11. Januar, 2026

Politik

Langsame Einführung der digitalen Verwaltung

Obwohl das Angebot an Online-Behördendiensten langsam wächst, scheint die Mehrheit der deutschen Bevölkerung diese digitalen Optionen bisher nicht zu nutzen. Eine Umfrage des Vergleichsportals Verivox, die 1.023 Bürgerinnen und Bürger im Alter zwischen 18 und 79 Jahren befragte, ergab, dass rund 59 Prozent der Teilnehmer noch nie digitale Verwaltungsdienste in Anspruch genommen haben. Etwa 40 Prozent der Befragten bestätigten die Nutzung solcher Dienste, während eine kleine Gruppe unschlüssig blieb.

Besonders bemerkenswert ist, dass selbst unter den Nutzern digitaler Dienstleistungen häufig nicht alles vollständig digital abgewickelt wird. Ein Viertel der Befragten berichtete, dass ihre Anliegen lediglich teilweise digital bearbeitet wurden. Lediglich 15 Prozent der Umfrageteilnehmer erlebten einen vollständig digitalen Ablauf. Jörg Schamberg, Experte von Verivox, hebt hervor, dass der unzureichende digitale Zugang zu Verwaltungseinheiten ein zentrales Problem der schleppenden Digitalisierung darstellt. Oftmals ist nur ein Teil der Verwaltungsdienste digital zugänglich, was letztlich trotzdem einen persönlichen Besuch vor Ort erforderlich macht.

Das Onlinezugangsgesetz (OZG) verfolgt das Ziel, den Kontakt der Bürger mit staatlichen Institutionen zu vereinfachen und effizienter zu gestalten. Dennoch zeigt eine Analyse von Verivox, dass gegenwärtig fast zwei Drittel der OZG-Leistungen nicht digital verfügbar sind. Im Dezember konnten lediglich 110 Verwaltungsleistungen vollständig online abgerufen werden, was zwar eine Steigerung um neun Leistungen im Vergleich zum Vorjahr darstellt, aber weiterhin als unzulänglich betrachtet wird. Schamberg betont, dass das Vorhaben zur Digitalisierung der Verwaltung mittlerweile ins zehnte Jahr geht und weiterhin erheblicher Nachholbedarf besteht.

Ein Blick auf die Gründe der Nicht-Nutzer von Online-Behördendiensten offenbart, dass 39 Prozent die unzureichende Verfügbarkeit digitaler Services als Hauptursache angeben. Weitere 22 Prozent ziehen den persönlichen Kontakt bei Amtsbesuchen vor, 13 Prozent empfinden die digitalen Verfahren als unklar, 12 Prozent lehnen den zusätzlichen digitalen Aufwand ab und 11 Prozent äußern Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes. Die Umfrage erlaubte Mehrfachnennungen, was auf die vielfältigen Herausforderungen der Digitalisierung hinweist.

Die derzeitige schwarz-rote Bundesregierung hat es sich zur Priorität gemacht, die digitale Verwaltung voranzutreiben. Ziel ist es, die Online-Zugänge und Verwaltungsdienstleistungen nicht nur zu vereinfachen, sondern qualitativ zu verbessern. Eine wesentliche Neuerung wird die Einführung der digitalen Brieftasche, der sogenannten 'Wallet', sein. Ab dem 2. Januar 2027 soll es den Bürgern möglich sein, ihren Personalausweis auf ihrem Smartphone zu hinterlegen und sich damit online auszuweisen. Die Umsetzung des OZG wird als Gemeinschaftsaufgabe von Bund, Ländern und Kommunen betrachtet und erfordert eine enge Zusammenarbeit aller Beteiligten, um die gesteckten Ziele zu erreichen.