Der Düsseldorfer Rüstungskonzern Rheinmetall forciert seine Expansion in den strategischen Weltraumsektor. In einer direkten Kampfansage an den etablierten Platzhirsch Airbus formiert CEO Armin Papperger eine Allianz mit dem Bremer Satellitenspezialisten OHB. Ziel ist der Zuschlag für das bislang größte Raumfahrtprojekt der Bundeswehr.
Im Zentrum der Auseinandersetzung steht das Programm „SATCOMBw Stufe 4“. Dieses sieht den Aufbau einer Konstellation aus mindestens hundert Kommunikationssatelliten vor. Das Auftragsvolumen wird in Industriekreisen auf acht bis zehn Milliarden Euro taxiert. Die Ausschreibung für das Megaprojekt wird bereits für Februar 2026 erwartet.

Die geplante Architektur spiegelt das technische Vorbild von SpaceX wider
Das Anforderungsprofil der Bundeswehr orientiert sich technisch stark am Starlink-Netzwerk von Elon Musk. Ziel ist eine hochverfügbare, latenzarme Vernetzung mobiler Einheiten wie Panzer, Fregatten und einzelner Soldaten bis zum Jahr 2029. Dies erfordert eine Abkehr von wenigen geostationären Satelliten hin zu einer dichten Schwarm-Konstellation im niedrigen Erdorbit.
Für die Umsetzung ist die Teilstreitkraft „Cyber- und Informationsraum“ (CIR) verantwortlich. Generalmajor Armin Fleischmann, der zuständige Weltraumbeauftragte, skizzierte den Bedarf explizit als militärisches Pendant zu Starlink. Die technologische Komplexität erfordert dabei spezialisierte Halbleiter und Antennentechnik, um die Inter-Satelliten-Kommunikation in Echtzeit zu gewährleisten.
Interne Machtkämpfe prägen die Verhandlungen der Herausforderer
Zwischen Rheinmetall und OHB wird derzeit intensiv über die Struktur des geplanten Joint Ventures verhandelt. Rheinmetall strebt, analog zur Kooperation mit dem finnischen Radar-Start-up Iceye, eine Mehrheitsbeteiligung von 60 Prozent an. Das Unternehmen verweist dabei auf seine überlegene Kapitalausstattung und die Rolle als Generalunternehmer.
OHB hingegen pocht auf eine gleichberechtigte Partnerschaft auf Augenhöhe. Der Bremer Konzern bringt die essenzielle Raumfahrtexpertise ein, verfügt jedoch mit rund einer Milliarde Euro Jahresumsatz über deutlich weniger finanzielle Feuerkraft als Rheinmetall oder internationale Wettbewerber wie Leonardo.
Aktuell baut Rheinmetall im nordrhein-westfälischen Neuss bereits Fertigungskapazitäten auf. Dort sollen ab Mitte des Jahres die ersten SAR-Aufklärungssatelliten aus der Iceye-Kooperation entstehen, was die industrielle Basis für das neue Vorhaben stärken würde.

Geopolitische Standortfaktoren benachteiligen den Incumbent Airbus
Airbus Defence and Space, der Betreiber des aktuellen SATCOMBw-Systems, gerät durch politische Vorgaben unter Druck. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) und Generalmajor Fleischmann haben eine klare Präferenz für nationale Lösungen und deutsche Wertschöpfung signalisiert. Airbus produziert seine Satellitenflotten primär in Frankreich.
Zusätzlich belastet die anstehende Fusion der Airbus-Satellitensparte mit Thales Alenia Space und Leonardo die Positionierung. Diese europäische Konsolidierung könnte die Agilität im Vergleich zum rein deutschen Konsortium Rheinmetall-OHB einschränken.
Dennoch verfügt Airbus über einen entscheidenden Vorteil: existierende Produktionskapazitäten und bewährte Technologie. Angesichts des extrem engen Zeitplans bis zur geplanten Einsatzbereitschaft 2029 könnte die Risikominimierung bei der Vergabe am Ende doch für den etablierten Anbieter sprechen.

