25. Februar, 2026

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Michael C. Jakob – Der rationale Investor - Der Kampf um die Weltleitwährung

Michael C. Jakob – Der rationale Investor: In seiner Kolumne analysiert er, wie sich Kapital, Macht und Technologie neu ordnen – und warum die Welt auf zwei Finanzsysteme zusteuert.

Michael C. Jakob – Der rationale Investor - Der Kampf um die Weltleitwährung
Wie Dollar, digitale Währungen und geopolitische Macht den globalen Währungswettbewerb neu ordnen.

In seiner wöchentlichen Kolumne analysiert Michael C. Jakob die großen Kräfte hinter Kapital, Technologie und geopolitischer Macht. Statt kurzfristiger Schlagzeilen stehen langfristige Entwicklungen im Fokus: neue Industrien, verschiebende Machtzentren, aufstrebende Technologien und die Frage, wie Vermögen im 21. Jahrhundert tatsächlich entsteht.

Die Kolumne richtet sich an Leser, die Märkte nicht nur beobachten, sondern verstehen wollen.

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Beobachtung aus der realen Welt

In den vergangenen Jahren hat sich ein leiser, aber fundamentaler Wandel vollzogen. Zentralbanken diversifizieren ihre Reserven. Staaten handeln Energie zunehmend in alternativen Währungen. Digitale Zahlungssysteme entstehen außerhalb des klassischen Bankensystems. Und geopolitische Spannungen führen dazu, dass das Finanzsystem selbst zu einer Waffe wird.

Was lange als selbstverständlich galt – die Dominanz des US-Dollars – wird zunehmend strategisch hinterfragt.

Noch immer werden rund 60 % der globalen Währungsreserven in Dollar gehalten. Der Großteil des Welthandels wird in Dollar fakturiert. Die tiefsten Kapitalmärkte befinden sich in den Vereinigten Staaten. Doch Dominanz ist kein Naturgesetz. Sie ist das Ergebnis von Vertrauen, Macht, Liquidität und technologischer Infrastruktur.

Die Welt befindet sich in einer Phase struktureller Verschiebung. Und im Zentrum dieser Verschiebung steht die Frage: Wer kontrolliert die Weltleitwährung des 21. Jahrhunderts?

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Die große These

Der Kampf um die Weltleitwährung ist kein kurzfristiger Wettbewerb zwischen Dollar, Euro oder Renminbi. Er ist ein struktureller Konflikt zwischen drei Systemen:

  1. Staatsbasierte Reservewährungen
  2. Digitale, technologiegetriebene Zahlungssysteme
  3. Potenziell supranationale oder algorithmische Währungen

Meine These lautet: Die Welt wird in den kommenden 20 Jahren kein vollständiges Ende der Dollar-Dominanz erleben – aber eine schleichende Fragmentierung des globalen Währungssystems.

Die Weltleitwährung der Zukunft wird nicht nur ökonomisch bestimmt, sondern technologisch, geopolitisch und infrastrukturell.

Währungen sind Machtinstrumente. Und Macht verschiebt sich.

Michael C. Jakob – Der rationale Investor: In seiner Kolumne analysiert er, wie sich Kapital, Macht und Technologie neu ordnen – und warum die Welt auf zwei Finanzsysteme zusteuert.

Strategische Konsequenzen

Konsequenz 1: Finanzsanktionen beschleunigen Alternativen

Die zunehmende Nutzung des Dollarsystems als geopolitisches Instrument – etwa durch Sanktionen oder Ausschlüsse aus SWIFT – hat eine paradoxe Wirkung.

Kurzfristig stärkt sie die Durchsetzungskraft der USA.
Langfristig motiviert sie andere Staaten, Alternativen zu entwickeln.

Russland und China haben bilaterale Zahlungssysteme aufgebaut. Die BRICS-Staaten diskutieren alternative Abwicklungsmechanismen. Saudi-Arabien signalisiert Offenheit für Energiehandel in anderen Währungen.

Je stärker das bestehende System politisiert wird, desto größer wird der Anreiz zur Umgehung.

Währungsmacht basiert auf Vertrauen. Und Vertrauen leidet unter politischer Instrumentalisierung.

Konsequenz 2: Technologie verschiebt das Machtzentrum

Historisch war die Weltleitwährung eng mit militärischer und ökonomischer Dominanz verknüpft. Heute kommt ein neuer Faktor hinzu: digitale Infrastruktur.

Die Kontrolle über:

  • Zahlungsnetzwerke
  • Clearing-Systeme
  • Halbleitertechnologie
  • Cloud-Infrastruktur
  • digitale Identitäten

wird entscheidend.

Unternehmen wie Visa, Mastercard oder SWIFT sind faktisch geopolitische Akteure. Gleichzeitig entwickeln Staaten eigene digitale Zentralbankwährungen (CBDCs).

China testet den digitalen Yuan. Die Europäische Zentralbank arbeitet am digitalen Euro. Die USA diskutieren vorsichtig, aber strategisch.

Die nächste Weltleitwährung könnte weniger physisch als infrastrukturell sein.

Wer die Transaktionsschicht kontrolliert, kontrolliert den Kapitalfluss.

Konsequenz 3: Kapitalströme werden multipolar

Der Dollar dominiert nicht nur wegen politischer Macht, sondern wegen der Tiefe der US-Kapitalmärkte.

Die Vereinigten Staaten bieten:

  • liquide Anleihemärkte
  • transparente Rechtsstrukturen
  • stabile Eigentumsrechte
  • starke Unternehmenslandschaft

Doch andere Regionen holen auf.

Asien entwickelt eigene Kapitalmarktzonen. Der Renminbi wird zunehmend in regionalen Handelsabkommen genutzt. Der Golfraum baut Finanzzentren mit strategischer Autonomie auf.

Die Welt bewegt sich von einem unipolaren zu einem multipolaren Finanzsystem.

Das bedeutet nicht das Ende des Dollars – aber eine relative Erosion seiner Monopolstellung.

Konsequenz 4: Vertrauen wird zur knappen Ressource

Eine Weltleitwährung basiert auf drei Fundamenten:

  • Stabilität
  • Liquidität
  • Rechtsstaatlichkeit

Wenn fiskalische Disziplin erodiert, Staatsverschuldung exponentiell wächst und politische Polarisierung zunimmt, wird Vertrauen fragiler.

Die USA verfügen über strukturelle Vorteile – Innovationskraft, Demografie, Unternehmertum. Doch sie tragen auch steigende Schuldenquoten und strukturelle Defizite.

Vertrauen ist kein statischer Zustand. Es muss permanent erneuert werden.

Beispiele aus Staaten und Unternehmen

Ein Blick auf China zeigt die strategische Langfristigkeit dieses Wettbewerbs. Der Aufbau des digitalen Yuan ist kein kurzfristiges Zahlungsprojekt, sondern Teil einer umfassenden geopolitischen Strategie. Die Integration in die Belt-and-Road-Initiative schafft Abhängigkeiten – finanziell und infrastrukturell.

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Gleichzeitig investieren die USA massiv in Halbleiterproduktion und technologische Souveränität. Der CHIPS Act ist nicht nur Industriepolitik – er ist Währungspolitik durch Technologie.

Auch Unternehmen spielen eine Rolle. Big Tech-Unternehmen kontrollieren globale Plattformen mit Milliarden Nutzern. Eine privat emittierte, global akzeptierte digitale Währung wäre theoretisch denkbar – auch wenn regulatorisch derzeit unwahrscheinlich.

Kapital folgt Infrastruktur. Und Infrastruktur ist zunehmend digital.

Die Rolle von Kryptowährungen

Bitcoin und andere Kryptowährungen werden häufig als Gegenentwurf zu staatlichen Währungen interpretiert.

Doch sie erfüllen bislang nur teilweise die Funktionen einer Weltleitwährung. Volatilität, Skalierbarkeit und regulatorische Unsicherheit begrenzen ihre Rolle im globalen Handel.

Dennoch senden sie ein Signal: Vertrauen kann algorithmisch organisiert werden.

Langfristig könnte sich ein hybrides System entwickeln:

  • Staatliche Währungen für Handel und Steuern
  • Digitale, nicht-staatliche Assets als Wertspeicher
  • Regionale Währungsblöcke mit eigener Infrastruktur

Die Weltleitwährung der Zukunft könnte weniger monolithisch sein als im 20. Jahrhundert.

Ausblick auf die nächsten 10–20 Jahre

In den kommenden zwei Jahrzehnten wird sich der Wettbewerb nicht abrupt entscheiden. Wahrscheinlicher ist eine graduelle Fragmentierung:

  • Der Dollar bleibt dominierend, verliert aber relative Anteile.
  • Regionale Handelsräume stärken eigene Abrechnungssysteme.
  • Digitale Zentralbankwährungen werden technisch etabliert.
  • Kapitalströme orientieren sich stärker an geopolitischen Allianzen.

Für Investoren bedeutet das:

Währungsrisiko wird strukturell relevanter.
Politische Stabilität wird zu einem Investmentfaktor.
Technologie wird zum monetären Machtinstrument.

Die zentrale Frage lautet nicht: „Wird der Dollar fallen?“
Sondern: „Wie verteilt sich monetäre Macht in einer multipolaren Welt?“

Macht, Vertrauen und Infrastruktur

Der Kampf um die Weltleitwährung ist kein dramatischer Showdown. Er ist ein strategischer Prozess.

Währungen sind kein reines Zahlungsmittel. Sie sind Ausdruck von Macht, Vertrauen und Infrastruktur.

Die Vereinigten Staaten verfügen weiterhin über immense strukturelle Vorteile. Doch die Welt ordnet sich neu.

Wer langfristig denkt, sollte diese Verschiebungen nicht emotional bewerten, sondern strukturell analysieren.

Kapital fließt dorthin, wo es:

  • geschützt ist
  • produktiv eingesetzt werden kann
  • liquide bleibt
  • politisch abgesichert ist

Die nächste Weltleitwährung wird nicht allein durch Militär oder Handelsvolumen entschieden.

Sie wird durch Technologie, institutionelle Stärke und Vertrauen definiert.

Und Vertrauen ist – wie Kapital – ein langfristiger Vermögenswert.

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