Der Kampf um die physischen Grundlagen der Künstlichen Intelligenz hat eine neue Eskalationsstufe erreicht. Amazon wartet nicht mehr auf das Angebot des Weltmarktes, sondern greift direkt an der Quelle zu, um seine Vormachtstellung zu sichern.
Der Tech-Gigant sichert sich die erste neue US-Kupferquelle seit zehn Jahren
Amazon.com hat eine wegweisende Vereinbarung mit dem Bergbaukonzern Rio Tinto unterzeichnet. Ziel ist der exklusive Erwerb von Kupfer aus dem Nuton-Projekt in Arizona. Dies markiert einen historischen Moment, da es sich um die erste neue Kupferproduktion in den Vereinigten Staaten seit über einer Dekade handelt.
Der Online-Händler umgeht damit klassische Lieferkettenrisiken und bedient sich direkt an einer Mine, die erst im vergangenen Jahr ihren Betrieb aufnahm.
Amazon bezahlt den Rohstoffzugang mit seiner eigenen Technologie
Der Deal ist keine einfache Geld-gegen-Ware-Transaktion, sondern eine strategische Symbiose.
Rio Tinto erhält im Gegenzug Zugang zu Cloud-Computing-Kapazitäten und Datenanalysen von Amazon Web Services (AWS). Chris Roe, Director bei Amazon, bestätigte, dass das Kupfer direkt an Zulieferer geht, die Komponenten für Amazon-Rechenzentren fertigen. Technologisch ist das Nuton-Projekt hochambitioniert und riskant.

Bakterien und Säure sollen Kupfer aus Erzen lösen, deren Verarbeitung bisher als ökonomisch sinnlos galt. Amazon nutzt seine Cloud-Power, um genau diese Gewinnungsraten zu optimieren.
Der Kupferhunger der Rechenzentren sprengt alle bisherigen Dimensionen
Dieser Schritt ist symptomatisch für eine Branche im absoluten Panikmodus.
Tech-Konzerne realisieren zunehmend, dass Energie und kritische Materialien der eigentliche Flaschenhals für den KI-Ausbau sind. Dennoch ist der Deal vorerst mehr Symbolik als die endgültige Lösung des Problems. Ein einziges großes Rechenzentrum verschlingt zehntausende Tonnen Kupfer für Kabel, Stromschienen und Transformatoren.
Die erwarteten 14.000 Tonnen aus dem Nuton-Projekt über vier Jahre reichen rechnerisch nicht einmal für eine einzige dieser Anlagen aus.
Die Börse bewertet den strategischen Vorstoß unterschiedlich
Die Finanzmärkte reagierten prompt, aber gemischt auf die Ankündigung.
Die Amazon-Aktie schloss an der NASDAQ fester und legte um 0,39 Prozent auf 239,12 US-Dollar zu. Rio Tinto zeigte sich uneinheitlich: Während die Aktie in London fast zwei Prozent verlor, legte das Papier in Sydney leicht zu.
Wer die Hardware kontrolliert, gewinnt das KI-Rennen, und Amazon hat soeben den Startschuss für die vertikale Integration der Rohstoffkette gegeben.


