die Kündigungen die langfristige Marge explodieren lässt.
Die Entscheidung fällt Anfang Februar 2026. Dann muss Microsoft bei den Quartalszahlen beweisen, dass die 80-Milliarden-Wette nicht nur Kosten verursacht, sondern Cash generiert. Bis dahin bleibt die Aktie ein Pulverfass.



