Wenn ich heute auf die letzten zwanzig Jahre zurückblicke, erkenne ich ein Muster: Die größten Vermögen sind selten durch lineare Verbesserungen entstanden. Sie entstanden durch technologische Sprünge – durch Plattformen, die neue Märkte schufen, Produktivität vervielfachten und Kapitalrenditen ermöglichten, die vorher unmöglich erschienen.
Ich habe das Internet kommen sehen. Ich habe die Plattformökonomie analysiert. Ich habe die Cloud-Ära studiert. Und ich habe Fehler gemacht – vor allem dort, wo ich strukturelle Umbrüche unterschätzt habe.
Heute bin ich überzeugt: Künstliche Intelligenz ist die größte Kapitalmaschine unserer Zeit. Vielleicht die größte der Geschichte.
Aber bevor ich erkläre, warum – möchte ich dir etwas Ehrliches sagen:
Ich war anfangs skeptisch.

Mein erster Fehler: AI als Feature zu sehen, nicht als Infrastruktur
Als die ersten großen KI-Modelle öffentlich verfügbar wurden, betrachtete ich sie wie viele andere: als beeindruckende Werkzeuge. Produktiv, nützlich, faszinierend.
Was ich unterschätzte, war ihre infrastrukturelle Natur.
Ich dachte in Produktkategorien.
Der Markt dachte in Plattformen.
Es dauerte einen Moment, bis ich verstand: AI ist kein Software-Update. Sie ist eine neue Rechenschicht über der gesamten Wirtschaft.
Und Rechenschichten sind historisch extrem wertvoll.
Ein mentales Modell: Kapital folgt Produktivität
Kapital ist opportunistisch. Es fließt dorthin, wo Produktivität steigt.
Die Dampfmaschine erhöhte mechanische Produktivität.
Elektrizität erhöhte industrielle Produktivität.
Das Internet erhöhte Informationsproduktivität.
AI erhöht kognitive Produktivität.
Zum ersten Mal in der Geschichte wird nicht nur physische oder digitale Arbeit skaliert – sondern Denkprozesse.
Das ist kein inkrementeller Fortschritt. Es ist ein struktureller Sprung.
Wenn Denkprozesse skalierbar werden, sinken Grenzkosten in Bereichen, die bisher menschlich limitiert waren: Analyse, Kreativität, Code, Diagnose, Planung, Forschung.
Und dort, wo Grenzkosten sinken, entstehen außergewöhnliche Kapitalrenditen.
Mein zweiter Fehler: Nur auf die offensichtlichen Gewinner zu schauen
In frühen Phasen technologischer Revolutionen konzentrieren sich Investoren auf die sichtbarsten Unternehmen. Das ist verständlich – aber oft verkürzt.
Während der Internetrevolution investierten viele in Endnutzer-Plattformen. Wenige verstanden früh die Bedeutung von Infrastruktur – Rechenzentren, Netzwerke, Halbleiter.
Bei AI erlebte ich ein ähnliches Muster. Der Fokus lag auf Anwendungen. Chatbots. Automatisierungstools. Produktivitätssoftware.
Doch die eigentliche Kapitalmaschine liegt tiefer:
- Rechenleistung
- spezialisierte Chips
- Datenzentren
- Energieinfrastruktur
- proprietäre Daten
- Skaleneffekte in Modellen
AI ist kapitalintensiv. Und Kapitalintensität erzeugt Eintrittsbarrieren.
Hohe Eintrittsbarrieren führen zu Konzentration. Konzentration führt zu Überrenditen.

Eine Lektion von Charlie Munger: „Invertieren, immer invertieren“
Munger lehrte, Probleme umzudrehen.
Statt zu fragen: „Welche AI-Aktie wird sich verzehnfachen?“
frage ich heute:
„Welche Unternehmen werden durch AI strukturell obsolet?“
AI ist nicht nur eine Chance. Sie ist ein Disruptor bestehender Geschäftsmodelle.
Junge Investoren neigen dazu, nur das Neue zu sehen. Reife Investoren sehen auch das Verdrängte.
Kapital wird nicht nur geschaffen – es wird umverteilt.

Warum AI anders ist als frühere Zyklen
Ich habe Technologiezyklen erlebt, die euphorisch begannen und in Überbewertungen endeten. Das Internet 2000. Die Finanzinnovation 2007. Kryptowährungen in mehreren Wellen.
AI unterscheidet sich in einem entscheidenden Punkt:
Sie erzeugt reale, messbare Produktivitätsgewinne – sofort.
Unternehmen berichten von zweistelligen Effizienzsteigerungen. Softwareentwicklung beschleunigt sich. Content-Produktion wird automatisiert. Analyseprozesse skalieren.
Das ist kein narratives Wachstum. Es ist operatives Wachstum.
Und operative Produktivitätsgewinne transformieren Margen.
Mein dritter Fehler: Geschwindigkeit zu unterschätzen
Ich habe einmal geglaubt, dass große wirtschaftliche Transformationen Jahrzehnte benötigen. Das war historisch korrekt.
AI beschleunigt jedoch nicht nur Branchen – sie beschleunigt sich selbst.
Bessere Modelle entwickeln bessere Modelle.
Rechenleistung wächst exponentiell.
Datenvolumen steigt kontinuierlich.
Wir erleben einen positiven Rückkopplungseffekt.
Wenn technologische Verbesserung selbst technologisch verstärkt wird, entstehen Superzyklen.
Für Investoren bedeutet das:
Lineares Denken führt zu Unterallokation.
Aber Vorsicht: Jede Kapitalmaschine erzeugt Exzesse
Ich schreibe dir nicht als Euphoriker.
Große Kapitalmaschinen erzeugen auch Blasen. Überinvestitionen. Fehlallokationen. Spekulative Exzesse.
Nicht jedes AI-Unternehmen wird überleben. Nicht jedes Geschäftsmodell ist nachhaltig. Nicht jede Bewertung ist rational.
Deshalb arbeite ich mit drei mentalen Modellen:
- Unterscheide Infrastruktur von Anwendung.
Infrastruktur ist oft stabiler und kapitalintensiver. - Bewerte Eintrittsbarrieren realistisch.
Technologische Moats sind wertvoller als kurzfristige First-Mover-Vorteile. - Denke in Jahrzehnten.
AI wird nicht in zwei Jahren entschieden. Sie wird sich über Jahrzehnte entfalten.
Persönliche Reflexion: Demut vor exponentiellen Entwicklungen
Je länger ich investiere, desto klarer wird mir: Die größte Gefahr ist nicht, falsch zu liegen. Die größte Gefahr ist, zu spät zu verstehen.
Ich habe in meiner Karriere zu früh verkauft, weil Bewertungen hoch wirkten.
Ich habe Trends unterschätzt, weil sie übertrieben erschienen.
Heute versuche ich, zwischen Hype und strukturellem Wandel zu unterscheiden.
AI ist struktureller Wandel.

Was ich dir raten würde
Wenn du jung bist und Kapital aufbaust, dann denke nicht in Quartalen.
Frage dich:
- Welche Unternehmen besitzen die Recheninfrastruktur?
- Wer kontrolliert die Daten?
- Wer hat Skalenvorteile?
- Wer wird durch AI effizienter – und wer wird verdrängt?
Und noch wichtiger:
Arbeite mit AI. Verstehe sie. Integriere sie in deinen Alltag.
Investoren, die Technologie nicht nutzen, verstehen sie selten vollständig.
Vertrauen in Systeme, nicht in Prognosen
Ich weiß nicht, welches einzelne Unternehmen in 20 Jahren dominieren wird.
Aber ich weiß, dass kognitive Produktivität steigen wird.
Ich weiß, dass Kapital dorthin fließt, wo Produktivität steigt.
Und ich weiß, dass Eintrittsbarrieren in kapitalintensiven Märkten Überrenditen ermöglichen.
Deshalb sehe ich AI nicht als Trend. Ich sehe sie als Kapitalmaschine.
Vielleicht die größte unserer Zeit.
Eine letzte Lektion
Wenn ich eines gelernt habe, dann dies:
Große Vermögen entstehen dort, wo man früh erkennt, dass ein Paradigmenwechsel stattfindet – und wo man dann lange genug investiert bleibt, um seine Wirkung zu erleben.
AI ist kein Feature.
Sie ist eine neue ökonomische Ebene.
Und wer diese Ebene versteht, investiert nicht nur in Unternehmen – sondern in Produktivitätsarchitektur.
Mit Ruhe,
mit Demut,
und mit langfristiger Perspektive.




