Angesichts einer anziehenden Nachfrage und durchgeführten Kostensenkungen korrigiert der Chemiekonzern Lanxess seine Gewinnerwartungen für das Jahr 2024 nach oben. Konzernchef Matthias Zachert zeigt sich vorsichtig optimistisch: "Die konjunkturelle Talsohle in der Chemie scheint erreicht", so Zachert, der gleichwohl vor verfrühter Euphorie warnt. Industrieweit sei ein normales Nachfrageniveau noch nicht wiederhergestellt, und auch Branchenvertreter Evonik teilt diese noch verhaltene Einschätzung.
Für das laufende Geschäftsjahr rechnet Zachert mit einem Anstieg des bereinigten Ebitda um 10 bis 20 Prozent, während zuvor lediglich ein moderates Wachstum visiert wurde. Nach einem Ebitda von 512 Millionen Euro im Vorjahr erwarten Marktanalysten nun eine Zunahme, die am ehesten am unteren Spektrum der neuen Prognose liegen dürfte.
Ein Hoffnungsschimmer ergibt sich aus dem Agrarsektor, in dem erwartet wird, dass sich die Lagerbestände bis zum zweiten Quartal zurückbilden und nachfolgend die Nachfrage wieder zunimmt. Auch der zum Verkauf stehende Bereich Urethane Systems, Spezialist für maßgeschneiderte Kunststoffe und Kunstharze, verzeichnet eine lebhafte Nachfrage, was die Veräußerungspläne laut Zachert begünstige.
Konstantin Wiechert von der Baader Bank sieht in der revidierten Prognose nur eine "begrenzte Überraschung", da sie noch von einer vorsichtigen Markteinschätzung geprägt sei und frühere Zielsenkungen die Investoren zur Zurückhaltung gemahnt hätten. JPMorgans Chetan Udeshi wiederum äußert den Wunsch nach konkreteren Aussagen zur Gewinnentwicklung im zweiten Quartal.
Für das zweite und dritte Quartal verspricht Lanxess eine Verbesserung des operativen Ergebnisses gegenüber den vorangegangenen Quartalen, wobei das letzte Jahresviertel von saisonalen Schwankungen beeinflusst sein dürfte. Trotz eines Rückgangs des bereinigten operativen Gewinns um 50 Prozent auf 101 Millionen Euro im ersten Quartal – bei gleichzeitigem Umsatzrückgang um 15 Prozent auf 1,6 Milliarden Euro – zeigt sich das Unternehmen zuversichtlich.
Der Kooperationspartner Evonik profitiert ebenfalls von Kosteneinsparungen und hat im ersten Quartal ein Gewinnplus verzeichnet, obwohl der Umsatz leicht rückläufig war. Das Unternehmen schließt ungeachtet der Rohstoffkosten, die teilweise an die Kunden weitergegeben wurden, mit einem bereinigten operativen Ergebnis von ca. 522 Millionen Euro ab – ein Plus von 28 Prozent. Zudem konnte Evonik seinen Free Cashflow deutlich steigern und dessen Nutzen für die Dividende hervorheben.
Das Jahresziel von Evonik mit einer Spanne des operativen Gewinns zwischen 1,7 und 2,0 Milliarden Euro könnte indes sogar am oberen Ende erreicht werden, bemerkt ein Experte. Das Unternehmen macht ebenfalls Fortschritte beim anvisierten Verwaltungsumbau, wodurch bis zu 2000 Stellen abgebaut werden sollen.