Die Kriminalität in Nordrhein-Westfalen ist im Jahr 2025 leicht zurückgegangen. Laut Polizeilicher Kriminalstatistik registrierten die Behörden rund 1,35 Millionen Straftaten – etwa drei Prozent weniger als im Jahr zuvor. Innenminister Herbert Reul sieht darin eine Bestätigung der Sicherheitsstrategie des Landes.
Gleichzeitig zeigen einzelne Deliktbereiche eine völlig andere Dynamik. Besonders bei Sexualstraftaten und Tötungsdelikten registriert die Polizei deutlich steigende Zahlen. Diese Entwicklung sorgt bereits kurz nach Veröffentlichung der Statistik für eine politische Kontroverse.

Sexualdelikte steigen erneut deutlich
Im Jahr 2025 wurden in Nordrhein-Westfalen insgesamt 32.144 Sexualdelikte registriert. Im Jahr zuvor waren es noch 30.567 Fälle. Das entspricht einem Anstieg um 5,2 Prozent innerhalb eines Jahres.
Langfristig fällt die Entwicklung noch drastischer aus. Im Jahr 2016 verzeichnete die Statistik lediglich 10.376 Sexualstraftaten. Innerhalb von neun Jahren hat sich die Zahl damit mehr als verdreifacht.
Der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger lag laut Statistik zuletzt bei 27,3 Prozent. Zum Vergleich: Der Anteil ausländischer Staatsbürger an der Bevölkerung des Bundeslandes beträgt rund 15,8 Prozent. Die Polizeistatistik erfasst allerdings keine Personen mit Migrationshintergrund, sondern nur Staatsangehörigkeiten.
Tötungsdelikte nehmen leicht zu
Auch bei Mord und Totschlag verzeichnet die Statistik eine Zunahme. Die Behörden registrierten 2025 insgesamt 508 Fälle, im Jahr zuvor waren es noch 479. Das entspricht einem Anstieg um 6,1 Prozent.
Innerhalb dieser Gruppe entwickelten sich die Deliktarten unterschiedlich. Während Mord leicht zurückging, nahm die Zahl der Totschlagsdelikte um rund zwölf Prozent zu.

Auffällig ist auch die Zusammensetzung der Tatverdächtigen. Laut Statistik hatten 49,9 Prozent der Verdächtigen bei Tötungsdelikten keine deutsche Staatsangehörigkeit.
Gewaltkriminalität insgesamt geht leicht zurück
Trotz dieser Entwicklungen ist die Gewaltkriminalität insgesamt rückläufig. Im Jahr 2025 registrierte die Polizei in Nordrhein-Westfalen 53.955 Gewaltdelikte. Ein Jahr zuvor waren es noch 55.613 Fälle.
Der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger lag in diesem Deliktbereich bei 41,6 Prozent. Gleichzeitig hatten 35,2 Prozent der Opfer ebenfalls keine deutsche Staatsangehörigkeit.
Auch bei Straftaten mit Messern zeigt sich ein gemischtes Bild. 2025 wurden 7.189 Fälle registriert – ein leichter Rückgang gegenüber den 7.295 Delikten im Jahr zuvor. Im längerfristigen Vergleich liegt die Zahl jedoch deutlich höher: 2019 waren es noch 5.780 Fälle.
Jugendkriminalität sinkt deutlich
Deutlich rückläufig ist dagegen die Jugendkriminalität. Straftaten, bei denen mindestens ein Tatverdächtiger unter 21 Jahre alt ist, gingen 2025 um 7,2 Prozent zurück.
Insgesamt registrierten die Behörden 128.532 solcher Fälle. Der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger lag in diesem Bereich zuletzt bei 35,6 Prozent.
Der Rückgang gilt als ein wichtiger Indikator für die langfristige Entwicklung der Kriminalität, da Jugenddelinquenz häufig als Frühindikator für spätere Kriminalitätsmuster gilt.

Eigentumsdelikte entwickeln sich unterschiedlich
Bei Wohnungseinbrüchen bestätigt sich ein langfristiger Rückgang. 2025 wurden 27.540 Fälle registriert – rund 3,3 Prozent weniger als im Vorjahr.
Der Vergleich mit früheren Jahren zeigt jedoch, wie stark dieser Deliktbereich bereits zurückgegangen ist. Im Jahr 2016 registrierten die Behörden noch mehr als 52.000 Einbrüche. Innerhalb von neun Jahren hat sich die Zahl damit nahezu halbiert.
Auch Taschendiebstähle gingen zuletzt deutlich zurück. Die Polizei registrierte 2025 insgesamt 35.337 Fälle, ein Minus von 11,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auffällig bleibt jedoch die Struktur der Tatverdächtigen: 77,9 Prozent von ihnen hatten keine deutsche Staatsangehörigkeit.
Politische Bewertung fällt unterschiedlich aus
Innenminister Herbert Reul bewertet die Statistik insgesamt positiv. Angesichts von mehr als 18 Millionen Einwohnern und zahlreichen Großstädten werde es immer Kriminalität geben, erklärte der CDU-Politiker. Dennoch stehe Nordrhein-Westfalen heute sicherer da als noch vor einigen Jahren.
Der Rückgang der Gesamtkriminalität sei aus seiner Sicht kein Zufall, sondern das Ergebnis gezielter Maßnahmen und intensiver Polizeiarbeit.
Aus der Opposition kommt dagegen scharfe Kritik. Vertreter der AfD sehen in den steigenden Zahlen bei Sexualdelikten und Tötungsdelikten ein deutliches Warnsignal. Sie verweisen insbesondere auf Zusammenhänge zwischen Kriminalität, Migration und Grenzpolitik.
Die Kriminalstatistik zeigt damit vor allem eines: Während die Gesamtzahlen leicht sinken, verschieben sich die Schwerpunkte der Kriminalität. Genau diese Verschiebung dürfte die sicherheitspolitische Debatte in Nordrhein-Westfalen in den kommenden Monaten prägen.


