Der „Antwerpen-Schock“ durch Friedrich Merz
Am Donnerstag, den 12. Februar 2026, sackten die Papiere auf den tiefsten Stand seit Oktober ab. Auslöser waren Aussagen von Bundeskanzler Friedrich Merz auf dem Industriegipfel in Antwerpen. Merz deutete dort an, dass das europäische Emissionshandelssystem (ETS) überarbeitet oder zeitlich verschoben werden müsse, falls es die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie – insbesondere der energieintensiven Branchen wie Chemie und Zement – zu stark gefährde.

Warum Heidelberg Materials unter Lockerungen leidet
Normalerweise freuen sich Unternehmen über weniger Regulierung. Bei Heidelberg Materials ist das Gegenteil der Fall. Der Konzern hat massiv in Technologien zur CO₂-Abscheidung (CCUS) und in dekarbonisierte Produkte (wie die Marke evoZero) investiert. Die Strategie der Anleger war klar:
- Wettbewerbsvorteil: Sobald kostenlose Emissionszertifikate auslaufen und die Preise für CO₂-Ausstoß steigen, hätte Heidelberg Materials einen enormen Kostenvorteil gegenüber weniger modernisierten Konkurrenten.
- Preissetzungsmacht: Der Konzern wollte sich seine CO₂-freie Produktion teuer bezahlen lassen.
Wenn die Politik nun jedoch die Zügel lockert und kostenlose Zertifikate länger gewährt als geplant, schmilzt dieser mühsam aufgebaute Wettbewerbsvorteil dahin. Während Chemietitel wie BASF oder Evonik von Merz’ Aussagen profitierten, da sie Entlastungen bei den Energiekosten versprechen, wertet der Markt dies für Heidelberg Materials als „Bestrafung“ des Musterschülers.
Charttechnik: Der Aufwärtstrend ist gebrochen
Nach dem rasanten Fall steht die Aktie nun unter charttechnischem Druck. Die Marke um 192 Euro wurde am Donnerstag getestet. Analysten von JPMorgan und Goldman Sachs beobachten die Lage genau: Während einige in dem Rücksetzer eine Kaufgelegenheit sehen, fürchten andere, dass der politische Rückenwind für grüne Zementpreise dauerhaft geschwächt sein könnte.


