In Minnesota hat ein folgenschwerer Vorfall zwischen einem Beamten der US-Einwanderungsbehörde ICE und einer Frau eine Welle der Entrüstung hervorgerufen. Die Auseinandersetzung um die Ermittlungen in diesem tragischen Fall zeigt erhebliche Spannungen zwischen den verschiedenen staatlichen und föderalen Institutionen auf. Die Strafverfolgungsbehörde Minnesotas kritisiert scharf die Entscheidung der US-Staatsanwaltschaft, die Ermittlungen vollständig an das Federal Bureau of Investigation (FBI) zu übergeben, und fühlt sich dadurch in ihrer Aufklärungsarbeit behindert.
Ursprünglich hatte das Bureau of Criminal Apprehension (BCA) in Minnesota geplant, eine aktive Rolle in der Untersuchung zu übernehmen. Die Ernüchterung war groß, als das Bureau plötzlich von dem Fall ausgeschlossen wurde, wie der Leiter der Behörde, Drew Evans, berichtet. Ohne die erforderlichen Beweismittel und Zugang zu den Fallunterlagen sieht sich das BCA in seiner Fähigkeit eingeschränkt, sowohl die gesetzlichen Anforderungen des Bundesstaates als auch die Erwartungen der Öffentlichkeit zu erfüllen. Evans weist auf die Bedeutung einer transparenten und unabhängigen Untersuchung hin, die nun durch das exklusive Vorgehen der Bundesbehörden in Frage gestellt wird.
Heimatschutzministerin Kristi Noem verteidigte die Entscheidung, die Untersuchung allein von nationalen Behörden durchführen zu lassen, mit dem Argument, dass lokale Stellen keine Zuständigkeit in diesem spezifischen Fall besäßen. Dagegen hob Bob Jacobson, Leiter der Behörde für öffentliche Sicherheit Minnesotas, hervor, dass es sich bewährt habe, in derartigen Fällen auch lokale Experten einzubeziehen, selbst wenn die Leitung bei den Bundesbehörden liegt. Die Praxis der Involvierung starker lokalen Kräfte habe in der Vergangenheit zu einer umfassenderen und differenzierteren Aufarbeitung solcher Fälle geführt.
Besonders alarmiert zeigte sich der Gouverneur von Minnesota, Tim Walz, der betonte, wie wichtig die Einbeziehung der lokalen Behörden sei, um zur Deeskalation und zur Wahrung des öffentlichen Vertrauens beizutragen. Er warnte davor, dass durch voreilige Stellungnahmen von ranghohen politischen Persönlichkeiten, einschließlich des Präsidenten und des Vizepräsidenten, die Integrität und Glaubwürdigkeit der gesamten Untersuchung gefährdet werden könnten.
Das Bureau of Criminal Apprehension, das 2020 mit dem Ziel gegründet wurde, bei Gewaltanwendungen durch Polizeibeamte für unabhängige und transparente Ermittlungsergebnisse zu sorgen, steht nun vor einer ernsthaften Bewährungsprobe. Die Frage, wie föderale und staatliche Behörden künftig in derartigen Fällen zusammenarbeiten, wird durch diese aktuelle Entwicklung neu herausgefordert und könnte auch politisch weitere Wellen schlagen.