11. Januar, 2026

Wirtschaft

Mangel an qualifiziertem Personal im öffentlichen Dienst: Eine Herausforderung für staatliche Institutionen und die Gesellschaft

Der öffentliche Dienst in Deutschland sieht sich einer erheblichen und wachsenden Fachkräftelücke gegenüber, wie der Beamtenbund dbb in seinem jüngsten Bericht hervorhebt. Laut dem "Monitor öffentlicher Dienst 2026" hat sich die Zahl der unbesetzten Stellen innerhalb eines Jahres um etwa 30.000 erhöht, sodass derzeit insgesamt rund 600.000 Positionen unbesetzt sind.

Das Problem des Personaldefizits ist keineswegs neu, wird jedoch durch die aktuellen Zahlen erneut drastisch verdeutlicht. Neben dem altersbedingten Ausscheiden einer großen Anzahl von Fachkräften spielen verschärfte gesetzliche Vorgaben eine Rolle, die den Arbeitsdruck zusätzlich erhöhen. Besonders betroffen sind die Polizei, Bildungs- und Pflegeeinrichtungen sowie Jobcenter, wo die Belastungsgrenzen bereits überschritten werden. Eine aktuelle Statistik des Bundesamts unterstreicht die Ernsthaftigkeit der Situation (Stand Juni 2024).

Auch das Bundesinnenministerium hat den dringenden Handlungsbedarf erkannt und sieht sich insbesondere durch den hohen Altersdurchschnitt der Beschäftigten herausgefordert. Der steigende Wettbewerb mit der Privatwirtschaft um junge Talente verschärft die Situation, weshalb demografische Sicherungsmaßnahmen in Vorbereitung sind. Diese Problematik wird auch ein zentrales Thema in den bevorstehenden Gesprächen zwischen Bundesinnenminister Alexander Dobrindt und dem dbb-Vorsitzenden Volker Geyer sein.

Mit insgesamt 5,4 Millionen Beschäftigten stellt der öffentliche Sektor weiterhin etwa 12 Prozent der erwerbstätigen Bevölkerung in Deutschland. Im Bildungssektor ist ein Zuwachs zu verzeichnen, wobei Schulen mit über einer Million Angestellten den größten Anteil haben. Dennoch bleiben die Sorgen des dbb bestehen, dass weitaus mehr Beschäftigte in den Ruhestand übertreten, als Nachwuchskräfte zur Verfügung stehen. Die Zahl der Pensionäre ist seit dem Jahr 2000 kontinuierlich gestiegen und erreichte 2024 1,4 Millionen.

Besonders besorgniserregend ist die Prognose, dass fast die Hälfte der derzeitigen Arbeitnehmer im öffentlichen Dienst bis Mitte der 2040er Jahre das Rentenalter erreichen wird. Die deutlich gerinfügigere Zahl junger Beschäftigter unter 25 Jahren, die lediglich 6,8 Prozent der Belegschaft ausmacht, verschärft die Herausforderung.

Volker Geyer betont, dass die steigenden Anforderungen an den öffentlichen Dienst, insbesondere im Bereich der Sicherheit, die Personalbeschaffung zusätzlich erschweren. Die Vielzahl offener Stellenangebote auf den Websites der Behörden verdeutlicht die Dringlichkeit der Lage. Einerseits fordert Geyer ein entschlosseneres Handeln der Politik, da das bisherige zögerliche Vorgehen das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in staatliche Lösungen erheblich beeinträchtigt.