Die Wucht der Korrektur ist selbst für den hochsensiblen Kryptomarkt beispiellos: Seit der Wochenmitte hat der Bitcoin fast 12 % an Wert verloren. Am ersten Februar-Wochenende 2026 beschleunigte sich der Ausverkauf dramatisch. Am Montagmorgen notierte die Krypto-Leitwährung nur noch bei knapp 76.000 US-Dollar. Auch Schwergewichte wie Ether und Solana gerieten massiv unter Druck, wodurch die gesamte Marktkapitalisierung des Sektors unter die psychologisch wichtige Marke von drei Billionen US-Dollar rutschte.
Der Schatten der Tech-Giganten und der „Flash-Crash“
Ausschlaggebend für die aktuelle Verunsicherung sind unter anderem die Quartalsergebnisse der großen Tech-Konzerne. Matt Howells-Barby von Kraken beobachtet, dass die Milliardeninvestitionen in KI ohne unmittelbare Gewinnrechtfertigung Anleger aus riskanten Anlageklassen flüchten lassen. „Investoren bewerten ihre Risikobereitschaft neu“, so der Experte.

Besonders bitter: Der Bitcoin befindet sich seit seinem Rekordhoch von rund 126.000 US-Dollar im Oktober 2025 in einer Abwärtsspirale. Ein verheerender Flash-Crash am 10. Oktober, ausgelöst durch geopolitische Spannungen und Zollandrohungen von US-Präsident Donald Trump, markierte den Wendepunkt. Seitdem hat die Digitalwährung knapp 40 % an Wert eingebüßt.
Experten-Prognosen: Wie tief geht es noch?
Die Analysten zeichnen ein düsteres Bild für das restliche Jahr 2026. Während Paul Howard (Wincent) bereits ein neues Allzeithoch für dieses Jahr ausschließt, warnen andere vor noch deutlich tieferen Kursen:
- 70.000 bis 74.500 US-Dollar: Alex Kuptsikevich (FxPro) sieht hier eine kritische Zone. Fällt der Kurs unter das „Trump-Tief“ vom April 2025, droht ein weiterer Kaskaden-Effekt.
- 63.000 US-Dollar: Laurens Fraussen von Kaiko prognostiziert, dass die Korrektur erst zu 25 % durchlaufen ist. Ein Rückfall auf dieses Niveau würde Bitcoin sogar unter sein altes Rekordhoch von 2021 (ca. 69.000 US-Dollar) drücken.
Identitätskrise: Gold-Narrativ unter Druck
Die aktuelle Schwäche stürzt den Bitcoin in eine tiefe Identitätskrise. Das oft gepredigte Narrativ vom „digitalen Gold“, das als sicherer Hafen in Krisenzeiten fungiert, geht derzeit nicht auf. Während die Aktienmärkte stabil blieben und Edelmetalle wie Gold zumindest zeitweise als Umschichtungsziel dienten, wird Bitcoin von Anlegern derzeit rein als Hochrisiko-Asset (High-Beta-Risk-Asset) behandelt. Weder geopolitische Unruhen noch der schwache Dollar konnten den Abwärtstrend bisher bremsen.


